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Rezensionen - Einstellungsjahr 2019

Verfasser: Uwe Bekemann (sofern nicht jeweils ein anderer Verfasser genannt ist)

 

Strategic Chess Exercises

Strategic Chess Exercises

Emmanuel Bricard
Strategic Chess Exercises
221 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-760-9
23,50 Euro




Strategic Chess Exercises
"Strategic Chess Exercises" von Emmanuel Bricard ist als Übersetzung aus dem Französischen eine 2018er Neuerscheinung bei New In Chess". Das Original stammt aus dem Jahre 2016.
Bricard ist Großmeister, früherer Landesmeister Frankreichs und seit vielen Jahren ein erfolgreicher Trainer. Das Material, das er in diesem Buch verwendet hat, stammt aus seiner Trainertätigkeit, ist also praktisch erprobt.

Der Markt bietet dem Leser eine breite Auswahl an Büchern, in denen er sich anhand von Übungsaufgaben überprüfen und dabei seine Spielstärke heben kann. Diese widmen sich zumeist Themen aus dem Bereich der Taktik. In "Strategic Chess Exercises" geht es aber darum, die richtigen Pläne zu finden, also um die Strategie in der Partie.
Bricard sieht das breite Spektrum der Klubspieler als Hauptadressaten seines Werkes an, was ich gut nachvollziehen kann.

Der Stoff verteilt sich auf vier Kapitel, von denen jeweils zwei ein Pärchen bilden. Im ersten Kapitel sind die Übungen aus der Phase des Mittelspiels zu finden und im zweiten, dem mit Abstand längsten, die Lösungen hierauf. Entsprechend verhält es sich mit den Kapiteln drei und vier, diesmal aber auf das Endspiel ausgerichtet.
Fast alle Beispiele sind praktischen Partien entnommen, ergänzend ist eine Studie vertreten. Von den insgesamt 90 Übungen entfallen 63 auf das Mittelspiel.

Die Übungen werden jeweils über ein Diagramm eingeführt, das zusätzlich die Information über den am Zug befindlichen Spieler anzeigt. Die Aufgaben sind überwiegend offen formuliert; so ist beispielsweise manchmal ein den Gewinn bringender Plan zu entwickeln, die Möglichkeit zum Erringen der Initiative auszuarbeiten oder auch die Frage zu beantworten, wie eine Seite den Druck auf den Gegner erhöhen kann. Bisweilen muss sich der Leser auch mit den Möglichkeiten für beide Seiten befassen.

Ausgezeichnet finde ich Bricards Ansatz, keinerlei Anhaltspunkte dafür zu bieten, auf welche Motive der Strategie der Leser jeweils sein Augenmerk richten soll. So befindet sich dieser in einer vergleichbaren Situation wie in seinem eigenen Duell am Brett, bei dem ihm auch niemand das zum Erfolg führende strategische Mittel einsagt. Am Ende des Werkes gibt aber eine als Index eingearbeitete Aufstellung die vorne vermiedene Auskunft. Dem lernenden Leser möchte ich den Tipp geben, nach der Bearbeitung einer Aufgabe und für einen späteren Zeitpunkt vielleicht mit Bleistift das Motiv in die Übungsaufgabe zu übertragen. So kann er bei einem neuen "Arbeitsgang" überprüfen, ob ihm das Motiv so geläufig ist oder geworden ist, dass er es auch gezielt verfolgen kann.

Die Lösungen werden ganz überwiegend anhand der vollständigen Partie besprochen. Die Eingangszüge bis zur entscheidenden Stelle werden unkommentiert gelassen. Ab diesem Zeitpunkt in der Partie aber beschreibt und erläutert Bricard sehr intensiv. Das jeweilige Beispiel erscheint optisch wie eine sehr intensiv kommentierte Partie. Inhaltlich aber sorgen die Kommentare für den Lernerfolg, indem sie am Ziel orientiert das mit dem Beispiel verbundene Wissen vermitteln und anzuwenden veranschaulichen.

"Strategic Chess Exercises" ist ein ausgezeichnetes Handbuch auch für Schachlehrer und Trainer. Die Übungen und die Lösungen darauf können weitgehend eins zu eins unmittelbar eingesetzt werden.

Es gibt insgesamt recht viel zu lesen in diesem Buch. Auch wenn die Anforderungen an den Fremdsprachler nicht allzu hoch sind, weil der englische erweiterte Grundwortschatz kaum überschritten wird und der Übersetzer (Tony Kosten) erkennbar auf einen einfachen Satzbau geachtet hat, stellt allein der Umfang des Textes eine gewisse Herausforderung dar. Unabhängig davon reichen Englischkenntnisse auf Schulniveau aus.

Fazit: "Strategic Chess Exercises" ist ein Buch, das den Autodidakten unter den Klubspielern sehr gute Hilfestellung gibt, sein strategisches Spielvermögen zu verbessern. Eine konzentrierte Arbeit mit dem Werk vorausgesetzt wird er - in meinen Augen ohne Zweifel - erkennen, wie er sein Spiel planvoller führen kann.

Dem Schachlehrer und Trainer bietet es eine Fülle an unmittelbar einsetzbarem Schulungsmaterial.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Play the Queen's Indian Defence

Play the Queen's Indian Defence

Jewgeni Soloschenkin
Play the Queen's Indian Defence
319 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-619-7188-21-9
22,95 Euro




Play the Queen's Indian Defence
"Play the Queen's Indian Defence" von Jewgeni Soloschenkin folgt einem spezifischen übergeordneten Ziel: Weiß soll nicht verhindern können, dass man sich als Spieler mit den schwarzen Steinen der Damenindischen Verteidigung bedient. Das Motto ist also mit etwas anderen Worten: Damenindisch aus allen Lagen.
Soweit Weiß geschlossene Systeme ansteuert, aus denen die Themaeröffnung theoretisch und ggf. unter Zugumstellung erreicht werden kann, soll der Leser die Chance auch auf der Basis der Informationen aus diesem Buch nutzen können. Deshalb legt Soloschenkin viel Wert auf die Darstellung der verschiedenen Zugfolgen und der Übergänge zwischen den Systemen, über die auch außerhalb des Standardweges 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 die Damenindische Verteidigung auf das Brett kommen kann.

"Play the Queen's Indian Defence" kommt aus dem bulgarischen Verlag Chess Stars, ist aber nicht nach dem für dessen Repertoirebücher bekannten besonderen Format aufgebaut. In der Behandlung der Theorie folgt es somit nicht einer Dreiteilung der einzelnen Kapitel in "Quick Repertoire", "Step by Step" und "Complete Games", sondern geht monologartig vor. Es gibt eine Baumstruktur aus Haupt- und Nebenvarianten, vollständige Partien sind nicht aufgenommen (außer jenen, die als Nebenvariante fungieren und ausnahmsweise komplett abgebildet sind).

Beim Durcharbeiten des Werkes sind mir zwei Besonderheiten aufgefallen, die ich für sehr erwähnenswert halte.
1. Das Werk stützt sich nicht nur auf viel aktuelles Praxismaterial aus den Meisterduellen am Brett, sondern auch aus dem Fernschachspiel. Dies freut mich nicht nur als Fernschachspieler, sondern überzeugt hinsichtlich der rechnerischen Korrektheit der Varianten. Im modernen Fernschach ist davon auszugehen, dass die Partien in herkömmlichen Turnieren allesamt technikunterstützt gespielt worden sind. Die Varianten sind also sauber mittels Engines gecheckt. Nun könnte der Leser, der das Duell im Nahschach bevorzugt, das Buchkonzept hinterfragen, indem er darauf hinweist, dass die rechnerische Genauigkeit der Varianten nicht zugleich deren Spielbarkeit bei kurzer Bedenkzeit auf der Turnierbühne belegt. Genau dies berücksichtigt Soloschenkin. Besonders deutlich wird dies auf Seite 133. Anhand einer Fernschachpartie belegt er, dass eine Stellung theoretisch Remis ist. Er verweist darauf, dass die Spielführung am herkömmlichen Brett sehr schwierig und fehlergeneigt ist, so dass der Remisausgang - anders als im Fernschach - nicht zwingend angenommen werden kann. Ob mit dem Gegner gegenüber oder irgendwo auf der Welt - Soloschenkin widmet seine Betrachtung beiden Bereichen des Schachspiels.
2. Solochenkin tut nicht so, als ob der Klubspieler immer die neuesten Entwicklungen auf der Turnierbühne kennen und die Modevarianten spielen müsste, um nicht unterzugehen. Wenn eine frühere Hauptspielweise inzwischen abgelöst ist, aber auch heute noch ein vollwertiges Spiel verspricht, geht er gewöhnlich darauf ein, selbst wenn es dann nur in der Form eines Hinweises geschieht. So kann sich der Leser entscheiden, ob er nicht doch die Alternative zu seiner ersten Wahl machen möchte, eventuell unter Beiziehung eines anderen Buches. Ein gutes Beispiel für dieses Vorgehen ist Kapitel 15 zur Nimzowitsch-Variante mit 4...La6.

Insgesamt ist "Play the Queen?s Indian Defence" in vier Teile gegliedert, auf die sich 19 Kapitel verteilen. Der Inhalt lässt sich im Abriss wie folgt zusammenfassen:
Teil 1: Abweichungen von den Hauptsystemen.
Teil 2: Miles-, Awerbach- und Botwinnik-Varianten.
Teil 3: Petrosjan-System.
Teil 4: Nimzowitsch-Variante.

Das Repertoire ist aus der Sicht von Schwarz geschrieben. Die damit verbundene Konzentration auf ausgewählte schwarze Alternativen wird über die og. Hinweise des Autors auf andere Möglichkeiten abgemildert.

Soloschenkin gibt sich große Mühe den Leser die Spielweisen verstehen zu lassen. Er erklärt sehr intensiv und geht insbesondere auch auf die strategischen Ideen und Anforderungen ein. Soweit die Grundgedanken eines Systems erstmals auftreten, passiert dies sogleich zu Beginn eines Kapitels.

Das Buch arbeitet mit einem Mix aus Varianten und Texterläuterungen. Für den herkömmlichen Klubspieler wird das Maß dessen, was er für sein Spiel als Vorbereitung als Varianten im Gedächtnis braucht und er sich merken will und kann, nach meiner Einschätzung häufig unterhalb der Darstellungstiefe liegen. Hier kann er seinen Weg festlegen, auf der Basis seines (neu erlangten) Wissens zur Spielführung mit zusätzlichen konkreten Zugfolgen zu arbeiten, oder eben auch nicht.
Der Fernschachspieler wird die Variantenbreite begrüßen.

Der Leser, der über Englischkenntnisse auf Schulniveau verfügt, wird sprachlich vor keine bemerkenswerten Anforderungen gestellt.

Fazit: "Play the Queen's Indian Defence" ist ein gelungenes Repertoirebuch zur Damenindischen Verteidigung, das ich dem Klubspieler sowie dem Fernschachspieler empfehlen kann.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Schach-Weltmeisterschaft 2018 (eine Gast-Rezension von Gerd Schowalter)

Schach-Weltmeisterschaft 2018

Jerzy Konikowski, Uwe Bekemann
Schach-Weltmeisterschaft 2018
190 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-3-95920-079-0
19,80 Euro




Schach-Weltmeisterschaft 2018
Die beiden bekannten Autoren haben schon wiederholt gemeinsam Bücher herausgebracht. Aber wenige Tage nach Beendigung des Großereignisses schon ein Buch darüber? Sollte es sich um einen Schnellschuss handeln? Schon auf Seite 15, beim ersten Diagramm eine Ungenauigkeit (nicht Schwarz, sondern Weiß wird zu einer konkreten Entscheidung gezwungen!). Außerdem sorgt auf Seite 81 die "Gratwanderung" mit "d" statt mit "t" geschrieben, für ein leichtes Schmunzeln. Denn Prof. Althöfer meinte mit seiner blumigen Feststellung nicht die Thermometerskala, sondern eine gefährlichen Gebirgspfad, auf dem man abstürzen kann. Also keine Sorge, Freunde, dieses Buch ist sehr gewissenhaft und seriös geschrieben!

Schon vor Beendigung der Weltmeisterschaft ließen sich nämlich mehrere Kapitel erstellen. Dies gilt etwa für die Auflistung aller Weltmeister (S. 10) oder die Prognosen der Experten, der Großmeister Karsten Müller und Artur Jussupow und des Professors Ingo Althöfer (S. 58 ff.) Auch die Kurzporträts der Protagonisten (S. 13 ff.) in Kapitel 1, die bisherigen Duelle (S. 37 ff.) in Kapitel 2 und die Kombinationen von Carlsen und Caruana, die zum Lösen auffordern, stammen aus früheren Turnieren (S. 51 ff.). Die Lösungen (ab S. 56) verraten nichts vorzeitig und lassen den Leser und Löser in einem Punktesystem seine Einordnung vom "durchschnittlichen Vereinsspieler bis zum Großmeister" feststellen (Kapitel 3).

Die Aufstellung der 50 besten Spieler der Welt (Stand 3. Dezember 2018, S. 186) und das Namensverzeichnis (S. 187) konnten natürlich ebenfalls vor Beendigung des Wettkampfes fertig gestellt werden.

Die Partien nehmen natürlich den größten Raum des Buches ein (S. 84 - 184). Sie sind ausnahmslos wiedergegeben, selbst die Spiele des Tiebreaks. Durchgängig finden sich tiefgreifende Analysen, die nicht nur von Konikowski und Bekemann stammen, sondern dankenswerterweise, wie es im Vorwort (S. 7f.) vermerkt ist, von IGM Karsten Müller. Dabei wird nicht selten auf Analysen früherer Partien, besonders im Eröffnungsstadium hingewiesen. Mehrere Fotos der Wettkämpfer, des Spielortes London usw. lockern die Texte auf.
Sehr schön sind auch die gekonnten Zusammenfassungen am Ende einer jeden Partie. Ausreichend vorhandene Diagramme in allen Partien sind für den Leser hilfreich.

Fazit: Dieses Buch über die WM ist keineswegs ein Schnellschuss. Die Autoren haben nicht nur die Vorgeschichte informativ dargestellt, sondern auch alle Partien gewissenhaft für den Leser aufbereitet. Schön sind auch die Aufstellung der bisherigen 16 Weltmeister, der TOP 50 der Welt und die Lösungsaufgaben "Kombinieren Sie wie Carlsen und Caruana".
Wie vom Verlag längst gewohnt, sind Satz und Druck vorbildlich, so dass sich dieses Buch gut einreiht in vergleichbare Werke früherer Weltmeisterschaften. Uneingeschränkte Empfehlung!


 

Chess Pattern Recognition for Beginners

Chess Pattern Recognition for Beginners

Arthur van de Oudeweetering
Chess Pattern Recognition for Beginners
240 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-803-3
20,95 Euro




Chess Pattern Recognition for Beginners
Mit "Chess Pattern Recognition for Beginners" hat der niederländische IM, erfahrene Trainer und Autor Arthur van de Oudeweetering ein Buch zur Mustererkennung im Schach vorgelegt, mit dem er vor allem unerfahrene Spieler erreichen möchte. Er spricht zum Adressatenkreis von Anfängern bzw. Post-Anfängern. Mit ihm ergänzt er zwei Vorgängerwerke zum Thema, die er für Fortgeschrittene geschrieben hat und in denen quasi das vorausgesetzt worden ist, was er in seinem neuen Werk vorstellt.

Unter Mustererkennung ist die Fähigkeit des Spielers zu verstehen, in Stellungen die Möglichkeit zur Umsetzung bestimmter Manöver und Wendungen zu erkennen, um sie dann erfolgreich einsetzen zu können. Es geht also um bekannte und wiederkehrende Motive, die in den Stellungen stecken und auf ihre Entdeckung warten. Der Sinnspruch "Übung macht den Meister" trifft gerade auch auf die Entwicklung und Schärfung dieser Fähigkeit zu, die für jeden Spieler von einer herausragenden Bedeutung ist.

Den Schwerpunkt seiner Betrachtung legt van de Oudeweetering auf strategische Aspekte des Spiels. Taktische Dinge wie beispielsweise Kombinationen oder bestimmte überraschende Einschläge in die gegnerische Stellung kommen nicht als Selbstzweck vor und können höchstens mal für das Erreichen eines strategisch gesetzten Ziels eine Rolle spielen, dann aber untergeordnet.

Van de Oudeweetering hat sein Werk in vier Teile gegliedert, auf die sich insgesamt 25 Kapitel verteilen. Die Überschriften dieser vier Teile sind (in einer sinngemäßen Übersetzung):

1. Typische Bauern und Figuren
2. Wenn Bauern aufeinandertreffen
3. Wann abtauschen und wann nicht
4. Opfer - die Klassiker.

Aus ihnen lässt sich gut ableiten, wie die große Klammer um alle jeweiligen Kapitel aussieht.

Die Kapitel sind durchgehend gleich aufgebaut. Eine kurze Einleitung umschreibt, was den Leser erwartet. An diese schließen sich sechs bis acht Beispiele aus der Turnierpraxis an, in denen das erörterte Muster aufgetreten ist. Den Abschluss bildet eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte, die der Leser als Lernerfolg aus dem Kapitel mitnehmen soll.
Bei den Beispielen handelt es sich um Duelle im Spitzenschach der Gegenwart und der Vergangenheit, diese auch länger zurückliegend. Zumeist sind sie vollständig abgebildet. Für die Schlüsselstellungen bietet das Werk Diagramme an.
Die Erläuterungen des Autors sind sehr gut auf den Adressatenkreis zugeschnitten. So wird außer Regelfestigkeit kaum etwas vorausgesetzt. Die Muster werden nicht schlicht vorgestellt und erörtert, sondern in einer Weise behandelt, dass der Leser sie in seiner Partie auf sich allein gestellt zu erkennen lernt.

Ich kann dem Leser empfehlen, nach der Einleitung des Kapitels zunächst sofort zur Zusammenfassung an dessen Ende zu springen. Im Anschluss daran kann er sich an die Beispiele machen. So stellt er sicher, dass er von Beginn an weiß, worum es geht und worauf er achten sollte.

Nach dem ersten Teil sowie am Ende des Buches für die Teile zwei bis vier sind Lösungsaufgaben eingearbeitet. Hier ist der Leser selbst gefordert und kann überprüfen, inwieweit er den Stoff bereits verinnerlicht hat. Er erfährt jeweils recht konkret, was sich ihm als Aufgabe stellt, so dass auch hier die Ausrichtung des Werkes auf den noch unerfahrenen Spieler gut erkennbar wird.
Die Lösungen sind gesammelt im Anschluss an die Aufgaben zu den Teilen zwei bis vier abgebildet, also auch jene für die Aufgaben zum ersten Teil. Sie sind erfreulich ausführlich und geben dem Leser damit eine gute weitere Gelegenheit, um zu lernen.

Insgesamt betrachtet halte ich "Chess Pattern Recognition for Beginners" bis in den Bereich des Klubspielers hinein für geeignet. Dies begründet sich unter anderem auch damit, dass manche Manöver nicht zum Standardinhalt der einführenden Schachbücher zählen und längst nicht immer in den aufgenommenen Beispielen auf der Hand liegen.

Das Buch ist, wie natürlich schon der Titel anzeigt, in englischer Sprache verfasst. Es ist einiges an Text zu verarbeiten, allerdings sind die Anforderungen an die Fremdsprachkenntnisse moderat. Normales Schulenglisch sollte für ein recht bequemes Verstehen ausreichen.

Fazit: "Chess Pattern Recognition for Beginners" überzeugt mich in gleicher Weise wie seine Vorgänger, die sich an fortgeschrittene Spieler richten. Der Leser, den ich bis in den Klubbereich als Adressaten sehe, wird sehr gut informiert und angeleitet zugleich. Schon bei der Vorbereitung meiner Rezension hat es mir Spaß bereitet; dies wird dem Leser sicher nicht anders ergehen. Weil Übung den Meister macht und dieses Buch Übung und Spaß vermittelt, kann ich es uneingeschränkt empfehlen.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Strike Like Judith!

Strike Like Judith!

Charles Hertan
Strike Like Judith!
255 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-770-8
22,90 Euro




Strike Like Judith!
"Strike Like Judith!" von FIDE-Meister Charles Hertan und 2018 erschienen bei New In Chess (NIC) ist eine Sammlung von 110 Beispielen aus der Praxis von Judith Polgar, in denen sie ihre großartigen taktischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat. Als jüngste der drei ungarischen Polgar-Schwestern gilt sie als bisher beste Schachspielerin aller Zeiten. In der von Männern dominierten allgemeinen Elo-Weltrangliste war ihre beste Platzierung der 8. Rang.

Einem Vorwort des Autors, in dem er sich u.a. mit eher allgemeinen Aspekten wie dem Einfluss des Computers auf das Schachspiel, Fragen einer Zuordnung des Spiels zur Wissenschaft, zur Kunst oder auch zu keiner Kategorie und sowohl mit der Veränderung der Anforderungen an heutige Spitzenspieler als auch mit Reaktionen darauf befasst, folgt eine auf Judith Polgar konzentrierte Einleitung. Neben Informationen zur Person erfährt der Leser hier auch einiges zu Ihrem Turnierspiel und zu Besonderheiten im Kontakt zu anderen Spielern.

Der Kern des Buchthemas, die 110 Taktikbeispiele, ist der Gegenstand der nachfolgenden sechs Kapitel. Diese sorgen durch die Zuordnung der Partien, die zumeist als Fragment, manchmal aber auch vollständig abgebildet sind, für eine gewisse Gliederung des Materials. Daran ändert nichts, dass Hertans Einschätzungen zur Zuordnung mehr oder weniger auch subjektiv geprägt sind. So könnte manche Partie sicher auch in einem anderen Kapitel und damit zu einem anderen Thema besprochen werden.

Die Überschriften der einzelnen Kapitel geben teilweise zu wenig Anhaltspunkte auf den Inhalt, als dass hier die Abbildung des Inhaltsverzeichnisses sinnvoll sein könnte. So beschreibe ich lieber kurz, um was es jeweils geht.
Kapitel 1: Erkennen von Mustern und Strukturen, die über ein taktisches Manöver genutzt werden konnten.
Kapitel 2: Judith Polgar mit Weiß gegen die Sizilianische Verteidigung.
Kapitel 3: Die Kunst der Variantenberechnung.
Kapitel 4: Taktische Manöver im Endspiel.
Kapitel 5: Plötzliche unerwartete und entscheidende Taktikschläge.
Kapitel 6: Best of aus Judith Polgars Praxis.

Wenn nicht ausnahmsweise die vollständige Partie abgebildet ist, erfährt der Leser jeweils, wer im folgenden Fragment am Brett gesessen hat und in welchem Wettbewerb die Partie ausgetragen worden ist. Ein Diagramm, ergänzt um ein Symbol zum am Zug befindlichen Spieler, zeigt ihm die Ausgangsstellung.

Die Darstellung erinnert sehr an die herkömmliche Kommentierung von Partien aus Text und Varianten. Gelegentlich hat Hertan informative oder narrative Sequenzen eingebaut, die den Unterhaltungswert des Werkes erhöhen.
Er geizt nicht mit Diagrammen, so dass zumindest der erfahrene Spieler sich dem Stoff zumeist ohne das Brett und nur anhand des Buches widmen kann. Nicht immer hat Judith Polgar in den verwendeten Beispielen das Brett als Siegerin verlassen. Immer aber hat sie mit einer taktischen Aktion eine Art Glanztat vollbracht. Es ist von ihr bekannt, dass Sie über einen immensen Kampfgeist verfügte und so gut wie immer auf Sieg gespielt hat. Diese bedingungslose Haltung am Brett spiegelt sich im Buch wieder, es zeigt ihren Weg zum jeweiligen Erfolg.

In erster Linie setzt Hertan Judith Polgar mit diesem Werk ein den Leser unterhaltendes Denkmal. Ein bisschen wird auch für die Entwicklung seiner eigenen Spielstärke abfallen, denn man weiß ja, dass ein intensives Nachspielen von Beispielen aus der Meisterpraxis eine schulende Wirkung hat.

Zumeist wird der fremdsprachige Leser mit Hertans Ausführungen gut zurechtkommen, wenn er über ein ordentliches Schulenglisch verfügt. Längere Texte können schon mal das Nachschlagen einzelner Begriffe erforderlich machen, da der verwendete Wortschatz nicht gerade schmal ist.

Fazit: "Strike Like Judith!" kann dem Spieler so gut wie unabhängig von der eigenen Spielstärke empfohlen werden. Er erhält ein unterhaltsames und zugleich informatives Werk über das Schaffen von Judith Polgar, konzentriert auf ihre taktischen Einfälle und Manöver am Brett.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Clinch it!

Clinch it!

Cyrus Lakdawala
Clinch it!
253 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-801-9
24,95 Euro




Clinch it!
Emanuel Lasker wird der Aphorismus zugeschrieben, nach dem nichts schwieriger als der Gewinn einer Partie ist, in der man eine Gewinnstellung erreicht hat. Es wird auch keinen erfahrenen Spieler geben, der nicht eigene Beispiele benennen könnte, in denen er den greifbaren Sieg in eine Remis- oder sogar in eine Verluststellung gepatzt hat.
Der schlecht stehende Gegner hilft in der Regel nicht dabei, den Sieg schnell einzufahren. Er kämpft ohne Rücksicht auf Verluste, denn er hat nichts mehr zu verlieren.

Dieser Thematik, den winkenden Erfolg nicht mehr aus der Hand zu geben, widmet sich Cyrus Lakdawala in seinem Werk "Clinch it!" (Untertitel: How to Convert an Advantage into a Win in Chess - "wie man im Schach einen Vorteil in einen Sieg umwandelt"), das 2018 bei New In Chess (NIC) erschienen ist. "Clinch it!" bedeutet so viel wie den Gewinn festhalten, ihn sich nicht mehr nehmen lassen, ihn einsacken.

Nach einer ausführlichen Einleitung findet der Leser auf den rund 250 Buchseiten fünf Kapitel mit den folgenden Überschriften vor:
1. Exploiting a development lead
2. Exploiting the attack
3. Defense and counterattack
4. Accumulating advantages
5. Converting favorable imbalances.

In der Einleitung führt Lakdawala 35 wiederkehrende und allgemeine Ursachen dafür auf, dass der Spieler eine vorteilhafte Stellung verdirbt. Er gibt an, dass seine Sammlung rund 300 Ursachen enthält, die er aber nicht in einer langen Liste am Anfang seines Buches abbilden wollte. Er verweist auf die nachfolgenden Inhalte, in denen weitere Gründe genannt werden, jeweils durch eine kursive Schrift hervorgehoben. Die weit gefächerte Aufzählung enthält Einträge wie beispielsweise Rechenfehler, Zaudern und Zweifel, psychologischer Zusammenbruch oder auch Über- oder Unterschätzung der Stellung und übertriebene Vereinfachung.
Eine weitere Auflistung sog. "psychologischer Irrtümer", die aber eher als Ratschläge bezeichnet werden können, lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers auf Aspekte wie den Kontrollverlust über die eigene Initiative bzw. den eigenen Angriff, ein notwendiges Übel zu akzeptieren oder Übermut zu vermeiden.

Nun hätte ich erwartet, dass Lakdawala in den nachfolgenden Kapiteln die Fehler in den Fokus nimmt, die zum Verwirken des zu erwartenden Sieges führen, auch um sich dabei den Ursachen und Vermeidungsstrategien zu widmen. Dies ist aber nicht der Fall. Er stellt anhand praktischer Beispiele das richtige Vorgehen dar, um einen Vorteil in den Sieg zu realisieren. Hierbei aber geht es um Ideen und Manöver, die zum allgemeinen Repertoire des Spielers zählen. Das Besondere im jeweiligen Beispiel liegt regelmäßig allein darin, dass zum Zeitpunkt des Einsatzes ein (erheblicher) Vorteil bereits bestand. Sie gehören aber auch zum Besteck oder Handwerkszeug des Spielers in ausgeglichenen oder für ihn nachteiligen Stellungen.
So sehe ich in "Clinch it!" eher ein Buch zu verschiedenen Aspekten der allgemeinen Mittel- und der Endspielführung als eines zur Sicherung des Sieges aus einer vorteilhaften Stellung heraus.

Das Thema des Werkes ist sehr gut gewählt, die Form der Umsetzung aber spiegelt dessen Ansatz nicht umfassend wider.

Lakdawala behandelt den Stoff anhand von Partiefragmenten aus allen Zeiten des modernen Schachspiels. Dieser weit gespannte Bogen ist wörtlich zu nehmen, denn auch von Greco sind Beispiele im Werk vertreten, die also rund 400 Jahre alt sind. Er erklärt ausführlich und so instruktiv, wie man es von ihm kennt. Er greift dabei auf seine etwa 40jährige Erfahrung als Schachlehrer zurück, der weiß, wo den Anfänger oder auch den Klubspieler der Schuh drückt. Als Autor muss man ihn vermutlich keinem Schachfreund mehr vorstellen, denn er schreibt Bücher in kurzer Folge. Als Spieler hat er es bis zum Internationalen Meister (IM) gebracht.
Über Übungen, die fortlaufend in die Erörterungen eingestreut sind, muss sich der Leser auch konstruktiv mit dem Stoff befassen. Wenn es eine Entwicklung zu vermeiden gilt, macht den Leser eine Warnung darauf aufmerksam. Übungen und Warnungen sind durch die Fettschrift der Bezeichnung hervorgehoben. Und wenn es mal philosophisch wird, etwa weil Lakdawala zu bedenken gibt, dass eine Amputation besser ist als der Tod des Körpers als solchem, ist auch dies entsprechend hervorgehoben.

Es gibt viel Text aufzunehmen, eben weil Lakdawala viel und intensiv erklärt und zudem auch noch einiges am Rande zu erzählen weiß. So ist "Clinch it!" nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam. Der Fremdsprachler muss entsprechend viel verstehen. Der im Buch zum Tragen kommende breite Wortschatz stellt dabei eine gewisse Herausforderung dar.

Fazit: "Clinch it!" halte ich für ein durchaus gelungenes Buch, allerdings nicht konsequent an seinem Ansatz orientiert geschrieben. Dem Leser werden an Beispielen Methodik und Verfahren für ein erfolgreiches Schach dargestellt. Sie greifen generell und nicht nur in Partien, in denen er sich bereits einen den Gewinn versprechenden Vorteil erarbeitet hat. Wer von "Clinch it!" auf den Punkt gebrachte Mittel und Wege erwartet, den Ursachen für den Verlust eines Gewinnvorteils entgegen zu wirken, wird sich weniger zufrieden gestellt sehen.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

How Ulf Beats Black

How Ulf Beats Black

Cyrus Lakdawala
How Ulf Beats Black
287 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-771-5
25,95 Euro




How Ulf Beats Black
Als ich mich etwas in das Werk „How Ulf Beats Black“ vertieft hatte, kam mir das Stichwort „Industriespionage“ in den Kopf. Ich verbinde es mit einem Vorgang, bei dem ein Unberechtigter sich Zugang zu einem Betriebsgeheimnis verschafft, z. B. zu geschützten Informationen über ein Produkt. Sein Ziel mag es sein, dieses Produkt selbst herstellen zu können. Aber was bedeutet es, wenn diese Informationen offen verfügbar sind, keinem Patentschutz o. ä. unterliegen und nur herausgearbeitet oder entschlüsselt werden müssen? Ein ganz normaler Vorgang, der beim Gelingen zum eigenen Produkt verhilft.

Der US-amerikanische IM, Schachlehrer und Trainer sowie sehr fleißige Autor Cyrus Lakdawala hat sich die Partien des früheren Weltklassespielers Ulf Andersson vorgenommen, um dessen Repertoire mit Weiß herauszuarbeiten. Dies ist nicht erst mit der Absicht geschehen, das vorliegende Buch zu schreiben, sondern bereits vor vielen Jahren, weil er das Repertoire für seine eigene Praxis adaptieren wollte. Er hat dann herauszuarbeiten versucht, welche Gemeinsamkeiten die von Andersson eingesetzten Systeme verbinden. Aus diesen hat er die Leitideen für die Spielführung wie auch seine Einschätzung abgeleitet, für welche Spielernatur das Repertoire geeignet ist.

Herausgekommen ist ein aus meiner Sicht systematisch sehr harmonisch abgestimmtes Repertoire, das Lakdawala im Buch in seiner gewohnt eingängigen Art erörtert. Wo er einen Bedarf auf Neuerungen gesehen hat oder ihm Partien aus dem Fundus von Andersson zur Vervollständigung der Darstellung gefehlt haben, hat er auf Beispiele anderer Spieler zurückgegriffen, nicht zuletzt auch auf eigene Duelle.
Nicht überall, wo sich Theorie und Praxis heute andere Zugfavoriten gesucht haben, hat Lakdawala diesen Bedarf gesehen oder anerkannt. Wer seine Eröffnungsvorbereitung mit dem Einprägen konkreter Zugfolgen verbindet, sollte zumindest eine gut sortierte und vor allem aktuelle Partiendatenbank hinzuziehen. Allerdings ist dieser Spielertypus eher nicht der von Lakdawala angesteuerte Adressat.

Schon in seiner Einführung beschreibt Lakdawala, für welchen Spielertyp das Repertoire geeignet ist. Zu den Kriterien bzw. Anforderungen an den Spieler zählen u.a.:
- Er favorisiert Eröffnungen, die sich mit einem guten Konzept erfolgreich spielen lassen, ohne dass man alle Züge aus dem Gedächtnis reproduzieren kann.
- Er ist eher Positionsspieler als ein geborener Angreifer, Taktiker, auf Offene Spiele und Iniative ausgerichteter Spieler.
- Er erzielt gute Ergebnisse in ruhigen Partien mit positionellen Manövern.
- Für seine Spielstärke besitzt er ausgeprägte Fähigkeiten für das späte Mittelspiel und das Endspiel.
- Er hat ein gutes Auge im Umgang mit schwachen Feldern im gegnerischen Lager.
- Er ist gut im Spiel mit Leichtfiguren, insbesondere wenn die gegnerischen schwächer als die eigenen sind.
- Er ist ein eher vorsichtiger Spieler, der nicht auf einen schnellen Sieg gepolt ist und zu dessen Eröffnungspräferenzen Einfachheit und Klarheit gehören. Diese letztgenannte Eigenschaft korrespondiert mit Lakdawalas Feststellung, dass Andersson gerne früh in der Partie das Material reduziert hat, nach Möglichkeit auch die Damen.

Lakdawala erörtert das Repertoire, wie oben schon angedeutet, anhand von Partien. Er erklärt viel, erläutert Hintergründe und gibt sich insgesamt größte Mühe, dem Leser das Verständnis der Systeme zu erleichtern. Für seine besondere sprachliche Kompetenz, die auch in einem breiten Wortschatz ihren Ausdruck findet, und seinen metapherhaften, teilweise „blumigen“ Stil ist er bekannt. Diese Eigenschaft lebt er im vorliegenden Werk geradezu aus. Mir persönlich macht es Spaß, ihm zu folgen. Allerdings muss man als Fremdsprachler mit mehr Mühe rechnen, um dem Autor in dessen Muttersprache immer voll folgen zu können. Definitiv zählen in „How Ulf Beats Black“ etliche Vokabeln nicht zum zumindest erweiterten Grundwortschatz.
Es wäre übertrieben, "How Ulf Beats Black" auch einen biografischen Charakter zuzusprechen, aber immerhin bietet das Werk auch einen Ausschnitt aus dem praktischen Schaffen Ulf Anderssons an.

Zur Erläuterung hat Lakdawala fortlaufend Aufgaben in die Kommentierungen eingebaut, die den Leser veranlassen, sich auch produktiv mit dem Stoff zu befassen. Die Ergebnisse erfährt dieser sogleich fließend im Anschluss. Wenn es etwas mit prinzipieller Bedeutung im Spiel gibt, hat er dies entsprechend hervorgehoben. Auch arbeitet er gerne mit Aufzählungen, die dem Leser die kompakte Wissensaufnahme erlauben.

Der folgende Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis und in der englischen Originalsprache zeigt an, welche Systeme das Repertoire bilden.
1: Ulf versus the King's Indian
2: The Pseudo-Grünfeld
3: Queen's Indian and Hedgehog lines
4: Quadruple fianchetto lines
5: The move order 1.Nf3 d5 2.c4
6: Ulf in the Catalan
7: Ulf versus the Tarrasch Defence
8: Ulf versus the Symmetrical English
9: Ulf versus the Modern, the Pirc and the Accelerated Dragon
10: Ulf versus the Dutch
11: Ulf in the Exchange Slav
12: What did Ulf play?

Im 12. Kapitel hat Lakdawala 39 Aufgaben zusammengestellt. Hierbei handelt es sich um Brettsituationen aus Anderssons Praxis. Der Leser erfährt über ein Diagramm und eine ausführliche Beschreibung, was von ihm erwartet wird. Die Lösungen sind gesammelt im sich anschließenden Teil zu finden.

Am Ende des Werkes sind vor allem ein Varianten- und ein Spielerverzeichnis aufgenommen. Das Variantenverzeichnis ist ausführlich und um Diagramme zu den Schlüsselstellungen bereichert.

Ich habe Cyrus Lakdawala oben als fleißigen Autor bezeichnet. Er schreibt Bücher fast wie am Fließband. Das eine oder andere Werk hat ihm in der Vergangenheit die Kritik eingebracht, oberflächlich gearbeitet zu haben oder auch fehlerhaft. Ich habe viele Arbeiten von ihm gesehen und manche dabei als weniger gelungen eingeschätzt. Man sollte sich aber hüten, gegenüber einer neuen Arbeit dieses Autors Vorbehalte zu entwickeln. „How Ulf Beats Black“ ist nach meiner Feststellung keine oberflächliche Arbeit und auch "echte" Fehler konnte ich nicht feststellen.

Bevor ich zum Fazit komme: Auch in diesem Werk habe ich, wie früher schon in anderen Büchern Lakdawalas, deutsche Worte gefunden, ohne dass diese auf eine Übersetzung aus dem Deutschen hindeuten würde. Diesmal ist es auf Seite 21 "Ich bin ein Ulfier." Ich habe keine Idee, was es damit auf sich haben könnte, aber interessant ist dies schon.

Fazit: „How Ulf Beats Black“ ist ein Werk, das einer interessanten Idee zur Zusammenstellung eines Repertoires folgt. Die Umsetzung ist sehr gut gelungen, insbesondere im Hinblick auf die Darstellung des roten Repertoire-Fadens als auch der vorbildlichen Erläuterungen des Autors. Wer sich dem Spielertyp zugehörig sieht, den Lakdawala selbst definiert hat, erhält ein gelungenes Buch und ein nicht minder qualifiziertes "systematisches" Repertoire an die Hand.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems

The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems

Milos Pavlovic
The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems
350 Seiten, kartoniert
ISBN: 9789492510136
25,50 Euro




The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems
Für sein Werk "The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems" hatte sich der serbische Großmeister und anerkannte Autor Milos Pavlovic die Aufgabe gestellt, für Schwarz ein positionell orientiertes Standardrepertoire gegen die drei weißen Eröffnungszüge 1.d4, 1. c4 und 1.Sf3 zu erarbeiten. Dieses basiert auf dem Abgelehnten Damengambit, der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung und der im Buchtitel nicht genannten Katalanischen Eröffnung. Behandelt werden dabei auch hybride Spielweisen. Das Buch ist entsprechend aus der Sicht des Nachziehenden geschrieben. Es ist aber auch problemlos zu nutzen, wenn man sich für das Spiel mit den weißen Steinen präparieren will. Allerdings ist dabei zu beachten, dass die schwarzen Zugalternativen nur abgebildet sind, soweit sie den Repertoireempfehlungen des Autors entsprechen.

Das Werk ist in sechs Teile untergliedert, auf die sich 23 Kapitel verteilen. Das Inhaltsverzeichnis ist zugorientiert erstellt und übernimmt dabei die Funktion eines Variantenverzeichnisses, das es nicht zusätzlich gibt. Der Stoff wird wie folgt behandelt:
Teil 1: Abgelehntes Damengambit (5.Lg5 & 6.Lxf6)
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Le7 5.Lg5 h6 6.Lxf6 Lxf6 in drei Kapiteln.

Teil 2: Abgelehntes Damengambit (5.Lg5 & 6.Lh4)
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Le7 5.Lg5 h6 6.Lh4 Sbd7 in zwei Kapiteln.

Teil 3: Abgelehntes Damengambit (5.Lf4)
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Le7 5.Lf4 0-0 in fünf Kapiteln.

Teil 4: Abgelehntes Damengambit (andere Fortsetzungen im 5. Zug)
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Le7 in zwei Kapiteln. Hier werden detailliert die Folgen von 5.g3 und 5.Dc2 behandelt.

Teil 5: Katalanische Eröffnung
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.g3 dxc4 5.Lg2 c5 6.0-0 Sc6 in vier Kapiteln.

Teil 6: Nimzowitsch-Indische Verteidigung
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 in sieben Kapiteln.
Auf die häufigste Fortsetzung mit 4.e3 setzt Pavlovic auf die Hübner-Variante (mit 4...c5 5.Ld3 Sc6 6.Sf3 Lxc3+ 7.bxc3 d6).

Jeder Teil wird mit einem Deckblatt, das die Initialzüge zeigt, eingeleitet, jedes Kapitel zusätzlich mit einer Variantenübersicht ("Chapter's guide").

Sehr gut gemacht ist die Ordnung im Buch. Als Leser weiß man immer ganz genau, welcher Variante der gerade besprochene Stoff zugeordnet ist. Die Schlüsselzüge werden mittels eines farblichen Hintergrundes hervorgehoben. Die zahlreich eingesetzten Diagramme lassen aufgrund einer unterschiedlichen Größe sofort erkennen, ob sie der Hauptvariante oder einer Abzweigung zugeordnet sind. Nebenvarianten sind im Druckbild deutlich abgesetzt.
Der Verlag, Thinkers Publishing aus Belgien, knausert also nicht mit Papier, was sich auch im angenehm großen Druckbild niederschlägt.

Milos Pavlovic setzt für mich offensichtlich darauf, dass seine Leser bereits einiges an Schachverständnis mitbringen. Seine Erläuterungen setzen jenseits der Schwelle an, die ein noch unerfahrener Spieler für das Verstehen der Systeme braucht. Auch geht er überwiegend nicht ins Detail. So erfährt man beispielsweise die Ideen, die hinter einem Vorgehen stehen, oder dass eine Seite über ein gutes Spiel verfügt. Eine Anleitung zur Spielführung oder aber die Gründe für eine Einschätzung gibt Pavlovic regelmäßig nicht. So ist die Darstellung zwar ein Mix aus Text und Varianten, aber auf einem höheren Level. Varianten sind zahlreich im Buch vertreten und können auch schon mal länger ausfallen. Teilweise stammen sie als Fragmente aus Partien, von denen übrigens nicht wenige im Fernschach gespielt worden sind. Nicht selten sind auch Analysen im Werk zu finden, die ich dann regelmäßig Pavlovic zugeschrieben habe, soweit keine Urheber angegeben sind.

Neben dem schon stärkeren Klub- bzw. Turnierspieler ist für mich der Fernschachspieler Adressat des Werkes. Er kann besonders auch von der Strukturierung des Materials profitieren, die es anbietet. Ergänzt um eine gut sortierte Partiendatenbank hat "The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems" das Potenzial zu einem roten Repertoire-Faden während der Partie. Was das Buch trotz der zahlreich aufgenommenen Varianten nicht abbildet, ergänzt die Datenbank.
Teilweise geht Pavlovic Vereinfachungen nicht aus dem Weg bzw. sucht er diese sogar. Weniger komplizierte Stellungen machen Stellungsbeurteilungen moderner Engines verlässlicher als solche in komplizierten und auf eine lange Sicht angelegten Strukturen. Ob dies im persönlichen Fernschach ein Vor- oder Nachteil ist, liegt beim Spieler selbst.

Die Buchsprache ist Englisch. Fremdsprachkenntnisse auf Schulniveau reichen aus, um ohne besondere Probleme mit dem Werk arbeiten zu können.

Fazit: "The Modernized Nimzo - Queen's Gambit Declined Systems" ist ein gelungenes Repertoirebuch, das eher den fortgeschrittenen Spieler als den unerfahrenen anspricht. Sein Autor Milos Pavlovic möchte den Leser mit einem Standardrepertoire ausstatten, mit dem er in der Praxis wahrscheinlich häufig auftreten kann. Grundsätzlich kann es auf die weißen Eröffnungszüge 1.d4, 1.c4 und 1.Sf3 eingesetzt werden.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.