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Rezensionen - Einstellungsjahr 2019

Verfasser: Uwe Bekemann (sofern nicht jeweils ein anderer Verfasser genannt ist)

 

Clinch it!

Clinch it!

Cyrus Lakdawala
Clinch it!
253 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-801-9
24,95 Euro




Clinch it!
Emanuel Lasker wird der Aphorismus zugeschrieben, nach dem nichts schwieriger als der Gewinn einer Partie ist, in der man eine Gewinnstellung erreicht hat. Es wird auch keinen erfahrenen Spieler geben, der nicht eigene Beispiele benennen könnte, in denen er den greifbaren Sieg in eine Remis- oder sogar in eine Verluststellung gepatzt hat.
Der schlecht stehende Gegner hilft in der Regel nicht dabei, den Sieg schnell einzufahren. Er kämpft ohne Rücksicht auf Verluste, denn er hat nichts mehr zu verlieren.

Dieser Thematik, den winkenden Erfolg nicht mehr aus der Hand zu geben, widmet sich Cyrus Lakdawala in seinem Werk "Clinch it!" (Untertitel: How to Convert an Advantage into a Win in Chess - "wie man im Schach einen Vorteil in einen Sieg umwandelt"), das 2018 bei New In Chess (NIC) erschienen ist. "Clinch it!" bedeutet so viel wie den Gewinn festhalten, ihn sich nicht mehr nehmen lassen, ihn einsacken.

Nach einer ausführlichen Einleitung findet der Leser auf den rund 250 Buchseiten fünf Kapitel mit den folgenden Überschriften vor:
1. Exploiting a development lead
2. Exploiting the attack
3. Defense and counterattack
4. Accumulating advantages
5. Converting favorable imbalances.

In der Einleitung führt Lakdawala 35 wiederkehrende und allgemeine Ursachen dafür auf, dass der Spieler eine vorteilhafte Stellung verdirbt. Er gibt an, dass seine Sammlung rund 300 Ursachen enthält, die er aber nicht in einer langen Liste am Anfang seines Buches abbilden wollte. Er verweist auf die nachfolgenden Inhalte, in denen weitere Gründe genannt werden, jeweils durch eine kursive Schrift hervorgehoben. Die weit gefächerte Aufzählung enthält Einträge wie beispielsweise Rechenfehler, Zaudern und Zweifel, psychologischer Zusammenbruch oder auch Über- oder Unterschätzung der Stellung und übertriebene Vereinfachung.
Eine weitere Auflistung sog. "psychologischer Irrtümer", die aber eher als Ratschläge bezeichnet werden können, lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers auf Aspekte wie den Kontrollverlust über die eigene Initiative bzw. den eigenen Angriff, ein notwendiges Übel zu akzeptieren oder Übermut zu vermeiden.

Nun hätte ich erwartet, dass Lakdawala in den nachfolgenden Kapiteln die Fehler in den Fokus nimmt, die zum Verwirken des zu erwartenden Sieges führen, auch um sich dabei den Ursachen und Vermeidungsstrategien zu widmen. Dies ist aber nicht der Fall. Er stellt anhand praktischer Beispiele das richtige Vorgehen dar, um einen Vorteil in den Sieg zu realisieren. Hierbei aber geht es um Ideen und Manöver, die zum allgemeinen Repertoire des Spielers zählen. Das Besondere im jeweiligen Beispiel liegt regelmäßig allein darin, dass zum Zeitpunkt des Einsatzes ein (erheblicher) Vorteil bereits bestand. Sie gehören aber auch zum Besteck oder Handwerkszeug des Spielers in ausgeglichenen oder für ihn nachteiligen Stellungen.
So sehe ich in "Clinch it!" eher ein Buch zu verschiedenen Aspekten der allgemeinen Mittel- und der Endspielführung als eines zur Sicherung des Sieges aus einer vorteilhaften Stellung heraus.

Das Thema des Werkes ist sehr gut gewählt, die Form der Umsetzung aber spiegelt dessen Ansatz nicht umfassend wider.

Lakdawala behandelt den Stoff anhand von Partiefragmenten aus allen Zeiten des modernen Schachspiels. Dieser weit gespannte Bogen ist wörtlich zu nehmen, denn auch von Greco sind Beispiele im Werk vertreten, die also rund 400 Jahre alt sind. Er erklärt ausführlich und so instruktiv, wie man es von ihm kennt. Er greift dabei auf seine etwa 40jährige Erfahrung als Schachlehrer zurück, der weiß, wo den Anfänger oder auch den Klubspieler der Schuh drückt. Als Autor muss man ihn vermutlich keinem Schachfreund mehr vorstellen, denn er schreibt Bücher in kurzer Folge. Als Spieler hat er es bis zum Internationalen Meister (IM) gebracht.
Über Übungen, die fortlaufend in die Erörterungen eingestreut sind, muss sich der Leser auch konstruktiv mit dem Stoff befassen. Wenn es eine Entwicklung zu vermeiden gilt, macht den Leser eine Warnung darauf aufmerksam. Übungen und Warnungen sind durch die Fettschrift der Bezeichnung hervorgehoben. Und wenn es mal philosophisch wird, etwa weil Lakdawala zu bedenken gibt, dass eine Amputation besser ist als der Tod des Körpers als solchem, ist auch dies entsprechend hervorgehoben.

Es gibt viel Text aufzunehmen, eben weil Lakdawala viel und intensiv erklärt und zudem auch noch einiges am Rande zu erzählen weiß. So ist "Clinch it!" nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam. Der Fremdsprachler muss entsprechend viel verstehen. Der im Buch zum Tragen kommende breite Wortschatz stellt dabei eine gewisse Herausforderung dar.

Fazit: "Clinch it!" halte ich für ein durchaus gelungenes Buch, allerdings nicht konsequent an seinem Ansatz orientiert geschrieben. Dem Leser werden an Beispielen Methodik und Verfahren für ein erfolgreiches Schach dargestellt. Sie greifen generell und nicht nur in Partien, in denen er sich bereits einen den Gewinn versprechenden Vorteil erarbeitet hat. Wer von "Clinch it!" auf den Punkt gebrachte Mittel und Wege erwartet, den Ursachen für den Verlust eines Gewinnvorteils entgegen zu wirken, wird sich weniger zufrieden gestellt sehen.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

How Ulf Beats Black

How Ulf Beats Black

Cyrus Lakdawala
How Ulf Beats Black
287 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-771-5
25,95 Euro




How Ulf Beats Black
Als ich mich etwas in das Werk „How Ulf Beats Black“ vertieft hatte, kam mir das Stichwort „Industriespionage“ in den Kopf. Ich verbinde es mit einem Vorgang, bei dem ein Unberechtigter sich Zugang zu einem Betriebsgeheimnis verschafft, z. B. zu geschützten Informationen über ein Produkt. Sein Ziel mag es sein, dieses Produkt selbst herstellen zu können. Aber was bedeutet es, wenn diese Informationen offen verfügbar sind, keinem Patentschutz o. ä. unterliegen und nur herausgearbeitet oder entschlüsselt werden müssen? Ein ganz normaler Vorgang, der beim Gelingen zum eigenen Produkt verhilft.

Der US-amerikanische IM, Schachlehrer und Trainer sowie sehr fleißige Autor Cyrus Lakdawala hat sich die Partien des früheren Weltklassespielers Ulf Andersson vorgenommen, um dessen Repertoire mit Weiß herauszuarbeiten. Dies ist nicht erst mit der Absicht geschehen, das vorliegende Buch zu schreiben, sondern bereits vor vielen Jahren, weil er das Repertoire für seine eigene Praxis adaptieren wollte. Er hat dann herauszuarbeiten versucht, welche Gemeinsamkeiten die von Andersson eingesetzten Systeme verbinden. Aus diesen hat er die Leitideen für die Spielführung wie auch seine Einschätzung abgeleitet, für welche Spielernatur das Repertoire geeignet ist.

Herausgekommen ist ein aus meiner Sicht systematisch sehr harmonisch abgestimmtes Repertoire, das Lakdawala im Buch in seiner gewohnt eingängigen Art erörtert. Wo er einen Bedarf auf Neuerungen gesehen hat oder ihm Partien aus dem Fundus von Andersson zur Vervollständigung der Darstellung gefehlt haben, hat er auf Beispiele anderer Spieler zurückgegriffen, nicht zuletzt auch auf eigene Duelle.
Nicht überall, wo sich Theorie und Praxis heute andere Zugfavoriten gesucht haben, hat Lakdawala diesen Bedarf gesehen oder anerkannt. Wer seine Eröffnungsvorbereitung mit dem Einprägen konkreter Zugfolgen verbindet, sollte zumindest eine gut sortierte und vor allem aktuelle Partiendatenbank hinzuziehen. Allerdings ist dieser Spielertypus eher nicht der von Lakdawala angesteuerte Adressat.

Schon in seiner Einführung beschreibt Lakdawala, für welchen Spielertyp das Repertoire geeignet ist. Zu den Kriterien bzw. Anforderungen an den Spieler zählen u.a.:
- Er favorisiert Eröffnungen, die sich mit einem guten Konzept erfolgreich spielen lassen, ohne dass man alle Züge aus dem Gedächtnis reproduzieren kann.
- Er ist eher Positionsspieler als ein geborener Angreifer, Taktiker, auf Offene Spiele und Iniative ausgerichteter Spieler.
- Er erzielt gute Ergebnisse in ruhigen Partien mit positionellen Manövern.
- Für seine Spielstärke besitzt er ausgeprägte Fähigkeiten für das späte Mittelspiel und das Endspiel.
- Er hat ein gutes Auge im Umgang mit schwachen Feldern im gegnerischen Lager.
- Er ist gut im Spiel mit Leichtfiguren, insbesondere wenn die gegnerischen schwächer als die eigenen sind.
- Er ist ein eher vorsichtiger Spieler, der nicht auf einen schnellen Sieg gepolt ist und zu dessen Eröffnungspräferenzen Einfachheit und Klarheit gehören. Diese letztgenannte Eigenschaft korrespondiert mit Lakdawalas Feststellung, dass Andersson gerne früh in der Partie das Material reduziert hat, nach Möglichkeit auch die Damen.

Lakdawala erörtert das Repertoire, wie oben schon angedeutet, anhand von Partien. Er erklärt viel, erläutert Hintergründe und gibt sich insgesamt größte Mühe, dem Leser das Verständnis der Systeme zu erleichtern. Für seine besondere sprachliche Kompetenz, die auch in einem breiten Wortschatz ihren Ausdruck findet, und seinen metapherhaften, teilweise „blumigen“ Stil ist er bekannt. Diese Eigenschaft lebt er im vorliegenden Werk geradezu aus. Mir persönlich macht es Spaß, ihm zu folgen. Allerdings muss man als Fremdsprachler mit mehr Mühe rechnen, um dem Autor in dessen Muttersprache immer voll folgen zu können. Definitiv zählen in „How Ulf Beats Black“ etliche Vokabeln nicht zum zumindest erweiterten Grundwortschatz.
Es wäre übertrieben, "How Ulf Beats Black" auch einen biografischen Charakter zuzusprechen, aber immerhin bietet das Werk auch einen Ausschnitt aus dem praktischen Schaffen Ulf Anderssons an.

Zur Erläuterung hat Lakdawala fortlaufend Aufgaben in die Kommentierungen eingebaut, die den Leser veranlassen, sich auch produktiv mit dem Stoff zu befassen. Die Ergebnisse erfährt dieser sogleich fließend im Anschluss. Wenn es etwas mit prinzipieller Bedeutung im Spiel gibt, hat er dies entsprechend hervorgehoben. Auch arbeitet er gerne mit Aufzählungen, die dem Leser die kompakte Wissensaufnahme erlauben.

Der folgende Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis und in der englischen Originalsprache zeigt an, welche Systeme das Repertoire bilden.
1: Ulf versus the King's Indian
2: The Pseudo-Grünfeld
3: Queen's Indian and Hedgehog lines
4: Quadruple fianchetto lines
5: The move order 1.Nf3 d5 2.c4
6: Ulf in the Catalan
7: Ulf versus the Tarrasch Defence
8: Ulf versus the Symmetrical English
9: Ulf versus the Modern, the Pirc and the Accelerated Dragon
10: Ulf versus the Dutch
11: Ulf in the Exchange Slav
12: What did Ulf play?

Im 12. Kapitel hat Lakdawala 39 Aufgaben zusammengestellt. Hierbei handelt es sich um Brettsituationen aus Anderssons Praxis. Der Leser erfährt über ein Diagramm und eine ausführliche Beschreibung, was von ihm erwartet wird. Die Lösungen sind gesammelt im sich anschließenden Teil zu finden.

Am Ende des Werkes sind vor allem ein Varianten- und ein Spielerverzeichnis aufgenommen. Das Variantenverzeichnis ist ausführlich und um Diagramme zu den Schlüsselstellungen bereichert.

Ich habe Cyrus Lakdawala oben als fleißigen Autor bezeichnet. Er schreibt Bücher fast wie am Fließband. Das eine oder andere Werk hat ihm in der Vergangenheit die Kritik eingebracht, oberflächlich gearbeitet zu haben oder auch fehlerhaft. Ich habe viele Arbeiten von ihm gesehen und manche dabei als weniger gelungen eingeschätzt. Man sollte sich aber hüten, gegenüber einer neuen Arbeit dieses Autors Vorbehalte zu entwickeln. „How Ulf Beats Black“ ist nach meiner Feststellung keine oberflächliche Arbeit und auch "echte" Fehler konnte ich nicht feststellen.

Bevor ich zum Fazit komme: Auch in diesem Werk habe ich, wie früher schon in anderen Büchern Lakdawalas, deutsche Worte gefunden, ohne dass diese auf eine Übersetzung aus dem Deutschen hindeuten würde. Diesmal ist es auf Seite 21 "Ich bin ein Ulfier." Ich habe keine Idee, was es damit auf sich haben könnte, aber interessant ist dies schon.

Fazit: „How Ulf Beats Black“ ist ein Werk, das einer interessanten Idee zur Zusammenstellung eines Repertoires folgt. Die Umsetzung ist sehr gut gelungen, insbesondere im Hinblick auf die Darstellung des roten Repertoire-Fadens als auch der vorbildlichen Erläuterungen des Autors. Wer sich dem Spielertyp zugehörig sieht, den Lakdawala selbst definiert hat, erhält ein gelungenes Buch und ein nicht minder qualifiziertes "systematisches" Repertoire an die Hand.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems

The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems

Milos Pavlovic
The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems
350 Seiten, kartoniert
ISBN: 9789492510136
25,50 Euro




The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems
Für sein Werk "The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems" hatte sich der serbische Großmeister und anerkannte Autor Milos Pavlovic die Aufgabe gestellt, für Schwarz ein positionell orientiertes Standardrepertoire gegen die drei weißen Eröffnungszüge 1.d4, 1. c4 und 1.Sf3 zu erarbeiten. Dieses basiert auf dem Abgelehnten Damengambit, der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung und der im Buchtitel nicht genannten Katalanischen Eröffnung. Behandelt werden dabei auch hybride Spielweisen. Das Buch ist entsprechend aus der Sicht des Nachziehenden geschrieben. Es ist aber auch problemlos zu nutzen, wenn man sich für das Spiel mit den weißen Steinen präparieren will. Allerdings ist dabei zu beachten, dass die schwarzen Zugalternativen nur abgebildet sind, soweit sie den Repertoireempfehlungen des Autors entsprechen.

Das Werk ist in sechs Teile untergliedert, auf die sich 23 Kapitel verteilen. Das Inhaltsverzeichnis ist zugorientiert erstellt und übernimmt dabei die Funktion eines Variantenverzeichnisses, das es nicht zusätzlich gibt. Der Stoff wird wie folgt behandelt:
Teil 1: Abgelehntes Damengambit (5.Lg5 & 6.Lxf6)
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Le7 5.Lg5 h6 6.Lxf6 Lxf6 in drei Kapiteln.

Teil 2: Abgelehntes Damengambit (5.Lg5 & 6.Lh4)
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Le7 5.Lg5 h6 6.Lh4 Sbd7 in zwei Kapiteln.

Teil 3: Abgelehntes Damengambit (5.Lf4)
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Le7 5.Lf4 0-0 in fünf Kapiteln.

Teil 4: Abgelehntes Damengambit (andere Fortsetzungen im 5. Zug)
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Le7 in zwei Kapiteln. Hier werden detailliert die Folgen von 5.g3 und 5.Dc2 behandelt.

Teil 5: Katalanische Eröffnung
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.g3 dxc4 5.Lg2 c5 6.0-0 Sc6 in vier Kapiteln.

Teil 6: Nimzowitsch-Indische Verteidigung
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 in sieben Kapiteln.
Auf die häufigste Fortsetzung mit 4.e3 setzt Pavlovic auf die Hübner-Variante (mit 4...c5 5.Ld3 Sc6 6.Sf3 Lxc3+ 7.bxc3 d6).

Jeder Teil wird mit einem Deckblatt, das die Initialzüge zeigt, eingeleitet, jedes Kapitel zusätzlich mit einer Variantenübersicht ("Chapter's guide").

Sehr gut gemacht ist die Ordnung im Buch. Als Leser weiß man immer ganz genau, welcher Variante der gerade besprochene Stoff zugeordnet ist. Die Schlüsselzüge werden mittels eines farblichen Hintergrundes hervorgehoben. Die zahlreich eingesetzten Diagramme lassen aufgrund einer unterschiedlichen Größe sofort erkennen, ob sie der Hauptvariante oder einer Abzweigung zugeordnet sind. Nebenvarianten sind im Druckbild deutlich abgesetzt.
Der Verlag, Thinkers Publishing aus Belgien, knausert also nicht mit Papier, was sich auch im angenehm großen Druckbild niederschlägt.

Milos Pavlovic setzt für mich offensichtlich darauf, dass seine Leser bereits einiges an Schachverständnis mitbringen. Seine Erläuterungen setzen jenseits der Schwelle an, die ein noch unerfahrener Spieler für das Verstehen der Systeme braucht. Auch geht er überwiegend nicht ins Detail. So erfährt man beispielsweise die Ideen, die hinter einem Vorgehen stehen, oder dass eine Seite über ein gutes Spiel verfügt. Eine Anleitung zur Spielführung oder aber die Gründe für eine Einschätzung gibt Pavlovic regelmäßig nicht. So ist die Darstellung zwar ein Mix aus Text und Varianten, aber auf einem höheren Level. Varianten sind zahlreich im Buch vertreten und können auch schon mal länger ausfallen. Teilweise stammen sie als Fragmente aus Partien, von denen übrigens nicht wenige im Fernschach gespielt worden sind. Nicht selten sind auch Analysen im Werk zu finden, die ich dann regelmäßig Pavlovic zugeschrieben habe, soweit keine Urheber angegeben sind.

Neben dem schon stärkeren Klub- bzw. Turnierspieler ist für mich der Fernschachspieler Adressat des Werkes. Er kann besonders auch von der Strukturierung des Materials profitieren, die es anbietet. Ergänzt um eine gut sortierte Partiendatenbank hat "The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems" das Potenzial zu einem roten Repertoire-Faden während der Partie. Was das Buch trotz der zahlreich aufgenommenen Varianten nicht abbildet, ergänzt die Datenbank.
Teilweise geht Pavlovic Vereinfachungen nicht aus dem Weg bzw. sucht er diese sogar. Weniger komplizierte Stellungen machen Stellungsbeurteilungen moderner Engines verlässlicher als solche in komplizierten und auf eine lange Sicht angelegten Strukturen. Ob dies im persönlichen Fernschach ein Vor- oder Nachteil ist, liegt beim Spieler selbst.

Die Buchsprache ist Englisch. Fremdsprachkenntnisse auf Schulniveau reichen aus, um ohne besondere Probleme mit dem Werk arbeiten zu können.

Fazit: "The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems" ist ein gelungenes Repertoirebuch, das eher den fortgeschrittenen Spieler als den unerfahrenen anspricht. Sein Autor Milos Pavlovic möchte den Leser mit einem Standardrepertoire ausstatten, mit dem er in der Praxis wahrscheinlich häufig auftreten kann. Grundsätzlich kann es auf die weißen Eröffnungszüge 1.d4, 1.c4 und 1.Sf3 eingesetzt werden.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.