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Rezensionen (Einstellungsjahr 2016)
von Uwe Bekemann
   
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The Power of Pawns
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Stein - move by move
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Karsten Müller - Schachtaktik
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The Safest Scandinavian
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The Queen's Indian - move by move
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Beating the Anti-Sicilians
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Ivan's Chess Journey - Games and Stories
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A Chess Opening Repertoire for Blitz and Rapid
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Playing 1.e4 e5
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Understanding the Scandinavian
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The Chess Manual of Avoidable Mistakes Volume 2
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Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften
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Wolfgang Uhlmann: Meine besten Partien
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Nimzo and Bogo Indian
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Finding Bobby Fischer
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Effektives Eröffnungstraining
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The Double Queen's Gambit
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Mastering Chess Middlegames
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Grandmaster Repertoire - 1.e4 vs The Sicilian II

 

The Power of Pawns

The Power of Pawns

Jörg Hickl
The Power of Pawns
186 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-631-2
18,95 Euro




The Power of Pawns
Zu "The Power of Pawns" von Jörg Hickl, Neuerscheinung 2016 bei New In Chess (NIC) 2016, lässt sich im Internet die Information lesen, dass es sich dabei um eine Übersetzung des deutschsprachigen Werkes "Die Macht der Bauern" von Jörg Hickl, Erik Zude und Uwe Schupp handelt. Eine Erklärung dazu gibt es im Buch nicht. Allerdings dankt Hickl den beiden genannten Personen im Vorwort.
Ich kann nichts dazu sagen, ob es ggf. inhaltliche Aktualisierungen gegeben hat, weil ich das genannte deutschsprachige Werk nicht besitze. Eine kleine Andeutung dazu habe ich aber doch gefunden. In der Bibliografie wird auch ein Buch aufgeführt, das erst 2013 auf den Markt gekommen ist, also klar nach dem Erscheinungsdatum von "Die Macht der Bauern". Da in einer Bibliografie nur Quellen aufgeführt werden, die auch tatsächlich genutzt worden sind, sind zumindest kleine Anpassungen anzunehmen.
Als kleines Zwischen-Resümee sei aber die Annahme erlaubt, dass "The Power of Pawns" nur für denjenigen Schachfreund komplett neu ist, der nicht schon im Besitz von "Die Macht der Bauern" ist.

Wenn man an ein Lehrwerk denkt, das sich dem Spiel mit den Bauern widmet, fällt zumindest dem langjährig Erfahrenen schnell "Die Kunst der Bauernführung" von Hans Kmoch ein. In dieses Genre passt das neue Buch tatsächlich hinein, allerdings mutet Hickl dem Leser nicht eine Auseinandersetzung mit komplett neuen bzw. auch heute noch ungewöhnlichen Bezeichnungen für Konstellationen, Manöver und Formationen zu.

Worum es im Kern geht, veranschaulicht der folgende Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:

Teil 1 - Pieces and pawns
Kapitel 1 The bishop
Kapitel 2 The knight
Kapitel 3 The rook

Teil 2 - Basic pawn structures
Kapitel 4 Hanging pawns
Kapitel 5 Isolated pawns
Kapitel 6 Backward pawns
Kapitel 7 Passed pawns
Kapitel 8 Doubled pawns
Kapitel 9 Weak squares
Kapitel 10 Pawn chains.

Die beiden Abschnitte im Werk, denen dann die einzelnen Kapitel zugeordnet sind, befassen sich mit dem Verhältnis von Bauern und Figuren (Abschnitt) 1 und einzelnen Bauernformationen (Abschnitt 2).

Hickl zeigt sehr früh auf, wie der Leser mit dem Stoff umgehen soll. Es reicht nicht aus, das Buch zu lesen, vielmehr muss es durchgearbeitet werden. Der Leser soll Schlüsselstellungen, Manöver etc. verinnerlichen, um sie als Muster in der eigenen Partie nutzen zu können.
Unter dem Hinweis, dass der Spieler am Brett auch einer dreidimensionalen Wahrnehmung unterliegt und entsprechend auch denkt, spricht er sich gegen die Verwendung des Computermonitors für die Arbeit mit dem Werk aus. Er rät dem Leser, ein herkömmliches Brett zu nutzen, und dies möglichst in Turniergröße.

Die einzelnen Kapitel sind ähnlich aufgebaut. Zunächst wird die in der Folge behandelte Formation allgemein vorgestellt, die aus ihr abzuleitenden Eckpunkte der Planung und Spielführung werden beschrieben. Hickl behält dabei beide Parteien im Auge; er beschreibt bei Bedarf das Spiel mit der aktuellen Bauernformation und auch dagegen.
Im Anschluss daran geht er anhand von Partien aus der Meisterpraxis vertieft auf das Thema ein. Diese werden vollständig abgebildet, wobei aber die Passagen ohne Bedeutung für das Thema kaum kommentiert werden. Oft bezieht er den Leser ein, zum Beispiel mit der an ihn gerichteten Aufforderung, eine Stellung zu evaluieren. Seine Auffassung dazu stellt er gleich im Anschluss dar.
Diese Form der Leserbeteiligung, die um auch gesammelte Aufgaben ergänzt wird, erinnert ein wenig an die Bücher aus der "move by move"-Reihe von Everyman Chess. Dies gilt aber nicht für die technische Umsetzung, denn in "The Power of Pawns" sind die Erläuterungen und Aufgaben nicht deutlich voneinander abgesetzt, sie bilden eher eine Einheit.

Eine Stärke des Werkes liegt klar in seinen Ausführungen zur strategischen Behandlung bestimmter Formationen. Der Leser wird zu einem geplanten Spiel angehalten und entsprechend mit Knowhow präpariert. So bekommt er die Chance, in seiner Spielführung alles zu assimilieren, was seine eigene und die gegnerische Bauernstellung an Merkmalen und abzuleiten Vorgehensweisen anbieten.

"The Power of Pawns" enthält darüber hinaus weitere Tipps des ehemaligen deutschen Meisters und erfahrenen Turnierspielers Jörg Hick, ohne dass sich diese unmittelbar mit dem Kernthema des Buches decken. So hält er den Leser an, seine Euphorie in der Partie zu dämpfen, wenn er einen guten Zug findet und ihn gleich auszuführen gedenkt. Er soll nicht vorschnell handeln und weitere Möglichkeiten prüfen, denn vielleicht ergeben sich noch bessere Chancen aus alternativen Fortsetzungen, die ungenutzt blieben, wenn gleich die erste gute Möglichkeit ohne eine weitere Prüfung all dessen, was die Stellung hergibt, ergriffen würde.

Interessant ist die Bezeichnung von einigen weiterführenden Beispielpartien aus der Turnierszene am Ende eines Kapitels. Der Leser kann sich, wenn er die Information für sich aufnimmt, vom Autor als gut für eine Vertiefung geeignet gefundene Meisterstücke verschaffen. Zum Leistungsumfang des Buches zählen sie nicht, sie sind aber keine Exoten und damit in herkömmlichen Datenbanken zu finden.

Auch aus dieser Art von Hinweisen lässt sich erkennen, auf welche Spieler Jörg Hickl sein Werk in erster Linie ausgerichtet hat. Dies ist in meinen Augen der Lernende, der die Anfangsgründe des Schachspiels bereits erheblich hinter sich gelassen hat, aber noch nicht zu den versierten Klubspielern zählt.

Fazit: "The Power of Pawns" ist ein sehr gut erklärendes und anleitendes Lehrbuch zur Behandlung wichtiger Bauernformationen und der damit im Zusammenhang stehenden angezeigten generellen Spielführung. Es ist verständlich geschrieben und bezieht den Leser mittels Aufgabenstellungen in die Abläufe ein.
Jenseits des Anfängers und bis in das Leistungsvermögen des Klubspielers hinein ist das Werk auf jeden Fall eine gute Empfehlung.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Stein - move by move

Stein - move by move

Thomas Engqvist
Stein - move by move
496 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-78194-269-7
29,25 Euro




Stein - move by move
Leonid Stein (1934 bis 1973), GM aus der Ukraine und 3-facher sowjetischer Meister, zählt zu den stärksten Spielern seiner Zeit, ohne jemals die Möglichkeit gehabt zu haben, unmittelbar um den WM-Titel zu spielen. Er gilt als Praktiker, der gerade wohl auch deshalb nur wenige Fußabdrücke in der Theorie hinterlassen hat. Von ihm ist überliefert, dass er äußerst schnell spielte, offenbar sogar schneller als heutzutage Anand.

Thomas Engqvist, IM aus Schweden und anerkannter Buchautor und Schachtrainer, hat sich intensiv mit dem Spiel und auch mit dem Leben von Stein auseinandergesetzt. Mit "Stein - move by move" hat er ein Werk vorgelegt, das ich für ein Musterbeispiel dafür halte, was man aus einem Buch dieser Art machen kann. Wie der Titel schon anzeigt, ist sein Werk in der "move by move"-Reihe von Everyman Chess erschienen, und zwar noch in 2015.

Nach meiner Wahrnehmung ist Thomas Engqvist herz- und kopfgesteuert an seine Aufgabe herangegangen. Sein Herz hat gesagt, dass ein außergewöhnlicher Spieler wie Leonid Stein es verdient, intensiver und breiter in das Licht der Öffentlichkeit gerückt zu werde, als dies bisher der Fall war. Nach seiner Recherche hatte es bis dahin gerade mal zwei Arbeiten in englischer Sprache über Stein gegeben. Diese deckten zudem nicht alles ab, was er für relevant hält. Sein Kopf hat den Rahmen beigesteuert. Das Werk sollte in die genannte Reihe von Everyman Chess eingebunden werden, damit der Leser mittels der besonderen Gestaltung der Bücher dieser Serie mehr als bei anderen von Steins spielerischen Fähigkeiten profitieren kann.

Herausgekommen ist ein beeindruckend vollständiges Werk. Es zeichnet ein rundes Porträt von Leonid Stein, enthält eine Fülle an Informationen jenseits der unmittelbaren Belange des Schachspiels und ganz besonders natürlich sehr qualifiziert kommentierte Partien, über die der Leser sowohl geschult als auch unterhalten wird.
Wie sehr sich Engqvist in seine Aufgabe hineingekniet hat, zeigt auch schon ein äußerer Umstand. "Stein - move by move" umfasst beinahe 500 Seiten, und doch hätte nicht alles hineingepasst, was Engqvist zusammengetragen und ausgearbeitet hat, wenn Everyman Chess nicht zu einer besonderen "formellen" Umstellung gegriffen hätte - die Schriftgröße wurde im Vergleich zu den sonstigen Bänden der "move by move"-Reihe deutlich verringert.

Engqvist untersucht und beschreibt Leonid Stein als Spieler sowie seine besonderen Fähigkeiten am Brett anhand von 60 intensiv kommentierten Partien, von denen er zwei als "unsterbliche" herausstellt. Sie decken die gesamte Karrierezeit des Meisters ab und sind chronologisch geordnet. Dies hat zur Folge, dass er Steins Stärken nicht besonderen Brettkonstellationen zuordnet, beispielsweise seinem Angriffsspiel oder seiner Verteidigung, sondern den Stationen seiner Karriere. Auch hierin sehe ich Engqvists besondere Motivation, sein Buch zu schreiben, bestätigt - Leonid Stein als Mensch und Spieler herauszustellen.

Das Inhaltsverzeichnis sieht wie folgt aus:

About the Author
Bibliography
Introduction
1. Early Years
2. The Way to the Top
3. The Strongest Period
4. Setbacks and Bad Luck
5. The Final Years
Index of Openings
Index of Complete Games.

Es dürfte inzwischen allgemein bekannt sein, worin die besondere Kommentierung der "move by move"-Bücher besteht - in fortlaufend eingearbeiteten Fragen und Aufgaben, die der Leser zu beantworten bzw. zu lösen hat. Indem er sofort im Anschluss und als Teil der weiteren Kommentierung erfährt, ob er die Erwartung des Autors erfüllt hat, lernt er sowohl über seine konstruktive Beteiligung als auch die sich anschließende Korrektur oder Bestätigung seiner Ergebnisse.

In "Stein - move by move" nutzt Engqvist diese Methodik in einer Weise, die ich im Bereich des Optimums ansiedele. Der Leser wird sehr umfassend geschult, über die strategische Planung, die Variantenberechnung etc. deutlich hinaus. So erfährt er kontinuierlich auch Namensgebungen im Eröffnungsbereich, Grundsätze für die Behandlung gerade behandelter Eröffnungssysteme und mehr (Beispiel: "What is the name of this variation and what are the main ideas?" - Seite 22). Der Schwerpunkt aber liegt natürlich auf ganz konkreten Schachaufgaben, die ihm Beurteilungen abverlangen oder aber ihn zur Planung oder Berechnung bitten.
Jede der auf diese Weise aufbereiteten Partien ist eine "runde Sache", Kompliment also an den Autor!

Welchem Kreis von Spielern kann ich dieses Werk empfehlen? Die Antwort auf diese Frage ist nicht so ganz einfach, denn der Anforderungsgrad an die Fähigkeiten des Lesers variiert. Es gibt sehr grundsätzliche Dinge, die der Schachfreund schon relativ bald nach seinem Einstieg bewältigen kann, aber auch solche, die für ein vollumfängliches Verstehen ein erweitertes Knowhow voraussetzen.
Ich lege mich hinsichtlich meiner Empfehlung auf den Klubspieler fest und ergänze mein Urteil um die Feststellung, dass "Stein - move by move" nichts mit einem "Gelegenheitsbesuch" gemein hat. Das Werk bietet sich für ein mehrmaliges Durcharbeiten an. Es schult die allgemeinen Fähigkeiten des Spielers unabhängig davon, dass es sich dabei konkret der Partien Leonid Steins bedient. Es ist so breit angelegt, dass es einen weiten Nutzen verspricht, besonders natürlich dann, wenn es aufgrund eines mehrfachen Durcharbeitens die Chance erhält, gut verstanden zu werden.
Mit diesem Werk kann der Klubspieler sein Niveau heben, also mit ihm wachsen, und zwar umso mehr, je ausbaufähiger seine bis dahin ausgebildeten Fähigkeiten sind. Kurzum: Mit "Stein - move by move" kann der gute Klubspieler zu einem besseren werden.

Angesichts des Umfangs des Werkes und auch der erfreulich umfangreichen Textpassagen sollte der Leser über ordentliche englische Sprachkenntnisse verfugen, um bequem mit dem Buch arbeiten zu können.

Fazit: "Stein - move by move" ist eines der bisher besten Bücher aus der "move by move"-Serie von Everyman Chess. Es setzt Leonid Stein ein Denkmal und unterhält und schult den Leser sehr qualifiziert. Der Autor Thomas Engqvist hat mit ihm eine ganz besondere Fleißarbeit abgeliefert. "Stein - move by move" ist eine Empfehlung an jeden Klubspieler.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Karsten Müller - Schachtaktik

Karsten Müller - Schachtaktik

Karsten Müller
Karsten Müller - Schachtaktik
268 Seiten, gebunden, mit Lesebändchen
ISBN: 978-3-95920-015-8
22,80 Euro




Karsten Müller - Schachtaktik
"Karsten Müller - Schachtaktik", eine deutsche Übersetzung der englischsprachigen Originalausgabe (USA) "Chess Cafe Puzzles Book 1" aus dem Jahre 2004, zählt zu jenen Werken, die mich ganz schnell von ihrer Qualität überzeugt haben. Verfasser ist der deutsche Großmeister Karsten Müller, was bereits der Buchtitel unschwer erkennen lässt.

Das Konzept hinter diesem Buch ist ausgezeichnet durchdacht. Zunächst werden die Elemente der Schachtaktik, vom Grundreihenmatt bis zum Zwischenzug, einzeln vorgestellt. Sie werden anhand von Beispielen entsprechend erläutert. Gleich im Anschluss hat der Leser die Gelegenheit, das frisch Erlernte beim Lösen von Aufgaben anzuwenden. Hierzu bekommt er Ausgangsstellungen via Diagramm angeboten, ergänzt um Hinweise zur Lösung. Ob er richtig liegt, kann er feststellen, wenn er den Bereich mit den gesammelten Lösungen hinten im Buch aufschlägt. Die Beispiele stammen überwiegend aus der Zeit unmittelbar vor dem Erscheinungsjahr der Originalausgabe. Müller hat daneben aber auch eindrucksvolle Fragmente aus historischen Partien verwendet. Grundsätzlich ist es ohne große Bedeutung, ob die Partie, aus der die jeweilige Wendung stammt, aktuell gespielt worden ist oder aus früheren Zeiten stammt. Allein für den erfahrenen Spieler mag dies von einem gewissen Interesse sein, da ihm ältere Beispiele vielleicht schon früher mal begegnet sein können.

Zurück zum Konzept: Sobald alle Taktikelemente vorgestellt sind, stößt der Leser auf einen Aufgabenteil, in dem er für eine Lösung alle einzelnen erlernten Methoden anwenden muss. Die Steigerung zu den vorherigen Aufgaben liegt somit darin, dass er das passende Element zunächst identifizieren muss, um die Lösung zu finden.

Besondere taktische Anforderungen ergeben sich für den Spieler im Zusammenhang mit dem Endspiel, mit Eröffnungsfallen und generell mit der Verteidigung. Dem tragen entsprechende weitere Abschnitte im Werk Rechnung.

Ein Lehr- und Trainingswerk ist nur so gut, wie es den Leser bei der Stange halten kann. Dies weiß auch Karsten Müller. So hat er auch unterhaltsame bzw. den Leser animierende Inhalte eingebaut. Hierzu zählen "Die zehn schönsten Kombinationen" sowie "Taktische Perlen aus aktuellen Turnieren". Vor allem aber kann sich der Leser auf umfangreiche Tests freuen, an denen er sich abschließend beweisen kann. Die einzelnen Aufgaben unterliegen unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Die Tests bestehen aus 16 Teilaufgaben, die in einem Zug und ohne Brett gelöst werden sollen. Aus Zeitgründen kann das Pensum auch gestückelt werden. Müller gibt die aufzuwendende Zeit vor und trifft Regelungen zum Punktesystem.
Mit Ausnahme der besonders schwierigen Aufgaben kann sich der Leser Hinweise zur Lösung holen, indem er in eine entsprechende Sammlung vorblättert. Dann aber werden ihm zugleich Punkte abgezogen. Dies stachelt den Ehrgeiz an. Auf den letzten Buchseiten findet der Leser die Eingruppierung seiner Leistung anhand einer Punktetabelle.

Der aufstrebende Spieler, der "Karsten Müller - Schachtaktik" konsequent und diszipliniert - vielleicht auch mehrfach - durcharbeitet, wird zweifellos deutlich an Spielstärke gewinnen.
Mit seinem robusten Einband und seiner qualifizierten Bindung wird das Werk auch einer intensiven Nutzung standhalten. Das Lesebändchen ist ein besonderer Service, der die Arbeit mit ihm noch ein Quäntchen angenehmer macht.

Fazit: "Karsten Müller - Schachtaktik" ist ein ausgezeichnetes Lehr- und Trainingsbuch zur Schachtaktik. Für den Spieler etwas jenseits der reinen Anfangsgründe bis tief in den Bereich der Klubspieler hinein ist es eine klare Empfehlung.
Mit einem Werk wie diesem kann man übrigens auch nichts falsch machen, wenn man ein Schachbuch verschenken möchte und hierfür einen "Allrounder" sucht.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise vom Schachverlag Ullrich / Joachim Beyer Verlag (www.schachversand-ullrich.de) zur Verfügung gestellt.


 

The Safest Scandinavian

The Safest Scandinavian

Vassilios Kotronias
The Safest Scandinavian
220 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-619-7188-06-6
21,95 Euro




The Safest Scandinavian
Mit "The Safest Scandinavian" von Vassilios Kotronias, erschienen beim bulgarischen Verlag Chess Stars, setzt sich eine in meinen Augen erstaunliche Entwicklung fort. Diese zeigt sich darin, dass gerade die Skandinavische Verteidigung, die nur in der Peripherie der meistgespielten Eröffnungen ihren Platz hat, ein großes Interesse der Autoren gewonnen hat. Gab es schon in den vergangenen Jahren entsprechend Neues im Bücherregal, kam jüngst "Understanding the Scandinavian" von Sergey Kasparov hinzu, von mir erst vor wenigen Wochen besprochen. Mit "Smerdon`s Sicilian" habe ich noch ein weiteres Werk zur Vorbereitung einer Rezension in Arbeit.

Wie Kasparov hat sich auch Kotronias auf die Variante mit 3…Dd6 konzentriert, somit auf die einleitende Zugfolge 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3 und nun eben 3…Dd6. Er aber hat sich die Aufgabe gestellt, ein vollständiges Repertoire für Schwarz anzubieten, das nach Möglichkeit auf der beschriebenen Kernvariante basiert.

"The Safest Scandinavian" ist in acht Kapitel eingeteilt, von denen die ersten beiden das Repertoire gegen weiße Abweichungen absichern soll und das siebte aktuell die größte praktische Bedeutung haben dürfte. Das theoretische Material teilt sich wie folgt auf diese Kapitel auf:

Kapitel 1: 1.e4 d5 Seltene Fortsetzungen im 2. Zug
Kapitel 2: Weiße Alternativen im 3. Zug
Kapitel 3: 3.Sc3 Dd6 ohne 4.d4
Kapitel 4: 4.d4 Sf6 ohne 5.Sf3
Kapitel 5: 4.d4 Sf6 5.Sf3 c6 Seltene Fortsetzungen im 6. Zug
Kapitel 6: 4.d4 Sf6 5.Sf3 c6 6.h3
Kapitel 7: 6.Se5 Sbd7 7.Lf4 und Shirovs Plan 7.f4
Kapitel 8: Die Hauptvariante 7.Sc4.

"The Safest Scandinavian" ist im typischen Chess Stars-Stil aufgebaut. In jedem Kapitel erfährt der Leser im Abschnitt "Main Ideas" zunächst die wesentlichen Grundzüge des besprochenen Systems. Hier geht es beispielsweise auch um die Pläne, denen das beiderseitige Spiel folgen kann. Dem schließt sich der Bereich "Step by Step" an, in dem die ausführliche Besprechung erfolgt. Hier geht es ins Detail, also auch in die konkreten empfohlenen Wege. Soweit es im Gedächtnis zu verankernde Varianten gibt, findet der Leser diese hauptsächlich hier.
Der Abschnitt "Annotated Games" rundet die Betrachtung ab, indem die behandelten Linien im praktischen Einsatz der Partie verfolgt und auch weitergeführt werden. Die Beispiele aus der Praxis sind so kommentiert, dass sie das Augenmerk auf die Aspekte der Theorie richten, was natürlich ist. So entwickeln die Kommentare zurecht regelmäßig einen Bauch kurz nach den ersten Eröffnungszügen und deutlich vor dem Endspiel. Die Abbildung der letzten Partiephase dient dann erkennbar nur noch dem Erfüllen einer Chronistenpflicht.

Ich denke, dass der beschriebene Aufbau der Repertoirebücher von Chess Stars den Leser sehr gut unterstützt, um eine neu ins Repertoire aufzunehmende Eröffnung inhaltlich zu verstehen. Er wird seicht hineingeführt und erfährt dabei die grundlegenden, die wesentlichen Prinzipien, nach denen das System gespielt wird. Damit ist er vorbereitet, um auch die weiter in die Tiefe führenden Informationen aufnehmen zu können. Er lernt nicht einfach Varianten auswendig, die er schnell wieder vergessen kann und die ihm nicht mehr viel helfen, wenn der Gegner von ihnen abweicht. Er lernt die Varianten quasi als Beispiele für die Wege, deren Richtung bereits im Groben vorgezeichnet worden sind. Er erlangt die Fähigkeit, sein Spiel immer noch an den zentralen Ideen zu orientieren, wenn ihm konkrete Zugfolgen längst nicht mehr zur Verfügung stehen.

"The Safest Scandinavian" bestätigt diese Einschätzung, wobei diese Aussage einer Präzisierung bedarf. Bei der Arbeit mit früheren Werken von Kotronias habe ich das eine oder andere Mal seine anspruchsvolle Erwartung an den Leser wahrgenommen. Diese zeigte sich dann darin, dass er mit seinen Erläuterungen jenseits einer Schwelle ansetzte, die den noch unerfahrenen Spieler noch einbezog. Es ist mir nicht möglich, beim vorliegenden Werk eine durchgängig geltende Aussage zu treffen. Im Abschnitt "Main Ideas" kommt der noch weniger spielstarke Leser sicher mit dem Inhalt zurecht. Unter "Step by Step" ist dies teilweise sicher auch der Fall. Hier aber gibt es in einzelnen Kapiteln auch Bereiche, in denen Texterläuterungen fehlen oder aber nur noch spärlich angeboten werden. In Einzelfällen muss der Leser auch schon mal über rund 15 Züge lange Varianten ohne besondere Hinweise auskommen bzw. sich mit Schachsymbolen begnügen.
Ich denke, dass ausgehend vom Anforderungsprofil "The Safest Scandinavian" gerade für den Spieler auf Klubniveau ein empfehlenswertes Werk ist.

Kotronias hat viel praktisches Material aus dem Fernschachbereich eingearbeitet. Dies gilt sowohl für Varianten im Bereich "Step by Step" als auch für die vollständig abgebildeten Partien.

Die Buchsprache ist Englisch. Die Anforderungen an die Fremdsprachkenntnisse des Lesers sind niedrig.

Fazit: "The Safest Scandinavian" bietet besonders dem Spieler auf Klubniveau ein Repertoire zur Skandinavischen Verteidigung an, das auf 3…Dd6 basiert und gegen frühe Abweichungen des Weißspielers abgesichert ist.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

The Queen's Indian - move by move

The Queen's Indian - move by move

Lorin D'Costa
The Queen's Indian - move by move
303 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-78194-291-8
24,95 Euro




The Queen's Indian - move by move
"The Queen's Indian - move by move" von Lorin D'Costa ist eine 2015er Neuerscheinung bei Everyman Chess. Sie befasst sich mit der Damenindischen Verteidigung, die über die Ausgangszüge 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 auf dem Brett entsteht.
Das Inhaltsverzeichnis des Werkes, fokussiert auf die Darstellungen der Theorie, sieht wie folgt aus:

Introduction
1. World Champions and the Queen's Indian
2. Fianchetto Variation: 4 g3 Ba6 5 Qc2 and Minor Fifth Moves
3. Fianchetto Main Line: 4 g3 Ba6 5 b3 Bb7 6 Bg2 Bb4+
4. Fianchetto Variation: 4 g3 Ba6 5 b3 b5
5. Fianchetto Variation: 4 g3 Bb7 5 Bg2 g6
6. Petrosian Variation: 4 a3 Ba6
7. Petrosian Variation. 4 Nc3 Bb7 5 a3
8. 4 Nc3 Bb7: Other Fifth Moves
9. e3 and Other Fourth Moves
10. King's Indian Attack and Réti Lines

Anhand von 69 kommentierten Partien, die bis auf wenige Ausnahmen der Zeit ab 1990 entstammen, dabei zumeist nach 2000 gespielt worden sind, stellt der britische IM und Schachtrainer D'Costa die Damenindische Verteidigung in einer Weise vor, dass der Leser die verschiedenen Spielweisen von Grund auf verstehen soll. Um dies zu erreichen, setzt er mit seinen Erläuterungen / Erklärungen schon bei Basisfragen der Systeme an. Er setzt somit so gut wie keine allgemeinen Vorkenntnisse zur Behandlung indischer Systeme oder anderer geschlossener Eröffnungen voraus. "The Queen's Indian - move by move" zeigt sich hierdurch gewissermaßen als ein Buch, das ein Erlernen einer spezifischen Eröffnung, der Damenindischen Verteidigung, mit dem Einsatz von strategischen und taktischen Elementen verknüpft.
Wie alle Bücher aus der "move by move"-Reihe richtet sich auch das vorliegende Werk mit Fragen und Aufgaben an den Leser. Indem dieser aufgefordert ist, selbst aktiv zu werden, sich beispielsweise mit Problemstellungen auseinanderzusetzen oder Lösungen, z.B. Varianten, zu erarbeiten, dringt er tiefer in die Materie ein, als dies bei einem rein konsumorientierten Arbeitseinsatz der Fall wäre.
Was die Gestaltung der Fragen und Übungen betrifft, halte ich "The Queen's Indian - move by move" für eines der besten Bücher aus der genannten Reihe. Sie sind regelmäßig konkret gehalten und bringen den Leser tatsächlich weiter.

Wenn ich eben festgestellt habe, dass D'Costa seine Erläuterungen auf einem niedrigen Niveau einsetzen lässt, so heißt dies nicht, dass es sich hier um ein reines Anfängerbuch handelt. Ich möchte es bis deutlich in den Bereich der Klubspieler hinein als geeignet bezeichnen, zumal eine Steigerung der Anforderungen im Fortgang des Werkes festzustellen ist.

Die 69 Buchpartien, anhand derer D'Costa die Theorie der Damenindischen Verteidigung vermittelt, sind bis zum Ende durchkommentiert. Der Schwerpunkt der Erläuterungen aber ist eindeutig auf den ersten Abschnitt der Partie gerichtet, so wie es sich für ein Buch dieser Art gehört. Zum Partieende hin beschränken sich die Anmerkungen zumeist auf einfache Erläuterungssätze und kurze Varianten, sodass der Leser die Partie als solche vollständig verstehen kann, ohne bis zum Schluss unbedingt noch etwas erlernen zu sollen.

Im Aufbau des Werkes auffällig ist D'Costas Entscheidung, im ersten Kapitel zunächst die Behandlung der Themaeröffnung durch Weltmeister zu zeigen. So erhält der Leser über spätere Variantengrenzen hinweg erste Einblicke vermittelt, zugleich auch bereits erste Aussagen zur Theorie.

Auch wenn "The Queen's Indian - move by move" kein Repertoirebuch ist, stattet es den Leser mit einem Grundrepertoire aus. Er bekommt für die wichtigen Spielweisen - vor allem als Spieler mit den schwarzen Steinen - die entsprechenden Empfehlungen an die Hand. Im Bemühen um dieses Repertoire wird der Leser vom qualifizierten Variantenverzeichnis am Ende des Buches unterstützt. Ich persönlich empfinde es nicht selten als etwas mühselig, mir ein Repertoire über eine Partiensammlung verfügbar zu machen. Ein Variantenverzeichnis wie das vorliegende vereinfacht die Aufgabe aber sehr.

"The Queen's Indian - move by move" ist, wie der Titel schon anzeigt und der oben aufgenommene Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis bestätigt, in Englisch geschrieben. Von einigen Ausnahmen abgesehen bewegt sich der Wortschatz aber auf einem Niveau, das man als Fremdsprachler mit Schulenglisch gut bewältigen kann. Dies gilt auch für den Satzbau, der zwar durchaus schon mal auf längere Konstruktionen setzt, aber nicht unbedingt als verschachtelt zu bezeichnen ist.

Fazit: "The Queen's Indian - move by move" ist ein gelungenes Werk aus der "move by move"-Reihe von Everyman Chess und ist einem Spieler mit Fähigkeiten bis hin zu einem guten Klubniveau zu empfehlen. Es vermittelt die Theorie der Damenindischen Verteidigung von Grund auf und ist somit als Basiswerk eine gute Wahl.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Beating the Anti-Sicilians

Beating the Anti-Sicilians

Vassilios Kotronias
Beating the Anti-Sicilians
500 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-907982-63-7
24,99 Euro




Beating the Anti-Sicilians
"Beating the Anti-Sicilians" von Vassilios Kotronias trägt als Band aus der Reihe "Grandmaster Repertoire" von Quality Chess die Nummer 6A. Damit lehnt sich das Buch an den Band 6 an, der den Titel "The Sicilian Defence" trägt und aus dem Jahr 2010 und der Feder von Lubomir Ftacnik stammt.
Das hier besprochene Werk ist eine Neuerscheinung aus 2015.

Als "Anti-Sicilians" versteht Kotronias alle Spielweisen, bei denen Weiß nach 1.e4 c5 auf ein baldiges Sg1-f3 und d2-d4 verzichtet. Damit kommt ein breiter Fächer von Systemen auf das Tableau, von Gambit-Spielen wie Sizilianisches Flügelgambit bis Morra-Gambit über den Alapin-Sizilianer mit 2.c3 bis hin zum recht modern gewordenen Rossolimo-Angriff.

Angesichts dieser Vielfalt der Themen und der Tiefe der theoretischen Betrachtung stellt sich sehr früh die Frage, für wen "Beating the Anti-Sicilians" eine Empfehlung sein kann. Auf 500 Seiten erwarten den Leser sechs Abschnitte mit insgesamt 25 Kapiteln und damit ein Berg an Material. Da es sich bei diesem Werk um ein Repertoirebuch handelt, das aus der Sicht von Schwarz geschrieben ist und den Nachziehenden gegen alle weißen Möglichkeiten zum Verzicht auf Sg1-f3 und d2-d4 wappnen soll, sind für den Spieler mit Schwarz alle Teile relevant. Er kann nicht absehen, welches Systems sich sein Gegner bedient, um abzuweichen, sodass er mit allem rechnen und für alle präpariert sein muss. Anders mag es allenfalls dann sein, wenn es heißt, sich auf einen ganz speziellen Gegner vorzubereiten, für den man die Eröffnungswahl meint abschätzen zu können.
Nicht vergessen werden darf eine Funktion des Werkes als Update- oder Ergänzungsquelle. Ein schon beim Schwarzspieler entwickeltes Repertoire kann über "Beating the Anti-Sicilians" aktualisiert und erweitert werden.

Neben diesen Erwägungen ist hinsichtlich der Einschätzung des Adressatenkreises zu berücksichtigen, welchen Level Kotronias bei seinen Varianten und Erläuterungen ansetzt. Dieser liegt meines Erachtens jenseits dessen, was der durchschnittliche Klubspieler erwarten lässt. Kotronias stützt seine Ausführungen in einem erheblichen Umfang auf Varianten, die nur spärlich kommentiert sind und dabei auch weit in die Partie führen können. Soweit er Kommentare einsetzt, geben sie oft nur seine Einschätzung bekannt, ohne die ihn dazu bewegenden Gründe zu bezeichnen. Hier liegt es dann also beim Leser, die Qualität der Züge in den Varianten selbst anhand der maßgeblichen Kriterien zu erkennen bzw. die Gründe für die Einschätzungen des Autors zu ermitteln. Dies bedarf einer entsprechend hohen Spielstärke auf der Seite des Lesers.

In den Hauptlinien sowie bei grundlegenden Abweichungen erklärt und erläutert Kotronias intensiver und ausführlicher. Hier zeigt er auch auf, wie die Partie strategisch angelegt werden kann und über welche Schritte ein bestimmtes Ziel erreichbar wird.

Wenn ich alle meine Überlegungen und Eindrücke zusammenfasse, definiere ich den Adressatenkreis von "Beating the Anti-Sicilians" wie folgt:
1. Fernschachspieler, unabhängig von der eigenen Spielstärke und der Farbe der eigenen Figuren. Das Werk kann von beiden Parteien effektiv die Partie begleitend zu Rate gezogen werden.
2. Spitzenspieler im Brettschachbereich, die sich mit Schwarz gegen "anti-sizilianische" weiße Versuche fundiert wappnen wollen (und können) oder mit Schwarz oder Weiß auf zusätzliches und neues Material setzen wollen.
3. Vereins- und Turnierschachspieler, die sich mit Schwarz auf ausgewählte weiße Systeme und Varianten vorbereiten wollen oder - auch mit Weiß - eine Lieblingsvariante schärfen.

Um meine Gedanken auf den Punkt zu bringen: "Beating the Anti-Sicilians" ist der Anzug in der Größe XXL, der nur demjenigen passt, der den Körper dafür hat.

Skeptisch werde ich immer, wenn sich ein Eröffnungsbuch damit anpreist, dass mit seinen Linien der Gegner quasi schon in Nachteil kommt. Ein wenig spielt "Beating the Anti-Sicilians" damit, indem der Rückentext in einer Passage in diese Richtung geht. Von den beispielhaft dort aufgeführten Systemen, in denen Weiß angeblich ausgespielt wird, habe ich mir den Rossolimo-Angriff hinsichtlich der Empfehlungen näher angeschaut, zumal ich diesen mit beiden Farben aus der Praxis etwas näher kenne.
Nach 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 d6 4.d4 cxd4 5.Dxd4 Ld7 6.Lxc6 Lxc6 betrachtet Kotronias die Fortsetzungen 7.c4 und 7.Sc3. Zumeist wählt Weiß 7.Sc3. Nach nun 7…Sf6 8.Lg5 e6 und nun 9.Dd3 Le7 10.Sd4 Da5 11.Ld2 Dh5 12.f3 0-0 13.0-0-0 d5 14.exd5 Sxd5 15.Sxc6 bxc6 kommt er zu einem leichten Vorteil für Weiß. Aber ist dies tatsächlich so? Der schwarze isolierte c-Bauer ist sicher eine Schwäche, dafür aber hat der Nachziehende ordentliche Angriffsaussichten gegen die weiße Rochadestellung, die b-Linie ist halb geöffnet. Stockfish kommt im Ergebnis nicht zu einem weißen Vorteil, sondern sieht die Stellung als ausgeglichen an. Auf jeden Fall aber hat Weiß nicht das Fürchten gelernt; die Variante führt zu ausgeglichenen Chancen, nicht zu mehr und nicht zu weniger. Ähnlich verhält es sich nach der langen weißen Rochade im 9. Zug. Also: 9.0-0-0 Le7. Neben 10.Dd3 ist hier 10.The1 eine Hauptfortsetzung. Weiter aber nach 10.Dd3: Nach 10…Da5 (zurecht als Hauptlinie weiter verfolgt) 11.Ld2 (eine von mehreren weißen Möglichkeiten) fixiert sich Kontronias auf 11…d5 als schwarze Antwort. Im Ergebnis kommt schließlich Weiß zum Ausgleich in der Variante. Anstelle von 11…d5 wird 11…Dc7 häufiger gespielt, verbunden mit guten statistischen Daten für Schwarz (auf einer allerdings nur niedrigen Partienzahl). Natürlich ist auch dies nur eine Beispielvariante, die sich einer selten gewählten Fortsetzung bedient (11…d5). Die schwarzen Chancen liegen darin, dass in diesem Terrain noch viel zu entdecken ist; sie sind aber keine Bestätigung dafür, dass die Repertoirevorschläge Weiß die Erkenntnis bringen, er hätte den Rossolimo-Angriff besser meiden sollen.
Die etwas reißerische Passage im Rückentext geht fehl, das Werk hätte sie aber auch nicht gebraucht.

"Beating the Anti-Sicilians" stellt den Stand der Theorie nicht auf den Kopf und wird den Rossolimo-Angriff nicht zurück ins Abseits schieben können. Aber es stellt die Weichen in eine Richtung, in der Schwarz gute Chancen auf ein ausgeglichenes Spiel erhält.

Ganz im Stil der Bücher aus der "Grandmaster Repertoire"-Serie ist das Werk klassisch aufgebaut. Ein System aus Haupt- und Nebenvarianten bildet das Gerüst des Stoffes. Jedes Kapitel wartet mit einer Eingangsseite auf, die auch eine differenzierte Variantenübersicht anbietet. Dese korrespondiert mit der sehr qualifizierten Übersicht auf den letzten Seiten des Buches, sodass sich der Leser bequem in diesem Meer an Theorie bewegen kann.

Die Buchsprache ist Englisch. Der Wortschatz beschränkt sich auf das, was üblicherweise in der Kommentierung im Schach eingesetzt wird. Die fremdsprachlichen Anforderungen an den Leser entsprechen damit dem Üblichen.

Fazit: "Beating the Anti-Sicilians" ist ein aus der Sicht von Schwarz verfasstes Repertoirebuch, das besonders für den Fernschachspieler und den schon spielstarken Nahschachspieler geeignet sein dürfte. Das Repertoire soll Schwarz mit Antworten für die Fälle ausstatten, in denen der Anziehende die Spielweisen des "offenen Sizilianers" meidet. Es setzt nicht nur auf erprobte Linien, sondern auch auf Zugalternativen, die bisher kaum in Erscheinung getreten sind, in mehreren Fällen auch auf Neuerungen.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Ivan's Chess Journey - Games and Stories

Ivan's Chess Journey - Games and Stories

Ivan Sokolov
Ivan's Chess Journey - Games and Stories
272 Seiten, kartoniert
ISBN: 9789082256659
28,95 Euro




Ivan's Chess Journey - Games and Stories
Ivan Sokolov beschreibt sein Werk "Ivan's Chess Journey - Games and Stories" als eine biografische Schachreise. Erschienen ist es 2016 bei Thinkers Publishing aus Belgien.

Sokolov kennt die Höhen des Schachspiels, bei ihm verbunden mit Top-Platzierungen in der Weltrangliste und Siegen in hochrangigen Turnieren, wie auch die Niederungen, von verpassten Chancen über peinliche Fehlgriffe am Brett bis hin zu wehtuendem Scheitern in Turnieren. Und er kennt Hinz und Kunz aus der Schachszene persönlich, viele sogar näher. Alles das repräsentiert der Inhalt von "Ivan's Chess Journey - Games and Stories".
Das Buch ist eine höchst unterhaltsame, humorvolle Komposition aus kommentierten Partien und Texten. Bei den Partien liegt der Schwerpunkt auf vollständig abgebildeten Beispielen, in Teilen reduzieren sie sich, auch aus thematischen Gründen, auf Fragmente.

Die Kommentierung dieser Praxisduelle ist ein Mix aus Textanmerkungen und Analysen. Letztere sind zumeist auf eine überschaubare Tiefe beschränkt, können aber auch schon mal bedeutend ins Detail gehen.
Wer sich gerne von interessanten und spannenden Partien unterhalten lässt, wird von "Ivan's Chess Journey - Games and Stories" gut bedient. Da eine intensive Auseinandersetzung mit gelungenen Meisterpartien zugleich auch einen Trainings- und einen Lernerfolg erzielt, kommt der Leser auch insoweit voran.

Langweilig wird es nie, denn Sokolov hat eine höchst unterhaltsame Art zu schreiben. Er ist offen und ehrlich, zumindest nehme ich ihn so wahr, humorvoll und bisweilen auch ein wenig ironisch und bissig. Meine beiden Lieblingsepisoden finden sich ziemlich am Ende des Werkes. In einem Fall versucht er sich mit Argumenten gegen Salov zu behaupten, an dessen angestammtem Frühstückstisch er Platz genommen hat, und der ihn mit einer Platzhirschbegründung vertreiben will. Aus Sokolovs Hoffnung, dass dieser seine nächste Partie verlieren möge, lässt sich ableiten, wer am Ende wohl am umkämpften Tisch frühstücken durfte.
Ein weiteres Geschichtchen macht Arkadij Naiditsch zum Hauptdarsteller, mit dem Sokolov befreundet ist. Nach seinen Worten ist Naiditsch für seinen großen Mund bekannt, womit hier aber nicht etwa ein Vorteil beim Frühstück gemeint wäre. Im höchst amüsanten Fall, den Sokolov beschreibt, stichelt Naiditsch in seine Richtung, um ihn als Anwärter für eine hintere Platzierung hochzunehmen. Die Entscheidung in diesem freundschaftlich mit Worten geführten Hahnenkampf fiel auf dem Brett. Und nach Sokolovs Worten kam es zu einem 24-stündigen Schweigen von Naiditsch.

Neben diesen köstlichen Erzählungen kommen auch gegenteilige vor, beispielsweise zum Ausbruch des Krieges im früheren Jugoslawien. Insgesamt ist "Ivan's Chess Journey - Games and Stories" auch in den Textpassagen abwechslungsreich gestrickt.

Sokolov würde sein Leben wieder so gestalten, wie er es getan hat, wenn er die Chance auf eine neuerliche Entscheidung erhielte, obwohl ihn sein Schachleben auch Kröten schlucken ließ. Kapitel wie "Schach und Hochzeit" sowie "Schach und Scheidung" sind bisher aber noch ungeschrieben…

Die Buchsprache ist Englisch. Fremdsprachkenntnisse auf Schulniveau reichen durchgehend aus, um mit dem Werk zurechtzukommen.

Fazit: "Ivan's Chess Journey - Games and Stories" ist eine biografische Partiensammlung mit einem hohen Unterhaltungswert.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

A Chess Opening Repertoire for Blitz and Rapid

A Chess Opening Repertoire for Blitz and Rapid

Jewgeni & Vladimir Sweschnikow
A Chess Opening Repertoire for Blitz and Rapid
459 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-603-9
27,95 Euro




A Chess Opening Repertoire for Blitz and Rapid
Als ich das Werk "A Chess Opening Repertoire for Blitz and Rapid" von Jewgeni und Vladimir Sweschnikow, 2015 erschienen bei New In Chess (NIC), zum ersten Mal zur Vorbereitung dieser Rezension in die Hand genommen habe, musste ich unvermittelt an ein Zitat des großen polnischen Satirikers Stanislaw Jerzy Lec (1909 - 1966) denken. "Immer wieder wird es Eskimos geben, die den Eingeborenen von Belgisch-Kongo Verhaltensregeln für die Zeit der großen Hitze geben werden" - so lautet es übersetzt in seiner ursprünglichen Form. Ich möchte ganz sicher nicht der Fernschachspieler sein, der den Schnellspielern am Brett Ratschläge für ihre Partien gibt, auch nicht über eine Rezension. Allerdings war ich zumindest früher, also irgendwann im vergangenen Jahrtausend, auch recht erfolgreich in Blitzpartien, und zwar besonders dann, wenn mein Gegenüber durch einen Gipsarm gehandicapt war.
Um es auf den Punkt zu bringen: Lesen Sie nur weiter, wenn Sie mir zutrauen, dass ich es als ein Spieler, der seit inzwischen Jahrzehnten so gut wie ausschließlich Fernschach spielt, eine ordentliche Rezension über ein Buch zum Blitz- und Rapidschach zu schreiben verstehe. Oder lesen Sie von mir aus auch weiter, wenn Sie sehen wollen, ob ich mich blamiere!

Die Idee, speziell für den Schnellschachbereich ein Repertoire mittels eines Buches zusammenzustellen, ist für mich logisch. So wundert es mich eher ein wenig, dass es aus dieser Sparte kaum etwas gibt, soweit mir bekannt. Besonders beim Blitzen, aber auch in der Rapidpartie muss viel intuitiver entschieden werden, wofür manche Eröffnungssysteme eher als andere beschaffen sind. Der Eröffnungsauswahl kommt eine Bedeutung zu, die tendenziell höher als in einer Normalpartie am Brett liegt. Wenn es gelingt, ein spezielles Eröffnungsknowhow anzubringen, während der Gegner mit Standardwissen hantiert, ist dies ein echter Vorteil.
Sweschnikow sen. - die beiden Autoren sind Vater und Sohn - hat eine eigene Eröffnungsphilosophie entwickelt, die ich schon an anderer Stelle von ihm gelesen habe. Er legt ähnliche, aber doch leicht unterschiedliche Eröffnungsziele für Weiß und Schwarz fest. An diese angelehnt erklärt er, dass ein Spitzenspieler sich eine neue Variante aus der Sicht von Schwarz erarbeitet, da ein Spiel unter dem Optimum dem Nachziehenden schnell einen erheblichen Nachteil einbringen kann, während Weiß eher der Verlust nur seines Anzugsvorteils droht.
"A Chess Opening Repertoire for Blitz and Rapid" bietet sowohl Weiß als auch Schwarz ein eigenes Repertoire an, beginnend mit dem Abschnitt für den Nachziehenden.

Auf das weiße 1.e4 lassen die Autoren ihre Eröffnungsempfehlungen auf der Aljechin-Verteidigung fußen, kontern also mit 1…Sf6. Diese Entscheidung halte ich für pfiffig, auch vor dem Hintergrund des Amateurspiels. Das System kommt in Normalpartien selten genug auf das Brett, als dass im Klubspielbereich ein weißes Spezialwissen so häufig wie in vielen anderen Eröffnungen zu erwarten wäre. Die Partie läuft sofort in unsymmetrische Stellungen, es entstehen ab dem 1. Zug Ungleichgewichte. Zugleich ist das Spiel sehr dynamisch ausgerichtet und es gibt rote Fäden für die Spielführung in den verschiedenen möglich werdenden Varianten.
Ausgehend auch von der eigenen Eröffnungsphilosophie Sweschnikows sen. ist die Aljechin-Verteidigung bei einem weißen Anspiel mit 1.e4 also eine logische und nachvollziehbare Wahl. "A Chess Opening Repertoire for Blitz and Rapid" gibt soviel an die Hand, dass die im schnellen Schach gespielte Partie damit allemal begonnen werden kann.

Auf das Klubspiel fokussiert gebe ich allerdings zu bedenken, dass ein Vereinskamerad schnell dafür bekannt wird, wenn er auf die Aljechin-Verteidigung als Hauptwaffe setzt. Und dann ist dieses System so übersichtlich angelegt, dass sich der "gewarnte" Weißspieler gut vorbereiten und dann mit einem eigenen Spezialwissen aufwarten kann. Der von den Sweschnikows angestrebte Effekt kann dann also insoweit verpuffen.

Auf die weißen Alternativen zu 1.e4 bieten die beiden Autoren keine gleichartig zwingenden Richtungsfestlegungen als schwarze Reaktionen an. Auf 1.d4 antworten sie mit 1…d5 und beabsichtigen den Weg ins angenommene Damengambit zu nehmen. Wenn Weiß 2.c4 nicht folgen lässt und das Spiel auch nicht in Gewässer lenkt, die über 1.Sf3 erreicht werden, bietet das Werk keine Repertoireempfehlungen mehr an. Nach 1.c4 und 1.Sf3 ist das Material schmal und soll auch eher eine Demonstration der Möglichkeiten sein, wie ein Spezialrepertoire hier aussehen kann.
Die Autoren machen früh im Buch klar, dass sie kein Komplettmaterial anbieten können und dies auch nicht wollen. Sie begründen dies mit den natürlichen Grenzen, die einem Buch wie dem vorliegenden angesichts der Fülle der Theorie gesetzt sind. Die Aussage ist überzeugend. Dem Kaufinteressenten sollte eben nur klar sein, dass ihm hier nicht etwa ein Rundum-Sorglos-Paket winkt.

Das für Weiß ausgearbeitete Repertoire basiert auf einem Anzug mit 1.e4. Komplett ausgeblendet wird dann die Spanische Partie, weil sich der Anziehende sonst auf zu viele und dann auch noch sehr umfangreiche "Subsysteme" wie auch eigenständige Alternativeröffnungen wie zum Beispiel die Russische Verteidigung vorbereiten müsste. Wenn Schwarz zu 1…e5 greift, lenken die Autoren die Partie über 2.Sc3 in die Richtung der Wiener Partie.
Von den unsymmetrischen Erwiderungen werden 1…c5, 1…c6 und 1…e6 abgefangen. Die Skandinavische Verteidigung und Pirc beispielsweise werden nach dem Prinzip "Mut zur Lücke" ausgelassen. Auch hier wieder ist auf die von den Sweschnikows getroffene Entscheidung zur Begrenzung und Konzentration des Repertoireinhalts zu verweisen.
Auf Sizilianisch, Caro-Kann und Französisch versuchen die Autoren Gefilde abseits der Kerntheorie zu erreichen, indem sie dem Spiel einen eher etwas geschlossenen Charakter verleihen. Auf 1…c5 zum Beispiel entwickeln sie das weiße Repertoire über 2.b3.

Zu den bereits genannten Alternativen von Schwarz im 1. Zug erhält der Anziehende, etwas abgestuft, auch ein Repertoire gegen 1…Sf6, also die Aljechin-Verteidigung. Hier kann er sich daran erinnern, dass das Schwarzrepertoire gegen 1.e4 auf diesem System beruht.

Ich hatte oben schon einmal die Warte des Klubspielers eingenommen und möchte dies wiederholen, wenn ich nun auf den Aufwand eingehe, der dem Lernenden entsteht, wenn er sich über "A Chess Opening Repertoire for Blitz and Rapid" sein Spezialrepertoire verschafft. Die der Intention der Autoren entsprechende Arbeit nimmt Ressourcen an Zeit und Energie in Anspruch, die nicht zu unterschätzen sind. Der Leser erhält eine Fülle an Material für sein Geld, zugleich aber auch einen Berg an zu bewältigender Materie. Er wird für sich abschätzen müssen, ob er sich diesen Aufwand allein für das schnelle Spiel leisten kann oder möchte. Oder aber er handelt nach der Devise, dass er das, was er in seinen Blitzpartien spielt, auch gelegentlich in seinen herkömmlichen Partien versucht. Bei aller Orientierung daran, was im Blitzen und in Rapidpartien eine schnelle intuitive Entscheidung erlaubt, haben die Autoren ihre Aufgabe nicht darin gesehen, leichtsinnige Linien zu offerieren oder gar fehlerhafte, um einen Gegner schlicht mal übertölpeln zu können. Das Risiko des Spieles wird steigen, wenn er die speziellen und nicht selten etwas unorthodoxen Buchvarianten in der Normalpartie einsetzt, in der sein Gegner die Zeit für eine ordentliche Variantenberechnung hat. Auf dem Leistungsniveau des Klubspiels aber dürfte dieses Risiko übersichtlich bleiben.

Damit bin ich bei einem neuen Stichwort, der Übersicht. Für ein bequemes Lernen ist die Frage der Übersicht alles andere als unbedeutend.
"A Chess Opening Repertoire for Blitz and Rapid" ist als Folge von kommentierten Partien aufgebaut, über die hinweg sich der Leser durch das Repertoire bewegt. Mir persönlich ist es an ausgewählten Stellen für meine Betrachtung bisweilen etwas schwergefallen, den Faden zu behalten, zumal sich die Anmerkungen auch schon mal recht weit ins Detail bewegen können. Das am Ende des Werkes eingearbeitete Variantenverzeichnis ist ordentlich und hilft bei der Orientierung, kann damit mein beschriebenes Problem aber nur mildern.
Hier hätte ich mir gewünscht, die echten Repertoireempfehlungen an der Stelle der jeweiligen konkreten Darstellung etwas besser erkennen zu können.

Nun möchte ich das eingangs verwendete Zitat von Stanislaw Jerzy Lec aus Gründen der Praxisrelevanz noch einmal nutzen, aber etwas abgewandelt. "Immer wieder wird es Eskimos geben, die den Eskimos Verhaltensregeln für die Zeit der großen Kälte geben werden." Nun also von Fernschachspieler zu Fernschachspielern: "A Chess Opening Repertoire for Blitz and Rapid" enthält einige Ideen, die nicht dadurch schlechter werden, dass man sie auch im Fernschach erprobt. Der Sizilianer mit 2.b3 beispielsweise zählt sicher dazu. Oder zur "Negativabgrenzung": Es muss immerhin nicht gleich so etwas wie die schwarze Riposte …Le6 sein, über die der Nachziehende in einer Variante des angenommenen Damengambits seinen Mehrbauern auf c4 deckt. In der Blitzpartie wird sein Gegner wohl einen kostbaren Moment der Verblüffung überwinden müssen, bevor er sein Spiel dagegen organisiert. In der Fernpartie spielt dieser Moment überhaupt keine Rolle.

Noch ein Wort zu den Autoren. Jewgeni Sweschnikow muss sicher nicht weiter vorgestellt werden, weder als erfahrener und erfolgreicher Spieler noch als Theoretiker mit der Fähigkeit auch eines Querdenkers. Sein Sohn Vladimir Sweschnikow ist IM und Schachtrainer.

Die Buchsprache ist Englisch. Die Anforderungen an die Fremdsprachkenntnisse des Lesers sind nach meiner Wahrnehmung recht hoch, wofür ein bisweilen breiter Wortschatz verantwortlich ist.

Fazit: Ihr Eskimo-Rezensent überlässt es lieber Ihnen als den Eingeborenen von Schachland, sich die Verhaltensregeln selbst herauszusuchen, die in der Zeit der hitzigen Schnellpartien helfen können.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Playing 1.e4 e5

Playing 1.e4 e5

Nikolaos Ntirlis
Playing 1.e4 e5
384 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-78483-014-4
24,99 Euro




Playing 1.e4 e5
"Playing 1.e4 e5" von Nikolaos Ntirlis, Neuerscheinung 2016 bei Quality Chess, richtet sich an den Spieler mit Schwarz, den das Werk mit einem Repertoire gegen 1.e4 auf der Basis des Erwiderungszuges 1…e5 ausstatten will. Der Untertitel "A Classical Repertoire" gibt den frühen Hinweis darauf, dass Ntirlis seine Empfehlungen auf klassiche Systeme richtet.

Das Buch ist in zwei Abschnitte unterteilt, die mit "Open Games" und mit "Spanish" überschrieben sind. Diese beherbergen 13 Kapitel, von denen sieben im ersten und folglich noch sechs im zweiten Abschnitt zu finden sind.
Zu den Theoriekapiteln sieht das Inhaltsverzeichnis wie folgt aus:

Open Games
1. Early Deviations and Gambits
2. Bishop’s Opening and Vienna Game
3. Four Knights – Introduction
4. Four Knights – 4.d4 and 4.Bb5
5. Scotch Game
6. Two Knights – 4.d4 and 4.d3
7. Two Knights with 4.Ng5

Spanish
8. Exchange Variations
9. On the Road to the Main Line
10. The Trendy d2-d3
11. Breyer – 10.d3 and Sidelines after 10.d4
12. Breyer – Alternatives to 13.Nf1
341 13. Breyer Main Lines.

Mit Ausnahme der Kapitel 1, 9 und 10 zeigen die Überschriften erschöpfend an, was den Leser in der Folge erwartet. Zu den genannten Kapiteln bedarf es einiger erläuternder Ergänzungen.
Im 1. Kapitel findet der Leser unter anderem Eröffnungen wie Portugiesisch, Göring-Gambit, Mittelgambit und Königsgambit behandelt. Ntirlis steuert mit seinem Repertoire die schwarzen Ressourcen in der Spanischen Partie an, in der er dann die Breyer-Variante als Hauptzielhafen erreichen will. Folglich muss er zunächst alle weißen Möglichkeiten "abdichten", die den Weg in die Spanische Partie Verstellen, was im 1. Kapitel passiert. Sodann kann Weiß nach dem Übergang des Spiels in die Spanische Partie die Geschehnisse in Systeme führen, die vor der Breyer-Variante verortet sind und diese vermeiden. Auch diese Alternativen müssen somit "abgefangen" werden. Dies gilt beispielsweise für die Abtauschvariante, Gegenstand der Betrachtung in Kapitel 8. Wenn Schwarz das geschlossene System der Spanischen Partie anvisiert, kann Weiß mittels 5.Sc3, 5.De2 und 5.0-0 sowie mit 5.d3 wie auch 6.d3 an bereiten Stellen der schwarzen Wunschentwicklung entgegenarbeiten. Die Kapitel 9 und 10 widmen sich den damit zusammenhängenden Möglichkeiten.
Die Breyer-Variante, auch als Breyer-System bezeichnet, ist nach Gyula Breyer benannt und wird über die Zugfolge 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 d6 8.c3 0-0 9.h3 Sb8 erreicht.

Die Buchkapitel sind identisch aufgebaut. Einer Übersicht zum behandelten Material folgt eine Seite mit Diagrammen, die sich mit Fragen zu den darauf abgebildeten Stellungen an den Leser richten. Er soll sich jede Position intensiv anschauen (Vorschlag: 10 Minuten) und dann die Lösung entwickeln. Eingebettet in die sich anschließenden theoretische Erörterung des Stoffes findet er die vom Buch erwarteten Lösungen.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Entscheidung, diese Aufgaben jeweils ganz nach vorne zu stellen, gelungen ist. Mein Zweifel stützt sich besonders auch darauf, dass nicht selten auch konzeptionelle Ansätze gefunden werden sollen. Diese aber erfährt der Leser grundsätzlich erst über seine Arbeit mit dem Werk, indem er sich zunächst mit dem Theorieteil des Kapitels befasst. Logischer wäre es für mich gewesen, die "natürliche" Reihenfolge einzuhalten, also erst zu lehren und dann erst abzufragen. Den Wert des Werkes schmälert diese Auffälligkeit nicht, denn es ist dem Leser unbenommen, die Reihenfolge in seinem Vorgehen abweichend von der Chronologie des Buches zu bestimmen. Er kann also die Aufgaben etc. zeitlich nach der Arbeit mit der Theorie lösen, wozu ich ihm auch raten möchte, indem er schlicht ein paar Seiten zurückblättert.

Es war sicherlich keine leichte Aufgabe, die sich Ntirlis gestellt hat, als er ein abgerundetes Schwarzrepertoire auf der Basis von 1.e4 e5 zusammenstellen wollte. Kontinuierlich hatte er den Spagat zwischen einem abgesicherten und ausreichend qualifizierten Repertoire und auf der anderen Seite einer Begrenzung des Stoffumfangs zu meistern. Wie diese Problematik allgemein im Detail zu lösen ist, hängt erheblich auch von dem Adressatenkreis ab, den man mit seiner Arbeit erreichen möchte.
Ich werde nachstehend meine Einschätzungen summarisch auflisten, um dem Werk auf diese Weise möglichst gerecht zu werden.
1. "Playing 1.e4 e5" bietet dem Leser ein in sich geschlossenes Repertoire an, das allerdings nicht durchgehend vergleichbar tief angelegt ist.
2. Der Fernschachspieler erhält teilweise, so etwa besonders zur Breyer-Variante, ein fernschachtaugliches Repertoire. Teilweise aber kann es den Anforderungen im Fernschach nicht genügen, beispielsweise am Stoff des 1. Kapitels erkennbar.
3. Der "echte" Freizeitspieler unter den Nahschachfreunden findet Material im Buch, das wie auf ihn zugeschnitten wirkt, aber auch solches über diesen Level hinaus. Für ihn gilt quasi das Gegenteil dessen, was den Fernschachspieler betrifft, so wie vorstehend beschrieben.
Die Situation des ambitionierten Nahschachfreundes ist mit jener des Fernschachspielers vergleichbar.
4. Die textlichen Erläuterungen sind vornehmlich taktisch geprägt. Strategische Aspekte, beispielsweise zur logischen Spielanlage in einem System, sind eher selten anzutreffen.
5. In den einzelnen Kapiteln bzw. auch zu darin behandelten Systemen, soweit sie sich ein Kapitel teilen, folgt das Werk einem identischen Aufbau. Zunächst wird die Hauptvariante mit Nebenvarianten erörtert, woraufhin die weiterführende theoretische Betrachtung in sich anschließenden kommentierten Partien stattfindet.
Der Aufbau ist gelungen und erlaubt eine systematische Arbeit mit dem Buch. Die theoretischen Erörterungen werden jeweils mit einer wertenden Zusammenfassung abgeschlossen.
Das Werk enthält 67 vollständige Partien, auf die 13 Kapitel verteilt.
6. Die Kommentierung ist eine Mischung aus Text und Varianten. Weit verzweigte Analysen kommen auch im Buch vor, sind aber eher eine Ausnahme.

Wenn ich eine große Klammer um meine vorstehenden Beobachtungen fasse, dann ist "Playing 1.e4 e5" als Ganzes betrachtet als Zweit- oder Ergänzungsbuch ein guter Kauf, während man ein Komplettrepertoire nach 1.e4 e5 primär auf anderen Werken fußen lassen sollte, die in der Hand des Gegners liegende Abweichungen tiefer und breiter aufnehmen. Sektoral erfüllt das Buch die Anforderungen an ein Vollrepertoire, dies gilt besonders für das Breyer-System im geschlossenen Spanier.
Um es auf den Punkt zu bringen: Der Schachfreund muss wissen, was er ist (Anfänger, Profi, Nah- und / oder Fernschachspieler - siehe oben) und was er will.

Ntirlis hat eine bemerkenswerte Fleißarbeit geleistet, was auch die Länge der Liste mit den genutzten Quellen anzeigt. Er hat alles genutzt, was Rang und Namen hat, sei es jung oder alt, Buch oder elektronische Quelle usw. "Playing 1.e4 e5" ist durchzogen von Hinweisen auf Einträge in der Bibliografie, die somit dann eine konkrete Beziehung zwischen den Ausführungen des Autors und der jeweiligen Quelle herstellen.

Das Variantenverzeichnis am Ende des Buches ist sehr ausführlich, wie man es von Quality Chess kennt und schätzt.

Die Buchsprache ist Englisch. Fremdsprachkenntnisse auf einem ordentlichen Schulniveau reichen aus, um bequem mit dem Werk arbeiten zu können.

Noch ein Wort zum Autor: Nikolaos Ntirlis ein aktiver Fernschachspieler. Einen Namen gemacht hat er sich aber als Trainer, Autor und als Computerfachmann.
Zahlreiche Partien und Fragmente stammen aus dem Fernschachspiel. Dass Ntirlis sein Knowhow aus seiner Fernschachpraxis auch bei der Analyse zum Buch geholfen haben dürfte, ist sehr anzunehmen. Stellenweise gibt es Anmerkungen, die dies auch anzuzeigen scheinen, beispielsweise eine IDeA-Analyse über den Zeitraum von zwei Nächten hinweg.

Fazit: In der "richtigen" Hand und mit dem "richtigen" erhofften Nutzen ist "Playing 1.e4 e5" ein zu empfehlendes Werk.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Understanding the Scandinavian

Understanding the Scandinavian

Sergey Kasparov
Understanding the Scandinavian
175 Seiten, kartoniert
ISBN: 1-910093-65-3
22,95 Euro




Understanding the Scandinavian
In der jüngeren Vergangenheit sind einige neue Werke zur Skandinavischen Verteidigung frisch auf den Markt gekommen. In diese Reihe gliedert sich "Understanding the Scandinavian" ein, geschrieben von Sergey Kasparov und erschienen Ende 2015 im Verlagshaus Gambit Publications Ltd.

"Understanding the Scandinavian" setzt besonders auf die Linie mit 3…Dd6, also die Initialzugfolge 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3 und nun 3…Dd6. Kasparov bezeichnet sie als neue Hauptvariante. Auch die "alte Hauptvariante" mit 3…Da5, die Alternative 2…Sf6 und weitere Abweichungen behandelt er, durchaus auch mit mehr als nur einer Randnotiz, nur legt er sich als seine Empfehlung auf 3…Dd6 fest.
Es gibt sieben Kapitel im Buch, die sich mit den folgenden Inhalten befassen:

1. 3...Dd6 mit 4. d4 Sf6 5.Sf3 c6 6.Se5
2. 3...Dd6: Andere Linien
3. 3...Da5
4. 3...Dd8
5. 2...Dxd5 ohne 3.Sc3
6. 2...Sf6
7. Seltene Alternativen für Weiß im zweiten Zug.

Das Werk sieht sich als Ratgeber und Anleitung, wie die Skanidavische Verteidigung zu spielen ist. Kasparov, der die Verteidigung auch selbst gerne im Wettkampf anwendet, legt folgerichtig den Schwerpunkt seiner Ausführungen auf die strategischen Aspekte in der Anwendung dieser Eröffnung. Hierbei geht er sehr ausführlich vor. Variantenketten, womöglich ohne weitere Erläuterungen, sind nur wenig im Werk zu finden. Der Leser wird ständig auf strategische Ansätze, Anforderungen, mögliche Fehler etc. aufmerksam gemacht. Dabei adressiert Kasparov seine Hinweise und Ratschläge an beide Parteien, also nicht etwa nur an Schwarz, der für das Entstehen der Themaeröffnung auf dem Brett verantwortlich ist.
Auch wenn er mit seinen Ausführungen offenkundig nicht nur den erfahrenen Spieler erreichen möchte, sollte der Leser das Stadium der Anfangsgründe im Schach deutlich hinter sich gelassen haben. Ab dem Klubbereich aber sollte jeder Spieler mit "Understanding the Scandinavian" gut an einer Erweiterung seiner Eröffnungskompetenz arbeiten können. Diese Wertung ist durchaus universeller zu verstehen und nicht nur auf die Skandinavische Verteidigung oder gar die Buchinhalte beschränkt. Kasparov gibt tatsächlich einen tiefen Einblick in strategische Überlegungen zur Eröffnungswahl, -führung etc. Der Leser wird methodisch auch beim Einsatz anderer Systeme von den hier aufgenommenen Kenntnissen profitieren.

"Understanding the Scandinavian" ist kein Buch, das den Leser mit einem in sich plausiblen und auch abgesicherten Repertoire ausstattet. Wäre dies anders, so müsste es Schwarz entsprechend ausstatten. Kasparov legt sich auch für Weiß auf solche Alternativen fest, die es ihm aus seiner Sicht am besten ermöglichen, das Wesen der Skandinavischen Verteidigung zu zeigen und die strategischen Aspekte jeweils zu erläutern. Weitere wichtige Alternativen im Arsenal des Anziehenden bleiben außen vor. Sie dürfen dies auch, eben weil Schwarz nicht mit konkreten Repertoirevorschlägen gegen sie ausgestattet werden soll und er nach den an den gewählten Beispielen vermittelten Prinzipien auch die Spielführung gegen alternative, aber eben ähnliche Strukturen organisieren kann.
An einem Beispiel: Die schwarze Erwiderung 2…Sf6, die Kasparov übrigens nicht allzu sehr schätzt, greift er mit 3.Sf3 und nachfolgend 4.d4 auf. Für ein "rundes" Repertoire müsste er sich beispielsweise auch mit einem frühen c2-c4 befassen. In "Understanding the Scandinavian" als Ratgeber und Anleitung kann er sie unbehandelt lassen, ohne dass er damit eine nennenswerte Lücke verursachen könnte.

Kasparov nutzt insgesamt 43 Partien aus der Meisterpraxis als Träger seiner Darstellungen zur Theorie. Diese stammen oft aus aktuellen Turnieren, aber auch einige nicht mehr ganz taufrische Duelle sind dabei. Kasparov, selbst ein renommierter GM (aber nicht zu verwechseln mit dem Ex-Weltmeister Garri Kasparow), hat dabei einiges aus seinen eigenen Turnierauftritten verwendet. Mehrere Namen aus der absoluten Weltspitze finden sich ebenfalls unter den "Duellanten".
Die meisten Partien werden am Ende jeweils noch einmal in einer Zusammenfassung darauf abgeklopft, welche Schlüsse aus ihnen zu ziehen sind. Diese wertenden Zusammenfassungen ("Conclusions") können bisweilen durchaus sehr lang ausfallen. Der Leser bekommt dennoch immer in einer vergleichsweise kompakten Form noch einmal vor Augen geführt, was er an Wesentlichem aus der gerade bearbeiteten Partie mitnehmen sollte.
Relativ kurze solche Zusammenfassungen finden sich auch am Ende eines Kapitels sowie im Anschluss an die Theoriekapitel selbst.

Zwischen Theorieteil und Variantenverzeichnis hat Kasparov noch einen kurzen Bereich (zehn Beispiele) mit Übungen und deren Antworten eingebaut. Hier soll der Leser sein erworbenes Verständnis überprüfen bzw. unter Beweis stellen. Dabei kann er für Entscheidungen für bestimmte Züge und das Ausarbeiten der wesentlichen Wege Punkte erzielen, die dann summarisch Kategorien zugeordnet werden. In einer humorigen Art und Weise stellt Kasparov dann nach oben fest, dass besonders erfolgreiche Leser die Eröffnung besser verstehen als er oder nach unten anerkennen sollten, dass die Skandinavische Verteidigung nicht "ihr Ding" ist.
Ich persönlich halte diese kurze Passage für verzichtbar, aber für so manchen Leser dürfte sie als nette Spielerei ein willkommenes Angebot sein.

Das schon angesprochene Variantenverzeichnis ist sehr ausführlich und damit eine ausgezeichnete Orientierungshilfe im Werk. Ihm schließt sich der Vollständigkeit halber dann noch ein Partienverzeichnis an.

Die Buchsprache ist Englisch. Auch wenn einiges an Text im Buch vorkommt, schätze ich die Anforderungen an die Fremdsprachkenntnisse des Lesers als moderat ein. Dies begründet sich auch mit dem zur Anwendung gelangten Wortschatz, der nur selten mit nachzuschlagenden Begriffen aufwartet. Kenntnisse auf der Höhe eines ordentlichen Schulniveaus sollten allemal ausreichen, um recht komfortabel mit dem Werk arbeiten zu können.

Fazit: "Understanding the Scandinavian" ist eine Neuerscheinung auf dem Büchermarkt, die sich insbesondere mit der strategischen Spielführung in der Skandinavischen Verteidigung befasst. Sie ist eine Anleitung und ein Ratgeber, kein auch ein Repertoire anbietendes Werk.
Inhaltlich konzentriert es sich auf die Fortsetzung 3…Dd6, behandelt aber auch die als wichtig einzuschätzenden Alternativen im schwarzen Spiel.
"Understanding the Scandinavian" hebt sich besonders durch das Bemühen hervor, möglichst alles zu erläutern und zu erklären, was auf dem Brett vonstattengeht.
Für mich ist das Werk für denjenigen, dessen Spielstärke sich zumindest im unteren Klubbereich befindet und der die Skandinavische Verteidigung unter den gesetzten Schwerpunkten erlernen und dabei richtig begreifen will, eine Kaufempfehlung.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

The Chess Manual of Avoidable Mistakes Volume 2

The Chess Manual of Avoidable Mistakes Volume 2

Romain Edouard
The Chess Manual of Avoidable Mistakes Volume 2
152 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-9082256642
19,95 Euro




The Chess Manual of Avoidable Mistakes Volume 2
"The Chess Manual of Avoidable Mistakes Volume 2" ist quasi ein Erweiterungsband zu "The Chess Manual of Avoidable Mistakes; das Basiswerk ist schon im Dezember 2014 erschienen. Die Neuerscheinung stammt auch wieder aus der Feder von Romain Edouard. Das Werk ist ein Test- und Übungsbuch, um anhand von per Diagramm eingeführten Partiestellungen Mittelspiel- und auch Endspielprobleme unterschiedlicher Natur, von Angriff bis Verteidigung, zu lösen.

Es gibt insgesamt 280 zu bearbeitende Diagrammstellungen. Diese sind im Buch sechs Kapiteln (nicht sieben, wie einführend angekündigt wird) zugeordnet, die in einer sinngemäßen deutschen Übersetzung die folgenden Überschriften tragen:
1. Finde den Gewinnzug!
2. Verteidige dich selbst!
3. Zieh jetzt gleich!
4. Schwierige Auswahlentscheidungen
5. Eine Möglichkeit abwägen
6. Die ungenutzte Gelegenheit erkennen.

Die Lösungen finden sich gesammelt im hinteren Bereich des Werkes.

Die Beispiele stammen aus tatsächlich gespielten Partien, zumeist in Turnieren der Gegenwart. Sie sind nicht nach Schwierigkeitsgrad geordnet, sodass der Leser nicht vorkonditioniert wird. Dies gilt auch für die Art der zu findenden Lösung, denn sie kann von offensichtlichen bis zu versteckten Ansätzen auf allem basieren, was die Stellung hergibt. Der Leser befindet sich also in einer Lage, die jener in seiner eigenen Partie entspricht.
Jedes Kapitel enthält eine Einführung, die ihn dahingehend instruiert, was von ihm erwartet wird. Demonstriert wird ihm das dann zusätzlich an einem Beispiel, bevor er in den jeweiligen Aufgabenbereich entlassen wird. Dort erfährt er dann zu jeder Diagrammstellung mehr oder weniger nur noch, für wen er eine Lösung zu finden hat, und kann dann loslegen.
Als erfolgreich gemeistert kann er eine Aufgabe zumeist nur dann abhaken, wenn er eine komplette Analyse aller wesentlichen Aspekte gefertigt hat und diese dann detailliert mit der Buchlösung übereinstimmt. Das Finden eines Initialzuges ist zwar zweifellos wichtig, reicht aber zur Lösung nicht einmal ansatzweise aus.

Die Aufgaben selbst wie auch der an die Lösungen gestellte Anspruch machen "The Chess Manual of Avoidable Mistakes Volume 2" zu einem Werk, das sich an den fortgeschrittenen Spieler richtet. Edouard erklärt im Vorwort, dass die Aufgaben von leicht bis schwierig gestreut sind, ich sehe die Anforderungen aber allemal im Bereich des guten Klubspielers verortet. Darunter muss der Leser nach meiner Einschätzung mit einem ordentlichen Maß an Frustpotenzial rechnen. Der schon gut geübte Spieler aber dürfte von dem realitätsnahen Training, gemessen an der Praxis einer gespielten Partie, sehr profitieren.

"The Chess Manual of Avoidable Mistakes Volume 2" ist doppelsprachig geschrieben, in Englisch und in Französisch. Dies bedeutet aber nicht, dass der Käufer quasi nur ein Buch mit halbem Inhalt bekommt, indem er darin eben alles doppelt vorfindet. Die Hauptsprache ist Englisch, die wenigen und kurzen Textpassagen sind zusätzlich in Französisch verfügbar, zum Teil über entsprechende Fußnoten.
Die Anforderungen an die englischen Fremdsprachkenntnisse sind nicht der Rede wert. Es kommt jenseits der einführenden Seiten ohnehin kaum Text im Buch vor, besonders auch im Lösungsteil, wo Analysen oder weitere textliche Erläuterungen zu finden sind.

Fazit: "The Chess Manual of Avoidable Mistakes Volume 2" ist ein anspruchsvolles Buch, besonders für den geübten Spieler, der sich mindestens im Leistungsbereich des Klubspielers befindet. Es ist nutzbar, ohne dass man auch das Basiswerk besitzt.
Die Aufgaben sind in einer praxisnahen Art und Weise zu lösen. Die Buchlösungen werden in der Form von Analysen gegeben und werden nicht weiter textlich erläutert oder erklärt.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften

Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften

André Schulz
Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften
351 Seiten, gebunden
ISBN: 978-90-5691-637-4
22,80 Euro




Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften
"Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften" von André Schulz zählt zu jenen von mir besprochenen Büchern, bei denen die Vorbereitung der Rezension am zeitaufwändigsten war, deren Länge dies aber nicht widerzuspiegeln vermag. Das Werk ist 2015 bei New In Chess (NIC) erschienen, und zwar in deutscher Sprache, wie der Buchtitel bereits demonstriert. André Schulz ist ein erfahrener Schachjournalist, u.a. zuständig für die Website von ChessBase.

In der Geschichte des Schachspiels wurden 46 Weltmeisterschaftskämpfe ausgetragen, die als "offiziell anerkannt" gelten. In dieser Formulierung zeigt sich bereits, dass weitere unter einem Banner "Weltmeisterschaft" ausgetragene Wettkämpfe bekannt sind, denen aber die allgemeine Anerkennung versagt geblieben ist. Diese fehlen folgerichtig im hier besprochenen Werk, so wie etwa jene als "FIDE-Weltmeisterschaften" ausgespielten Titel, als Kasparow die Krone mit dem Wettkampf gegen Short aus der Organisationsgewalt des Weltschachbundes getragen hatte.

Für jeden offiziellen Weltmeisterschaftskampf gibt es ein Kapitel, bestehend aus einem Textteil und einer kommentierten Partie. Die Kapitel sind insgesamt fünf Teilen zugeordnet, die wie folgt überschrieben sind:
1. Die Zeit der Privatweltmeisterschaften,
2. Die sowjetische Ära,
3. Die neue Ära,
4. Die Zeit des Schismas,
5. Wiedervereinigung und die Zeit danach.

Die Textbeiträge variieren sehr in der Länge. Tendenziell am längsten sind die Beiträge über die Duelle der jüngeren Vergangenheit, soweit es sich nicht um Revanche- oder Wiederholungskämpfe handelte. Dies ist nachvollziehbar, denn aus den zuletzt vergangenen Jahren und Jahrzehnten ist eben doch mehr überliefert als aus den Anfängen der Weltmeisterschaften. Bei einem mehrfachen Aufeinandertreffen der Kontrahenten ist das Grundlegende mit dem Beitrag zum ersten Wettkampf gesagt, sodass für die weiteren Duelle nicht mehr so viel Stoff übrig bleibt. Die Partien sind sicher schon x-fach unter die Lupe und kommentiert veröffentlicht worden. In "Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften" sind sie mit Kommentaren und Analysen zu finden, die mit Engineunterstützung hinterfragt und bestätigt worden sind.

Ich habe mein ganzes Augenmerk auf die Textbeiträge gerichtet und diese vollständig gelesen. Man wird geradezu erschlagen von der Fülle an Informationen, sowohl in der Tiefe als auch in der Breite. André Schulz hat mit viel Fleiß ein Meer an Informationen zusammengetragen, das "Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften" zu einem Nachschlagewerk erster Garnitur avancieren lässt. Der Leser erfährt über die Protagonisten:
- Persönliches wie Herkunft, Bildung, Beruf, Körpergröße, Gesundheitsverfassung und eventuelle Handicaps, Glauben, Missbrauch von Suchtmitteln, politische Weltanschauung, Familienstand, Zahl der Kinder und ggf. auch Zahl der Ehen, gutes und schlechtes Verhalten im Umgang mit anderen, Reichtum und Armut etc.,
- Werdegang im Schach, Erfolge und Misserfolge, Besonderheiten im Kontakt mit anderen Spielern, Trainer, Sekundanten, Stärken und Schwächen im Spiel, Vorzüge und Abneigungen etc.,
- empfangene Förderungen und erlittene Benachteiligungen durch das staatliche System, Verband oder Klub, Betroffensein von Nachreden, Intrigen und Sanktionen bei Misserfolgen, Auswirkungen der Weltpolitik und der unterschiedlichen staatlichen Systeme etc.

Wie die Aufzählung zeigen dürfte, ist "Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften" ganz besonders auch ein Buch des Lebens, unterschieden in alles um das Schachspiel selbst herum und in Staat, Gesellschaft und Geschichte.
Ein wenig habe ich den Glauben daran verloren, dass der Titel des Weltmeisters immer in erster Linie von der Spielstärke dominiert war. Beim Lesen habe ich den Eindruck gewonnen, dass manchmal eher der Geldbeutel bestimmt hat, wer um die Krone kämpfen durfte, oder eben die Politik in facettenreicher Form.

Schulz hat die Informationen sehr gut aufbereitet und erscheint stilistisch wie ein Geschichtsschreiber. Sehr gut gefällt mir auch sein Umgang mit eingeredeten bzw. nicht abschließend beweisbaren Vorgängen. Er führt sie auf, kennzeichnet sie aber entsprechend und erhebt sie damit nicht etwa in den Rang einer Tatsachenbehauptung.
An ein paar Stellen gingen mir seine Informationen aber etwas zu sehr ins Detail. Vermutlich ist es ihm schwergefallen, mühevoll erlangte Informationen teilweise eben auch wieder verwerfen zu müssen. Auch wenn dies verständlich ist, hätte ich beispielsweise auf die intensive Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse der einen oder anderen Randperson gut verzichten können.

Das Werk ist in Sachen Rechtschreibung fehlerarm. Passagenweise aber hätte eine letzte Korrekturlesung noch ein paar Fehler vermeiden lassen können. So finden sich einige Male Trennstriche, die wohl aus dem Ursprungstext übernommen sind, an unpassender Stelle im Text. Offensichtliche Fehlschreibungen wie etwa ein Wortgemenge aus Match und Kampf - vermutlich aus dem Ansatz einer Stilverbesserung entstanden - hätten vermieden werden können. Allerdings ist dies ein "Kritisieren auf hohem Niveau", insgesamt ist das Werk textlich sauber gestaltet.

Die letzten Seiten des Buches sind u.a. ausführlichen statistischen Aufstellungen gewidmet, die seinen Nachschlagewert weiter steigern.

Fazit: "Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften" ist ein ausgezeichnetes dokumentatorisches Werk, das in die Hand jedes Schachfreundes gehört, dessen Interesse sich nicht auf das Spiel an sich beschränkt.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Wolfgang Uhlmann: Meine besten Partien

Wolfgang Uhlmann: Meine besten Partien

Wolfgang Uhlmann
Meine besten Partien
327 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-3-944158-07-5
34,80 Euro




Meine besten Partien
Eine bunte Mischung aus interessanten und unterhaltsam kommentierten Partien sowie Anekdoten erwartet den Leser mit dem Werk "Meine besten Partien" von Wolfgang Uhlmann. Es ist 2015 im Verlag ChessCoach, der seit dem 1. Januar 2016 Chaturange heißt, erschienen. Zu einem gewissen Grad trägt es auch autobiografische Züge.

Wolfgang Uhlmann, auch als "Wolfgang des Ostens" bezeichnet, um ihn neben Wolfgang Unzicker, also den "Wolfgang des Westens" zu positionieren, hat 87 Partien aus seinem großen Schatz an Turnierpartien ausgewählt, um sie als seine schönsten vor dem Leser auszubreiten. Dass ihm diese Auswahl schwergefallen ist, kann man gut nachvollziehen. Immerhin sind mehr als 3400, wie er auch selbst erwähnt, von ihm allein schon in den Datenbanken verfügbar.
Er hat eine repräsentative Auswahl gefunden, die seine Karriere schön abzudecken vermag. Nicht fehlen durften natürlich seine fünf Siege gegen Weltmeister, die ihm in den Jahren gelungen sind.

Das Werk enthält sechs Kapitel, denen die Partien zugeordnet sind. Diese tragen die folgenden Überschriften:

- Siege gegen die Weltmeister,
- Partien aus der Französischen Eröffnung,
- Partien aus dem Damengambit,
- Partien aus Indischen Eröffnungen,
- Partien aus anderen Eröffnungen,
- Internationale Turniersiege in meiner Karriere.

Die Partien sind mit dem Schwerpunkt auf textlichen Anmerkungen kommentiert. Eher ausnahmsweise geht die Analyse der Varianten, die auch hätten auf dem Brett entstehen können, in eine besondere Tiefe. Für das Nachspielen der Partien aus dem Grund der Unterhaltung hat Wolfgang Uhlmann, wie ich finde, genau das richtige Verhältnis von Text und Varianten gefunden.
Der Unterhaltungswert der Partien ist groß, auch ohne die Kommentare. Ich habe mir mehrere Duelle ganz genau angeschaut, wobei ich solche ausgewählt habe, bei denen mir während eines Durchblätterns interessante Anmerkungen aufgefallen sind. Wenn also beispielsweise von einem Figurenopfer gesprochen wurde, wollte ich es gerne auf dem Brett sehen. Nachgespielt habe ich die Begegnungen dann am Bildschirm, indem ich sie mir aus der Datenbank gezogen habe, mit dem Buch und seinen Kommentaren daneben.

Besonders gerne gelesen habe ich die Anekdoten, von denen es einige im Buch gibt. Wolfgang Uhlmann hat auch eine gute Portion Humor, der in seinen Erzählungen zum Ausdruck kommt. Auch leicht selbstironische Züge kommen zum Ausdruck. Zwei kleine Geschichten haben mich sehr zum Schmunzeln animiert. In einem Fall war ihm auf der Reise zu einem Turnier das ganze Gepäck gestohlen worden, sodass er vor Ort "komplett blank" stand. Da es sehr regnete, gab ihm jemand seinen Schirm. Er hatte aber nicht allzu lange Freude daran, denn dieser wurde ihm in einem unachtsamen Moment gestohlen.
Eine andere Episode verbindet sich mit dem Namen Larsen und spielt in Dänemark. Er wollte sich auf Bent Larsen berufen, als er aus Aufenthaltsgründen jemanden bezeichnen musste. Aber den Namen Larsen trug nicht nur der ehemalige Weltklassespieler, was zu einer amüsanten Wendung führte. Ich möchte aber nicht zu viel verraten und lasse die Pointe hier lieber fehlen.

Am Ende des Buches sind einige Verzeichnisse zu finden, die einen Überblick u.a. über Wolfgang Uhlmanns Karriere geben, die im Buch zu findenden Partien auflisten sowie den Bildnachweis führen.

Insgesamt ist das Buch sorgfältig bearbeitet worden. Etwas schade ist es, dass gleich im Vorwort des DSB-Präsidenten Herbert Bastian ein Fehler enthalten geblieben ist, der über eine gute Korrekturlesung hätte gefunden werden müssen ("Wir sehen wir uns regelmäßig …"). Nichts Weltbewegendes also, aber ein Schönheitsfehler, der Zweifel auslösen könnte. Ich kann bestätigen, sie wären unbegründet.

Gerne hätte ich noch ein kleines Interview mit Wolfgang Uhlmann zur Vorbereitung der Rezension geführt. Diesen Wunsch hat der Verlag auch unterstützt und Wolfgang Uhlmann zugeleitet. Es ist dann aber leider nicht dazu gekommen. Sonst hätte ich vielleicht noch etwas mehr aus den Erinnerungen dieses großen Spielers verarbeiten können.

Fazit: "Meine besten Partien" von Wolfgang Uhlmann ist ein nettes Werk, das ich dem Leser empfehlen kann, der seine Freude an guten Partien hat, die zudem auch noch unterhaltsam kommentiert worden sind. Mitgeliefert bekommt er - zum Teil köstlich erzählte - Anekdoten und viele Informationen zur Zeitgeschichte, nicht nur auf das Turnierschach bezogen.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise vom Verlag ChessCoach (heute Chaturanga) (www.verlag-chesscoach.de) zur Verfügung gestellt.


 

Nimzo and Bogo Indian

Nimzo and Bogo Indian

Christof Sielecki
Nimzo and Bogo Indian
440 Seiten, gebunden
ISBN: 978-1-78194-109-6
24,95 Euro




Nimzo and Bogo Indian
"Nimzo and Bogo Indian" ist ein Werk, das quasi zunächst am Reißbrett weitgehend durchgeplant worden ist. Sein Autor Christof Sielecki hatte beschlossen, ein Buch zu schreiben, wusste aber noch nicht worüber. Er ist dann von sich selbst ausgegangen. Als Allrounder in Sachen Schacheröffnungen verfügte er über ein breites Wissen, aber insbesondere auf 1.d4 fehlte ihm eine Schwerpunktantwort. Diese hat er dann in Nimzo-Indisch gefunden. Diese entspricht seinen persönlichen Vorstellungen, indem sie unter anderem
1. fundamental gesund ist und für Weiß einen höchstens geringen Eröffnungsvorteil zulässt,
2. ausbaufähig ist,
3. auf Basisideen in unterschiedlichen Bereichen der Eröffnung zurückgreift, sodass der Umgang mit Mittelspielstellungen leichter erlernt werden kann,
4. es auf diese Weise ermöglicht, gute Züge am Brett zu finden, ohne dass man sich lange Zugketten gemerkt haben muss,
5. es erlaubt, Ungleichgewichte zu schaffen, die ein Spielen auf Gewinn oder manchmal auch die Überführung in remisliche Varianten erlaubt.

Dabei hat er sich dergestalt auf eine Strategie der schwarzen Felder konzentriert, dass er seine Bauern auf schwarze Felder stellt und er es mit wenigen grundsätzlichen Bauernstrukturen zu tun hat.
Sielecki ist es bewusst, dass der Weißspieler dem schwarzen Vorhaben durch ein Abweichen entgegenwirken kann. Für diesen Fall hat er eine Absicherung des Repertoires über Bogo-Indisch erarbeitet. Hier basiert es dann auf Linien, in denen möglichst identische Bauernformationen zu seinen nimzo-indischen Linien entstehen. Der Nachziehende findet also in beiden Systemen, Nimzo- und Bogo-Indisch, dieselben Strukturen vor und kann deshalb mit identischen strategischen Ansätzen beide Systeme spielen.
In einer Einführung macht Sielecki den Leser mit diesem Ansatz vertraut und zeigt über exemplarische Diagramme die signifikante Ähnlichkeit von Stellungen aus den beiden unterschiedlichen Eröffnungen auf.

Das Werk enthält insgesamt 14 Kapitel, von denen 11 Nimzo-Indisch und dann noch drei Bogo-Indisch behandeln. Zu den Theoriekapiteln sieht das Inhaltsverzeichnis wie folgt aus:

1) Nimzo-Indian: Rare Lines
2) Nimzo-Indian: Sämisch Variation, 4 a3
3) Nimzo-Indian: 4 f3
4) Nimzo-Indian: Kasparov-Romanishin 4 Nf3 and 5 g3
5) Nimzo-Indian: Rubinstein Variation, 4 e3
6) Nimzo-Indian: Reshevsky Variation, 4 e3 0-0 5 Ne2
7) Nimzo-Indian: 4 e3 0-0 5 Bd3 c5 6 Ne2
8) Nimzo-Indian: Hübner Variation, 4 e3 0-0 5 Bd3 c5 6 Nf3 Nc6 7 0-0 Bxc3 8 bxc3 d6
9) Nimzo-Indian: Classical Variation, 4 Qc2
10) Nimzo-Indian: Zurich Variation, Sidelines and Qxc3 Set-ups
11) Nimzo-Indian: Zurich Variation, White Plays Bxc3
12) Bogo-Indian with 4 Bd2 a5
13) Bogo-Indian with 4 Nbd2
14) The Catalan Bogo: 1 d4 Nf6 2 c4 e6 3 g3 Bb4+.

Alle theoretischen Erörterungen finden über kommentierte Partien statt, von denen es 44 im Buch gibt. Die Kapitel werden kurz theoretisch eingeführt, am Ende der Partien findet der Leser jeweils die wesentlichen aus ihr zu ziehenden Erkenntnisse in der Form einer Zusammenfassung.
Die Erörterung geht sehr tief, was sich ein wenig auch schon daraus ablesen lässt, dass das Buch mehr als 400 Seiten stark ist und dies bei einer durchaus noch übersichtlichen Zahl von Partien.

Sielecki hat eine immense Fleißarbeit geleistet. Er geht bisweilen in den Analysen sehr ins Detail, findet aber nach meiner Einschätzung ein sehr gutes Verhältnis aus Textkommentaren und Varianten. Er lässt den Leser nicht allein mit Stellungssymbolen etc., sondern erklärt, begründet, beschreibt etc. viel, bei Bedarf auch sehr gründlich.

"Nimzo and Bogo Indian" ist in meinen Augen kein Repertoirebuch, über das sich ein eiliger Leser hopplahopp ein Grundrepertoire verschaffen kann. Sielecki hat sich selbst erkennbar viel als Autor abverlangt, stellt aber auch Ansprüche an den Leser. Dafür bietet er ihm ein rundes Repertoire an, das er sich durch Konzentration auf regelmäßig wiederkehrende strategische Aspekte, Formationen und taktische Wendungen sehr gut verinnerlichen kann. Der Leser, der dieses Werk intensiv durcharbeitet, wird die Eröffnung im Repertoirebereich hochqualifiziert zu spielen verstehen.

Um optimal von "Nimzo and Bogo Indian" profizieren zu können, braucht der Leser nach meiner Einschätzung Fortgeschrittenenfähigkeiten im Schach. Ich denke, dass ich nicht zu hoch liege, wenn ich diese im Bereich des Klubspielers verorte. Neben diesem Knowhow braucht er Ehrgeiz und Disziplin, denn das Werk wird den Leser eine ganze Weile beschäftigen, wenn es ihn optimal erreichen soll. Der zweifellos zu erwartende Lohn verlangt also einen erheblichen Zeiteinsatz.
Sielecki gibt dem Leser einen, wie ich finde, guten Tipp. Er soll das über das Buch Erlernte in zahlreichen Partien anwenden, auch im Blitzschach und dabei auch im Internet. Die im Praxiseinsatz gefundenen Lösungen und gemachten Erfahrungen soll er mit den Buchinhalten vergleichen. Auf diesem Weg wird der Leser kontinuierlich eigenes Verständnis aufbauen und Erfahrungen sammeln.

Die Bibliografie weist die wichtigsten Bücher als genutzte Quellen aus, besonders auch aktuelle Werke. Darin zu findende Bewertungen und Empfehlungen hat Sielecki in ausgewählten Positionen auf den Prüfstand gestellt. Er scheut sich nicht, ggf. auch eine abweichende Meinung zu vertreten, auch wenn der Autor des referenzierten Werkes einen großen Namen hat. Soweit mir entsprechende Passagen aufgefallen sind, behauptet er dann aber nicht nur einfach etwas anderes, sondern begründet dies dann auch.

Zur Unterstützung hat Sielecki mehrere Engines eingesetzt. Mir gefällt, wie er diese nutzt. Besonders gut finde ich es, dass er deren Einschätzungen nicht einfach übernimmt. An einer Stelle steht sogar, dass ihn dort eine Stellungseinschätzung von Houdini schockiert. Nach Houdini hätte Schwarz in der fraglichen Stellung einen nur leichten Vorteil, während er einen klaren Vorteil erkennt, ggf. sogar schon eine Gewinnstellung. Beim Betrachten der Stellung konnte ich ihm beipflichten. Der Unterschied in den Bewertungen ist für Stellungen der untersuchten Art meines Erachtens typisch. Sielecki denkt an die Situation, in der Praxis am Turnierbrett die Stellung in einen Gewinn führen zu können, Houdini aber sucht nach konkreten Wegen und errechnet dabei auch Ressourcen, die vielleicht sogar nur noch gerade eben die Partie halten. Die fragliche Stellung würde am Brett vermutlich gewonnen werden, im Fernschach und dort unter Enginehilfe aber vermutlich noch in ein Remis bugsiert werden können.

Wenn ich nicht viel übersehen habe, findet Fernschach in "Nimzo and Bogo Indian" nicht wirklich statt. Sielecki setzt zumindest dominant auf Partien, die im Nahschach gespielt worden sind. Für den Aufbau eines Repertoires für das Turnierschach ist dies nachvollziehbar. Der Fernschachspieler sollte beim die Partie begleitenden Einsatz des Buches zusätzlich über seine Partiendatenbank prüfen, ob es Ressourcen gibt, die gerade im Fernschach versucht und geprüft worden sind.

"Nimzo and Bogo Indian" ist bei Everyman Chess erschienen, in englischer Sprache. Mit Fremdsprachkenntnissen auf einem ordentlichen Schulniveau sollte der Leser aber keine großen Probleme bekommen.

Ein Variantenverzeichnis am Ende des Buches erlaubt ein einfaches gezieltes Ansteuern der Inhalte über die Kapitel hinweg.

Fazit: "Nimzo and Bogo Indian" ist ein Repertoirebuch für den "gehobenen Anspruch", gemessen am Bedarf und an den vom Leser mitzubringenden Fähigkeiten. Es bietet ein rundes Repertoire gegen 1.d4 an, das auf Nimzo- und auf Bogo-Indisch basiert. Durch Konzentration auf bestimmte und wiederkehrende strategische Merkmale ist das Repertoire gut aufzunehmen und schafft die Voraussetzungen dafür, dass der Spieler am Brett systemgerechte und damit gute Züge findet.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Finding Bobby Fischer

Finding Bobby Fischer

Dirk Jan ten Geuzendam
Finding Bobby Fischer
286 Seiten, gebunden
ISBN: 978-90-5691-572-8
24,95 Euro




Finding Bobby Fischer
"Finding Bobby Fischer" der Titel eines Buches von Dirk Jan ten Geuzendam, das in 2015 als Neuauflage von New In Chess (NIC) wieder erhältlich ist. Ursprünglich stammt es aus dem 1994. Der Rückentext gibt 1993 als Jahr des ersten Erscheinens an, was aber ein Druckfehler sein muss. Ein von Garry Kasparow beigetragenes Vorwort ist auf September 1994 datiert, diese Jahreszahl ist auch vorne im Steckbrief angegeben.

Bis auf einfache Korrekturen, neue Fußnoten und einen anderen Fotosatz soll es sich um ein Reprint der damaligen Ausgabe handeln.

"Finding Bobby Fischer" ist ein sehr ungewöhnliches Werk. Es enthält nicht etwa Partien oder sonst etwas aus dem Schaffen des früheren Weltmeisters, sondern hat mit dessen Mythos zu tun. Den Inhalt bilden zahlreiche Interviews, die vor allem mit herausragenden Spielerpersönlichkeiten geführt worden sind, ergänzt um weitere Texte mit Themen aus der Peripherie. Der Buchtitel ist mehr als Klammer zu verstehen, nicht etwa als Beschreibung eines Vorgangs, dem sich das Werk widmen könnte. Er korrespondiert mit einer Aussage in einem der Interviews auf die Frage, ob, sinngemäß übersetzt, Fischers Schatten nicht ständig auf dem Interviewten gelastet habe. Dies sei bei jedem der Fall gewesen, war die Antwort.

Ein Interview mit Fischer selbst hat ten Geuzendam nicht zustande gebracht. Trotz aller Anstrengung hat Bobby Fischer diesbezüglich nicht mitgespielt, auch nicht im Zusammenhang mit dem damals heiß diskutierten Revanchematch 1992 in Sveti Stefan.

Es sind einige der Größten im Schachspiel ausführlich zu Wort gekommen, von Botvinnik über Karpov, Kortschnoi und Kasparow bis hin zu Anand. Als jemand, der schon sehr lange dem Schachspiel verbunden ist und immer auch ein gewisses Interesse am Spitzenschach hatte, habe ich vieles wiedererkannt, was damals Gesprächsstoff im Alltag war und heute ein Blick in die Zeitgeschichte ist. Nur erfährt der Leser heute mehr, er bekommt einen tieferen Einblick als damals. Einerseits kommen die Beteiligten selbst zu Wort, andererseits wurden sie außerhalb der Aufgeregtheiten der Geschehnisse interviewt, die damals die Gemüter erhitzen. Wenn also beispielsweise ein Viktor Kortschnoi preisgibt, wie es im Match gegen Karpov zum Einsatz eines Psychologen gekommen ist, dann erhält der erfahrene Schachfreund seine Schlagzeile von damals zurück und erfährt zugleich Nuancen neu, da sie den seinerzeitigen Berichterstattern unbekannt geblieben waren.
Als besonders fesselnd habe ich ein Interview mit Miguel Najdorf empfunden. Sein bewegtes Leben und vor allem auch das, was er mitgemacht hat, waren mir bisher so intensiv nicht bekannt.

Für wen ist "Finding Bobby Fischer" eine gute Anschaffung? Natürlich muss dies jeder für sich entscheiden. Wer Interesse auch an Schachpersönlichkeiten und Schachgeschichte hat, zählt auf jeden Fall dazu. Wer Insider-Aussagen sucht, zählt ebenfalls dazu. Wer über keine guten Sprachkenntnisse verfügt, gehört nicht dazu. Das Buch enthält mehr als 250 Seiten Texte in englischer Sprache. Mit allein einer sportlichen Auffassung sind diese nicht bequem zu bewältigen.

Fazit: In interessierter und sprachkompetenter Hand ist "Finding Bobby Fischer" ein sehr gelungenes Buch.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Effektives Eröffnungstraining

Effektives Eröffnungstraining

Arthur Jussupow, Mark Dworetski
Effektives Eröffnungstraining
285 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-95920-011-0
22,80 Euro




Effektives Eröffnungstraining
Wieder neu auf dem Markt verfügbar ist "Effektives Eröffnungstraining" von Arthur Jussupow und Mark Dworetzki. Dieses Werk aus dem Joachim Beyer Verlag, erschienen als Imprint des Schachverlag Ullrich, richtet sich an den fortgeschrittenen Spieler und will diesem im Kern dabei helfen, ein eigenes Verständnis zur Eröffnungsbehandlung zu entwickeln. Im Ergebnis soll er befähigt werden, losgelöst von eingepaukten Variantenketten die richtigen Entscheidungen am Brett zu treffen. Richtig heißt in diesem Sinne systemgerecht, situationsgerecht und auch kreativ. Der Käufer erhält das Buch nunmehr in einer 6. überarbeiteten Auflage aus dem Erscheinungsjahr 2015.

Gewissermaßen ist "Effektives Eröffnungstraining" ein Patchwork-Produkt, denn es besteht aus zahlreichen, grundsätzlich eigenständigen Beiträgen, die erst durch die Einbindung in die ordnende Struktur des Buches einen inhaltlichen Zusammenhang entwickeln. Die Beiträge stammen aus Vorlesungen an der Schachschule der beiden genannten Buchautoren wie auch aus Artikeln, die dem mit dem Buch verfolgten Zweck dienen und thematisch passen. Diese Artikel stammen teilweise aus der Feder anderer Verfasser, beispielsweise von Dolmatow und Rasuwajew.

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert. Insgesamt 16 Artikel sind darunter eingebunden. Die genannten fünf Teile tragen die folgenden Überschriften:

- Allgemeine Prinzipien des Spiels in der Eröffnung
- Aufbau eines Eröffnungsrepertoires
- Neue Züge
- Die Anfangszüge als Teil des Ganzen
- Über die Kreativität unserer Schüler.

Der erste Teil dient besonders dem Ausbau des Schachverständnisses, während die Teile 2 und 3 dem Aufbau eines eigenen, und zwar zum Spieler passenden Repertoires dienen. Weiterhin geht es dabei um die Entwicklung neuer, überraschender Züge und das Einstellen auf einen nächsten Gegner bzw. die Vorbereitung auf ein Turnier. Der vierte Teil widmet sich ganzheitlichen Aspekten der Eröffnungsbehandlung, insbesondere den Einflüssen der Eröffnung auf die Stellungen im Mittelspiel und auch im Endspiel. Dahinter steckt der Gedanke, dass der Spieler in diesen beiden Phasen der Partie das erhält, was er mit seinen Aufbauentscheidungen in der Eröffnung prägestaltet hat.

Die einzelnen Beiträge sind eine Mischung aus viel Text in der Form von Erklärungen und Erläuterungen, analysierten und kommentierten Partien und Partiefragmenten, Übungen und teilweise Lehrsätzen. Als Ganzes ist das Werk als Schulungs- und Trainingsbuch so qualifiziert, wie die Namen Jussupow und Dworetzki, als Lehrmeister der Spitzenklasse bekannt, dies versprechen. Es ist aktuell, auch wenn in einem Beitrag auf einen zukünftigen Einfluss von Spitzen-Engines auf die Eröffnungsentwicklung hingewiesen wird, der inzwischen längst Realität geworden ist.

Das Buch ist robust, es wird in einer gebundenen Form und mit einem festen Einband ausgeliefert. Ein Lesebändchen, das dem Leser beim Markieren der aktuell von ihm erreichten Seite hilft, ist das I-Tüpfelchen auf einen sehr guten Gesamteindruck.

Fazit: "Effektives Eröffnungstraining" ist ein qualifiziertes Schulungs- und Trainingsbuch für den fortgeschrittenen Spieler. Es vermittelt Eröffnungsverständnis, nicht aber auswendig zu lernende Varianten. Im Ergebnis macht es den Leser selbstständiger und präpariert ihn für die Eröffnungsbehandlung "off road".


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise vom Schachverlag Ullrich / Joachim Beyer Verlag (www.schachversand-ullrich.de) zur Verfügung gestellt.


 

The Double Queen's Gambit

The Double Queen's Gambit

Alexey Bezgodov
The Double Queen's Gambit
288 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-611-4
24,95 Euro




The Double Queen's Gambit
"The Double Queen's Gambit", Neuerscheinung 2015 bei New In Chess (NIC), geschrieben von Alexey Bezgodov, trägt den Untertitel "A Surprise Weapon for Black", übersetzt also "Eine Überraschungswaffe für Schwarz". Und genau als solche ist das von Bezgodov behandelte Eröffnungssystem zu verstehen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich im Nahschach am Brett sitze, 1.d4 spiele und von meinem Gegenüber 1…d5 als Antwort erhalte, um dann mit 2.c4 bekannte Gewässer des Damengambits oder der Slawischen Verteidigung anzusteuern, würde mir vermutlich das Lächeln im Gesicht gefrieren, wenn mir nun plötzlich 2…c5 vorgesetzt würde. Zwei Züge sind ausgeführt und auf dem Brett befindet sich ein Bauernquadrat auf den mittleren Feldern der c- und der d-Linie. Wie ist darauf am besten zu antworten?

Diese Bauernkonstellation ist durchaus aus verschiedenen Eröffnungen bekannt, auch in einer frühen Phase der Partie, aber eben eher nicht nach nur zwei Zügen. Man kennt sie beispielsweise aus dem herkömmlichen Damengambit, der Slawischen Verteidigung und auch dem Panov-Angriff in Caro-Kann. Dort handelt es sich dann in der Regel um Stellungen, in denen der Nachziehende seine Chancen mit dieser Konstellation hat. Aber quasi als Ausgangsstellung der Eröffnung?

Der Name "Double Queen's Gambit", sinngemäß übersetzt also "Doppeltes Damengambit", stammt von Bezgodov, man wird ihn also in keinem "offiziellen" Verzeichnis finden.

Das Buch enthält insgesamt neun Abschnitte, die 20 Kapitel enthalten. Den Abschnitten 1 und 9 möchte ich einen Sonderstatus zuerkennen, da sie nicht der Erörterung des zentralen Eröffnungsthemas dienen. Abschnitt 1 soll das Repertoire mehr oder weniger abrunden, indem es sich den Möglichkeiten widmet, wenn Weiß der Eröffnung einen Weg an Bezgodovs Idee vorbei gibt. Wer gut mit Literatur zu Damenbauerspielen ausgestattet ist, kann diesen Teil außen vor lassen. Der Abschnitt 9 bildet Beispiele aus der Praxis ab, als vollständige Partie oder als Fragment, in denen dem Leser eine Aufgabe gestellt wird. Aus dem Kontext der Partie heraus und natürlich vor dem Hintergrund der "richtigen" Entscheidung im Sinne der Eröffnung soll der Leser über die Lösung der Aufgabe sein Verständnis überprüfen und schärfen. Die Lösungen erhält er gesammelt im Anschluss offeriert.

Es macht wenig Sinn, über eine zumindest auszugsweise Abbildung des Inhaltsverzeichnisses zu zeigen, was die einzelnen Kapitel abbilden. Die Überschriften und damit die Einträge im Inhaltsverzeichnis lassen zu wenig konkret den jeweils behandelten Stoff erkennen. Ich bilde deshalb für die Abschnitte 2 bis 8 nachstehend jeweils die Initialzugfolge ab. Zu jeder habe ich eine Auswertung meiner Partiendatenbank vorgenommen, um die Erfolgsaussichten für beide Seiten anhand der Statistik besser einschätzen zu können. Um dabei nicht ausreichend qualifiziertes oder auch allzu betagtes Material auszuschließen, habe ich die Suchfunktion wie folgt gesetzt.

1. Partien nur aus dem Zeitraum 2000 bis 2015.
2. Beide Spieler haben eine ELO von mindestens 2400.

Danach ergibt sich das folgende Bild:

Kapitel 6: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.Sf3 cxd4 4.Dxd4 Sc6 5.Dxd5 Dxd5 6.cxd5 Sb4
(Statistik: kein verwertbares Ergebnis)

Kapitel 7: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.Sf3 cxd4 4.cxd5 Da5+
(Statistik: kein verwertbares Ergebnis)

Kapitel 8: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.Sf3 Sf6 4.cxd5 cxd4 5.Sxd4 Sxd5
(Statistik: 54% Weiß, bei aber nur wenigen Partien)

Kapitel 9: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.Sf3 cxd4 4.cxd5 Sf6 5.Dxd4 Dxd5 6.Sc3 Dxd4 7.Sxd4 a6
(Statistik: 68% Weiß, bei mäßig vielen Partien)

Kapitel 10: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.Sf3 cxd4 4.cxd5 Sf6 5.Dxd4 Dxd5 6.Sc3 Dxd4 7.Sxd4 Ld7
(Statistik: 78% Weiß, bei aber zu wenigen Partien)

Kapitel 11: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.Sf3 cxd4 4.cxd5 Sf6 5.Dxd4 Dxd5 6.Sc3 Dxd4 7.Sxd4 e5
(Statistik: kein verwertbares Ergebnis)

Kapitel 12: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.Sc3 cxd4 4.Dxd4 Sc6 5.Dxd5 Le6
(Statistik: kein verwertbares Ergebnis)

Kapitel 13: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.Sc3 Sf6
(Statistik: kein verwertbares Ergebnis)

Kapitel 14: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.cxd5 Sf6 4.dxc5
(Statistik: kein verwertbares Ergebnis)

Kapitel 15: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.cxd5 Sf6 4.e4
(Statistik: kein verwertbares Ergebnis)

Kapitel 16: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.cxd5 Sf6 4.e4 Sxe4 5.dxc5 Da5+
(Statistik: kein verwertbares Ergebnis)

Kapitel 17: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.cxd5 Dxd5
(Statistik: 52% Weiß, bei mäßig vielen Partien)

Kapitel 18: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.cxd5 Dxd5 4.Sf3 cxd4 5.Sc3 Dd7; 5…Dd8
(Statistik: kein verwertbares Ergebnis)

Kapitel 19: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.cxd5 Dxd5 4.Sf3 cxd4 5.Sc3 Da5 6.Sxd4 Sf6 (Statistik: 50% Weiß, bei mäßig vielen Partien)

Kapitel 20: 1.d4 d5 2.c4 c5 3.Sf3 cxd4 4.cxd5 Dxd5 5.Sc3 Da5 6.Sxd4 Sf6 7.g3
(Statistik: 42% Weiß, bei aber zu wenigen Partien).

Bezgodov hat die Abschnitte und Kapitel identisch gestaltet, soweit diese sich eben mit dem frühen Bauernquadrat auf der c- und der d-Linie befassen. Einer kurzen Einführung folgt eine Erörterung anhand von kommentierten Partien. Am Ende des Kapitels nimmt Bezgodov in einer ausführlichen wertenden Zusammenfassung zu den maßgeblichen Aspekten Stellung und stellt die besonderen in den Fokus zu rückenden Feststellungen heraus.
Dem letzten Kapitel eines Abschnitts fügt er zudem eine solche wertende Zusammenfassung für den gesamten Abschnitt an.

Eine einheitliche Beschreibung der Kommentierungspraxis ist nicht möglich. Es gibt Partien, bei denen die Textkommentierung dominiert und diese nur zurückhaltend um Varianten und Analysen ergänzt wird. In anderen Fällen treibt Bezgodov die Analysen bis in eine besondere Tiefe.
Da er das System auch selbst in seinen Partien nutzt, hat er ein Expertenwissen gesammelt. Bei der Tiefe der Analysen könnte dies eine gewisse Rolle gespielt haben.

Ich vermag nicht einzuschätzen, für wen das in "The Double Queen's Gambit" vorgestellte System (besonders) geeignet ist. So mag ich es nicht etwa allein dem sehr starken Spieler zurechnen, der die entstehenden Stellungen schon aus seinem Positionsgefühl wird spielen können. Warum sollte nicht auch der noch nicht so versierte Spieler im Klub seinen Gegner überraschen und auf dem falschen Fuß erwischen können, wenn er sich selbst ein Plus an Knowhow verschafft hat?

Um die Inhalte des Buches richtig verinnerlichen zu können, muss der Leser allerdings schon einiges an Fähigkeiten mitbringen. Dem Anfänger ist das Werk nicht zu empfehlen.
Auch sollten Englischkenntnisse auf einem ordentlichen Schulniveau vorhanden sein, um die sprachlichen Anforderungen meistern zu können.

Fazit: "The Double Queen's Gambit" stellt ein besonderes System für Schwarz vor, mit dem er einem auf das Damengambit oder die Slawische Verteidigung zustrebenden Gegner überraschend antworten kann. Der Nachziehende erhält zugleich ein entsprechendes Repertoire an die Hand.
Das Werk ist für mich eine Empfehlung für den experimentierfreudigen Spieler.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Mastering Chess Middlegames

Mastering Chess Middlegames

Alexander Panchenko
Mastering Chess Middlegames
272 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-609-1
22,95 Euro




Mastering Chess Middlegames
"Mastering Chess Middlegames" von Alexander Panchenko ist die erstmalige Übersetzung eines im Russischen sehr erfolgreichen Schul- und Trainingsbuches in die englische Sprache. Der 2009 verstorbene Autor des bei New in Chess (NIC) erschienenen Werkes war Großmeister und ein sehr anerkannter Trainer. Seine im Zuge der Schulung erarbeiteten Lektionen haben Eingang im vorliegenden Buch gefunden. Darin verteilen sie sich auf insgesamt 12 Kapitel. Diese behandeln auf diese Weise eine Auswahl der wichtigsten Elemente der Spielführung in der zumeist (vor-)entscheidenden Phase der Schachpartie.
Der folgende Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis gibt Auskunft über die Themen in den genannten 12 Kapiteln:

1: The attack on the king
2: Defence
3: Counterplay
4: Prophylaxis
5: Realising an advantage
6: Equal positions
7: The battle of the major pieces
8: Two minor pieces against a rook
9: Opposite-coloured bishops with many pieces on the board
10: Same-coloured bishops
11: Bishop versus knight
12: Sample games and endings.

"Mastering Chess Middlegames" ist kein Buch für den Anfänger, sondern richtet sich nach meiner Einschätzung an den Spieler, der mindestens ein unteres Klubniveau erreicht hat. Dies spiegelt sich nach meiner Wahrnehmung auch in der Herangehensweise Panchenkos wider bzw. in den von ihm offenkundig vorausgesetzten Fähigkeiten des Lesers. Die Kapitel sind durchgängig ähnlich aufgebaut. Einer knappen Einführung zum jeweiligen Erörterungsgegenstand folgt eine Auswahl an Partiefragmenten, wobei Panchenko jeweils eine Mittelspielsituation als Ausgangsstellung nutzt. Zugrundegelegt wird sie über eine Diagrammstellung, zumeist schließt sich dann eine knappe Aussage des Autors zum wesentlichen Stellungsmerkmal an, bisweilen auch zur zentralen Idee eines Plans. Einer kommentierten Partie ähnlich ist das zu behandelnde Thema in den Verlauf des Fragments eingebettet. Der Leser nimmt es somit auf, indem er am "lebenden Objekt" den Spielverlauf und die Varianten verfolgt, bisweilen um kurze Erläuterungen ergänzt. "Mastering Chess Middlegames" lehrt also vor allem durch Vormachen, ergänzt aber um die wichtige Komponente "learning by doing". Ein Kapitel wird nämlich mit Übungsaufgaben abgeschlossen, zu denen der Leser die Lösungen auf den letzten Seiten des Buches findet. Diese Übungen unterteilen sich in "schlichte" Lösungsaufgaben und in Nachspielaufgaben. In dieser zweiten Variante gibt Panchenko mittels des herkömmlichen Diagramms eine Ausgangsstellung vor, von der aus der Leser eine Partie gegen einen Freund, Schachlehrer etc. spielen soll. In der Aufstellung nicht erwähnt wird die Möglichkeit, die Stellung gegen eine Engine auszuspielen. Ich sehe aber keine Hinderungsgründe, so zu verfahren. Man kann sich also auch mit seinem Computer messen, um die Nachspielaufgaben zu erfüllen.

Lehrsätze sind sporadisch eingestreut, den Schwerpunkt der Kenntnisvermittlung übernehmen die Aussagen zu Stellungen, Plänen etc. und dann natürlich auch die Analysen und Varianten.
Zu ausgewählten Aspekten gibt das Werk ausführlichere Textinformationen. Beispielsweise zählt eine Aufstellung von Tipps hierzu, wie ein Spieler, der regelmäßig Probleme mit seiner Bedenkzeit hat, zu einer Lösung seines Problems kommen kann.

Wie oben schon erwähnt, ist "Mastering Chess Middlegames" eine Übersetzung ins Englische. Die Anforderungen an die Fremdsprachkenntnisse des Lesers sind niedrig, zumal er es nicht mit allzu viel Text zu tun hat.

Fazit: "Mastering Chess Middlegames" ist ein Buch aus der Praxis für die Praxis. Der Leser sollte bereits eine Spielstärke erreicht haben, die ich dem Bereich des Klubspiels zurechnen möchte. Er erhält ausgewähltes Material an die Hand, mit dem er insgesamt 12 wichtige Mittelspielthemen im Praxiseinsatz verfolgen kann, seine entsprechenden Kenntnisse schärft und ggf. auch ausbaut und in praktischen Aufgaben prüfen und unter Beweis stellen kann. Indem ein Teil der Aufgaben das Ausspielen einer Grundstellung verlangt, wird eine besondere Nähe zu einer echten Turnierpartie hergestellt.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


 

Grandmaster Repertoire - 1.e4 vs The Sicilian II

Grandmaster Repertoire - 1.e4 vs The Sicilian II

Parimarjan Negi
Grandmaster Repertoire - 1.e4 vs The Sicilian II
397 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-907982-57-6
24,99 Euro




Grandmaster Repertoire - 1.e4 vs The Sicilian II
Im Rahmen der Serie "Grandmaster Repertoire" von Quality Chess entsteht eine Reihe, in der Weiß ein vollständiges Repertoire erhalten soll, das auf dem Anfangszug 1.e4 gründet und ihn gegen die verschiedenen schwarzen Erwiderungen ausstattet. Mit "1.e4 vs The Sicilian II" knüpft der Autor, der indische Großmeister Parimarjan Negi, an den ersten Teil an, also "(…) vs The Sicilian I", der Anfang 2015 erschienen ist. Der erste Band dieser Buchreihe ist Mitte 2014 auf den Markt gekommen und trägt den Titel "1.e4 vs The French, Caro-Kann & Philidor".

Das neue Werk behandelt in insgesamt 26 Kapiteln, die sich auf fünf Abschnitte im Buch verteilen, ein breites Spektrum von Systemen. Der folgende Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis, für die Rezension aufgearbeitet und sinngemäß ins Deutsche übersetzt, gibt einen detaillierten Überblick über den Stoff, der den Leser erwartet.

Drachen-Variante
Kapitel 1: Nebenvarianten
Kapitel 2: 10...Da5 and 10...Tb8
Kapitel 3: 11...Sxd4
Kapitel 4: 12.Kb1
Kapitel 5: 12...Sc4

Beschleunigte Drachen-Variante
Kapitel 6: Selten gespielte 7. Züge
Kapitel 7: Verschiedene 8. Züge
Kapitel 8: 8...Te8!?
Kapitel 9: Verschiedene 9. Züge
Kapitel 10: 9...Ld7 10.Dd2
Kapitel 11: 9...Ld7 10.h4!?

Richter-Rauzer-System
Kapitel 12: 6...Ld7 und andere
Kapitel 13: 6...e6 7.Dd2 Db6
Kapitel 14: 7...Le7
Kapitel 15: 7...a6 8.0-0-0 h6
Kapitel 16: 8...Le7
Kapitel 17: 8...Ld7
Kapitel 18: 9...b5
Kapitel 19: 13...b4

4...e5 Kapitel 20: Löwenthal-Variante und Kalashnikov-Variante Kapitel 21: Kalashnikov - 7...Le6 und 7...Le7

Sveshnikov-Variante Kapitel 22: Nebenvarianten Kapitel 23: 10...Lg7 Kapitel 24: 10...f5 Kapitel 25: 14...Ld7 Kapitel 26: 15...0-0

"1.e4 vs The Sicilian II" ist als klassisches Eröffnungsbuch aufgebaut, so wie es für die Bücher aus der "Grandmaster Repertoire"-Serie typisch ist. Eine Baumstruktur aus Haupt- und Nebenvarianten sorgt sowohl für die übersichtliche Strukturierung des Stoffes als auch eine Abstufung der Abspiele nach deren Bedeutung, so wie sie ihnen nach der Einschätzung des Autors beizumessen ist. Die Tiefe der Betrachtung führt teilweise bis über den 30. Zug hinaus, was für Eröffnungsbücher zur Sizilianischen Verteidigung mit Sicherheit angemessen ist.
Allerdings ist dies zugleich auch eines von mehreren Indizien für die Beantwortung der Frage, für wen dieses Buch die richtige Wahl ist. Der Hauptadressat ist in meinen Augen ganz klar der fortgeschrittene Spieler, wobei ich wie schon beim vorhergehenden Band erneut auch hier das Niveau des erfahrenen Klubspielers nicht unterschreiten möchte. Der minder erfahrene Spieler wird mit dem sehr qualifizierten und anspruchsvollen Material kaum etwas anfangen können und schnell überfordert sein. Negi erläutert und erklärt viel, ohne den Leser an grundsätzlichen Fragestellungen abzuholen. Vor dem Hintergrund des erstrangigen Käuferkreises macht dies Sinn. Erfahrungen aus der Praxis werden in einem besonderen Umfang genutzt, sowohl in der Form von Partiefragmenten zur Betrachtung von Varianten als auch in einer textlichen Form.
Der ambitionierte Fernschachspieler ist - aus der Warte des Stoffumfanges betrachtet - der Leser Nummer 1. Er kann das Buch seine Partie begleitend einsetzen und somit auf Großmeisterniveau eröffnen, ohne sich irgendetwas aus ihm einprägen zu müssen.

Der bewährte Aufbau der Bücher aus der "Grandmaster Repertoire"- Serie hat auch bei "1.e4 vs The Sicilian II" wieder Anwendung gefunden. Die theoretische Betrachtung innerhalb der 26 Kapitel erfolgt jeweils im Anschluss an eine Kapitelübersicht in der Form der Ausgangszugfolge, eines spezifischen Variantenverzeichnisses, eines Ausgangsdiagramms sowie mehrerer Diagramme zu ausgewählten Stellungen aus dem sich anschließenden theoretischen Teil. Zumeist wird dabei die Brettsituation nach einer Neuerung dargestellt. Einen echten praktischen Wert dürften diese Diagramme nach meiner Einschätzung kaum haben, sie fungieren aber als Appetitmacher.
Abgeschlossen werden die Kapitel von einer kurzen wertenden Zusammenfassung.

Das Werk ist aus der Warte von Weiß geschrieben. Konzeptionell also findet der Anziehende im Rahmen des ihm empfohlenen Repertoires alle wichtigen Erwiderungen seines Gegners. Wer "1.e4 vs The Sicilian II" für den Einsatz mit den schwarzen Steinen nutzen möchte, muss daran denken, dass er nicht alle wichtigen Weißzüge im Buch erwarten darf, da auch wichtige Alternativen für den Anziehenden vom Autor ausgegrenzt worden sein können und sicher auch ausgegrenzt worden sind.

Am Ende des Werkes findet der Leser das gewohnt detaillierte Variantenverzeichnis für das vollständige Buch, das sich sehr gut mit den Einzelverzeichnissen innerhalb der Kapitel verzahnt. So kann der Leser ausgezeichnet im Stoff navigieren.

Die Buchsprache ist Englisch, die Fremdsprachkenntnisse des Lesers sollten ein gutes Schulniveau erreichen, wenn er bequem mit "1.e4 vs The Sicilian II" arbeiten können möchte.

Fazit: "1.e4 vs The Sicilian II" ist der nächste Baustein, um Weiß ein umfassendes Repertoire auf Großmeisterniveau nach 1. e4 zur Verfügung zu stellen. Es ist als Element dieses Gesamtprojektes wie auch als in sich thematisch abgeschlossenes Buch gut nutzbar.
Besonders gut geeignet ist es auch für den Fernschachspieler.

Der Rezension lag "1.e4 vs The Sicilian II" in einer kartonierten Fassung vor. Es ist aber auch in gebundener Form und mit einem festen Einband versehen erhältlich, dann zu einem etwas höheren als dem hier angegebenen Preis.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.