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Rezensionen (Einstellungsjahr 2010)
   
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beating 1 e4 e5
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Dismantling The Sicilian
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The Modern Philidor Defence
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Soviet Chess Strategy by Alexey Suetin
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Grandmaster Repertoire: The Caro-Kann
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Who Dares Wins!
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The Fearsome Four Pawns Attack
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Alekhine alert!, a repertoire for Black against 1 e4
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The French Defence, A Complete Repertoire
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Holländisch - richtig gespielt
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Squeezing the Gambits: the Benko, Budapest, Albin and Blumenfeld
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Attacking Manual 2
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The Moscow & Anti-Moscow Variations, An Insider´s View
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Olympiad United - Dresden 2008
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starting out: the Réti
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The Scotch Game for White
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Dangerous Weapons: The King´s Indian
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play the Ponziani
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The Improving Chess Thinker
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The Complete Hedgehog, Volume 1
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The English Opening, Volume One
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The Rules of Winning Chess
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Genius in the Background
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The Ruy Lopez Revisited
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Königswege im Schach
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Schachkalender 2010
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the classical King´s Indian uncovered

 

beating 1 e4 e5

beating 1 e4 e5

John Emms
beating 1 e4 e5
223 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-85744-617-3
18,95 Euro.




beating 1 e4 e5
Ein Repertoirebuch zur Italienischen Partie und zum Läuferspiel verbirgt sich hinter dem Titel "beating 1e4 e5, a repertoire for White in the Open Games" von John Emms, erschienen bei Everyman Chess. Es widmet sich somit den Standardzugfolgen 1.e4 e5 Sf3 Sc6 3.Lc4 sowie 1.e4 e5 2.Lc4. Diese Kombination beider Eröffnungen in einem Buch macht Sinn. Indem Weiß über das Vorziehen des Läuferzugs im Läuferspiel die Italienische Partie zu erreichen versucht, geht er der Russischen Verteidigung aus dem Weg und bekommt eine bessere Aussicht, den angestrebten Eröffnungstypus tatsächlich auf das Brett zu bekommen.

Der sehr allgemein gehaltene Titel, der auf die Namen der konkret behandelten Eröffnungen verzichtet, dient leider eher der Verwirrung des gesuchten Kunden statt der Produktinformation. So müssen sich Autor und Verlag nicht wundern, wenn ein vorsichtiger Verdacht aufkommt, dass man der Zugkraft der beiden Eröffnungen nicht genügend vertraut hat, um sie im Titel konkret zu bezeichnen. Wer sich das Buch in der falschen Vorstellung kauft, ein breites Repertoire für die offenen Eröffnungen an sich zu erhalten, dürfte anschließend unzufrieden sein, was sicher auch nicht im Sinne der Leistungsanbieter sein dürfte.

"beating 1e4 e5" enthält 6 Kapitel mit den folgenden Überschriften/Inhalten:

1. Italian Game: Moder Variation (Part I)
2. Italian Game: Moder Variation (Part II)
3. Italian Game: Classical Main Line
4. Italian Game: Two Knights Defence
5. Italian Game: Other Lines
6. Bishop´s Opening.

Aus der Aufstellung wird deutlich, dass sich 5 Kapitel mit der Italienischen Partie befassen, während ein Kapitel die Empfehlungen zum Läuferspiel enthält.

Die theoretische Befassung erfolgt an ausgewählten Partien. Der ersten Partie des jeweiligen Kapitels ist eine kurze Einleitung vorangestellt, die auf die verschiedenen Optionen eingeht und als kleiner Wegweiser durch die sich anschließenden Partien fungiert. In den sogenannten "Key Notes" wird in einer Zusammenfassung noch einmal auf die wesentlichen Aspekte hingewiesen.
Insgesamt sind 46 Partien die Basis der Betrachtungen, von denen zwei im Fernschach gespielt worden sind. Das verwendete Material ist aktuell, nur fünf Partien wurden - überwiegend kurz - vor unserem Jahrtausend gespielt.
Die Darstellungen machen einen "runden Eindruck", die Tiefe der Betrachtung ist einem Repertoirebuch angemessen.
Innerhalb eines Jahres können zwei kostenlose Updates von der Verlagsseite im Internet bezogen werden.

Am Ende des Werkes findet der Leser ein Variantenverzeichnis und ein Partienverzeichnis.

Englischkenntnisse müssen vorhanden sein, die Anforderungen hieran sind für Leser mit Schulenglisch zu bewältigen.

Fazit: Wer sich ein Repertoire zur Italienischen Partie und zum Läuferspiel aufbauen möchte, erhält mit "beating 1e4 e5, a repertoire for White in the Open Games" ein geeignetes Hilfsmittel an die Hand.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Dismantling The Sicilian

Dismantling The Sicilian

Jesus de la Villa
Dismantling The Sicilian
336 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-294-9
23,95 Euro.




Dismantling The Sicilian
Seit Ende 2009 ist das Werk "Dismantling the Sicilian" von "New in Chess" auf dem Markt. Geschrieben worden ist es vom spanischen Großmeister Jesus de la Villa.
Wörtlich übersetzt heißt das auf der Stammform "to dismantle" basierende "dismantling" so viel wie "zerlegen, demontieren, auseinandernehmen", was wohl arg reißerisch und sicher auch illusionär wäre. Treffender und nach einem tiefen Befassen mit dem Werk gerechtfertigt scheint mir eine Übersetzung wie "Dem Sizilianer den Zahn ziehen" oder "Mit Weiß auf Vorteil gegen Sizilianisch spielen" zu sein.

Die vorliegende Rezension habe ich wie folgt vorbereitet:
1. Betrachtung des Werkes in seiner Gesamtheit (regelmäßiges Rezensionsverfahren)
2. Einsatz in einer aktuellen Fernschachpartie
3. Prüfung jüngst gespielter eigener Partien retrospektiv anhand der Empfehlungen dieses Buches.

Jesus de la Villa behandelt alle Linien der offenen Sizilianischen Verteidigung (1.e4 c5 2.Sf3). Zu seinen obersten Prinzipien bei der Zusammenstellung des Repertoires zählt es, eine aussichtsreiche weiße Stellung zu erreichen, möglichst ohne hierfür eigene Schwächungen in Kauf zu nehmen.
"Dismantling the Sicilian" ist ein anspruchsvolles Werk. Zu seinen bemerkenswerten Stärken zählt auch die sehr gelungene Strukturierung. Der Autor stellt den Stoff anhand von Partien vor. Er schafft es aber, dem Leser jederzeit die Orientierung zu geben, wo genau er die Fortsetzung findet, die in der gerade aufgeschlagenen Partie nicht gewählt worden ist. So stellt sich zu keinem Zeitpunkt ein Gefühl ein, nach dem man sich als Leser in Beispielen verzettelt und die gesuchte Fortsetzung in anderen Partien ähnlich einer Nadel im Heuhaufen suchen zu müssen. Persönlich behagen mir eigentlich Theoriewerke mehr, in denen eine klassische und fein gegliederte theoretische Behandlung vorangestellt wird und dann Partien folgen. In diesem Werk aber habe ich eine ebenso gute Gliederung durch die Partien vorgefunden. Ein ausgezeichnetes Variantenverzeichnis am Schluss des Buches tut ein Übriges.
"Dismantling the Sicilian" ist in vier große Abschnitte unterteilt, die dann in den einzelnen Kapiteln die spezifisch behandelten Systeme enthalten. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Einführung, in denen der Autor etwas zur Geschichte der Variante erzählt, Protagonisten erwähnt und, vor allem, auf die strategischen und taktischen Besonderheiten hinweist. Zusätzlich erwähnenswert ist sein Hinweis auf die praktische Relevanz der vorgestellten Variante, die er mit Sternchen beschreibt (5 Sterne bestätigen eine besonders hohe Bedeutung). Die Einschätzung nimmt er dem Sinn des Werkes entsprechend aus der Sicht des Anziehenden vor.
Die theoretische Darstellung ist aus meiner Sicht anspruchsvoll, sie ist auf jeden Fall sehr qualifiziert. Man erkennt, dass sich der Autor sehr umfassend mit der Materie befasst hat, bevor diese eine Chance auf die Aufnahme ins Werk hatte. In einer anderen Rezension las ich die Befürchtung des Verfassers, das Werk könnte Leser mit einer mäßigen Spielstärke bei der Zusammenstellung des eigenen Repertoires überfordern. Diese Befürchtung teile ich nicht. "Dismantling the Sicilian" zeichnet sich auch dadurch aus, dass der Autor viel Wert auf ein Erklären legt. Schon beim schlichten "Lesen von vorne nach hinten" wird dem Leser eine Einschätzung ermöglicht, was für ihn besonders eine Befassung wert ist, was ihm liegen könnte oder nicht. Auch der oben schon erwähnte Hinweis zur praktischen Relevanz hilft ihm.
Für den Fernschachspieler stellt sich diese Problematik ohnehin nicht oder allenfalls nachrangig. Er kann die Wahl seiner bevorzugten Variante, seiner Fortsetzung darin ohnehin mit der Zeit und Muße des Fernschachspiels vornehmen und das Hilfsmittel Buch dabei fortwährend zur Hand nehmen.
Am Schluss jedes Kapitels gibt der Autor eine Zusammenfassung innerhalb einer grau hinterlegten Textbox. Hier werden auch noch einmal die wichtigsten Zugfolgen zusammengestellt und mit einer Einschätzung versehen (beispielsweise "riskant", "spekulativ", "solide" oder auch "gefährlich für beide Spieler").

Den Einsatz in einer aktuellen Fernschachpartie habe ich in einem Aufeinandertreffen getestet, in dem mir mein Gegner die Najdorf-Variante vorsetzte. Ich bin den Buchempfehlungen gefolgt, kritisch begleitend habe ich meine Datenbanken ausgewertet und an mehreren Stellen auch Engines befragt. Ich habe dabei einen ausgesprochen positiven Eindruck gewonnen. Am Ende der Behandlung im Buch angekommen habe ich eine Stellung auf dem Brett, die mir zusagt. Der Computer "ist zufrieden damit", was sich aus der Statistik der Datenbankauswertung wie auch einer Stellungsbewertung durch die Engine ergibt. Ich habe druckvolles Spiel und musste hierfür keine besondere Schwächung in Kauf nehmen, was dem oben genannten Ziel des Autors entspricht. In dieser Partie ist der Najdorf-Verteidigung zumindest ein kleiner Zahn gezogen werden. Wenn sie verloren gehen sollte, lag es ganz sicher nicht an meiner Behandlung der Eröffnung.

Meinem Ansatz, jüngst gespielte eigene Partien retrospektiv anhand der Empfehlungen dieses Buches zu prüfen, bin ich zur Pelikan-Variante (auch Sveshnikov-Variante genannt) gefolgt, der das 8. Buchkapitel gewidmet ist. Diese Variante hatte ich in den vergangenen Wochen gleich mehrfach mit Weiß auf dem Brett und habe sie aufgrund neuer Erfahrungen auch selbst eingesetzt.
Im frühestens 19. Zug hätte mir de la Villa einen anderen Zug empfohlen. Aus meinen Partieerfahrungen heraus würde ich durchaus an meiner eigenen Fortsetzung festhalten, die im Buch aber nicht erwähnt wird. Für die von mir gewählte Fortsetzung sind mir nur 7 Referenzpartien bekannt, die allesamt im Fernschach gespielt worden sind. Das Werk enthält leider kein Quellenverzeichnis, so dass nicht abgeschätzt werden kann, inwieweit der Autor auf spezielle Fernschachquellen zurückgegriffen hat. Es finden sich Verweise auf das Fernschach im Werk, die sich aber aus den allgemeinen Quellen ergeben haben können.
Die Fortsetzung, die de la Ville anstelle meines genannten 19. Zuges gibt, ist häufiger gespielt worden und verspricht Weiß ein ähnlich gutes Spiel.

In der Gesamtbewertung ist "Dismantling the Sicilian" eine klare Kaufempfehlung. Dies gilt besonders auch für den Fernschachspieler, für den die englische Sprache keine Hürde ist.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

The Modern Philidor Defence

The Modern Philidor Defence

Vladimir Barsky
The Modern Philidor Defence
224 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-954-8782-77-7
24,95 Euro.




The Modern Philidor Defence
Wir leben in einer Zeit der Renaissance alter Eröffnungen, auch solcher, die über lange Jahre als nicht angeraten galten. Zu diesen Eröffnungen der "2. Wahl" war sicher auch die Philidor-Verteidigung zu zählen, die nach 1.e4 e5 2.Sf3 d6 auf dem Brett erscheint. 2…d6 galt als unambitioniert und somit als Zugeständnis an Weiß, mit einem Vorteil aus der Eröffnung zu kommen.
Mit seinem Repertoirebuch "The Modern Philidor Defence" macht sich IM Vladimir Barsky an die Aufgabe, der Renaissance auch dieser Eröffnung Schub zu geben.

Warum der Name "Modern Philidor Defence"? Die klassische Zugfolge mit 1…e5 und 2…d6 wird vermieden, der Bauernaufzug e5 wird verzögert. Die moderne Linie entsteht über 1.e4 d6 2.d4 Sf6. Auf dem Weg zur Philidor-Stellung kann das Spiel in andere Eröffnungen übergehen, vor allem in Pirc-Ufimzew.

"The Modern Philidor Defence" ist ein Repertoirebuch aus der Sicht von Schwarz, aber auch Weiß kann natürlich von ihm profitieren. Dies gilt besonders für das dritte Kapitel, das sich einer von Weiß forcierbaren Grundaufstellung mit einem Damentausch im 5. Zug widmet, der Schwarz die Rochademöglichkeit nimmt. Diese Variante zählt sicherlich zu den kritischen Linien der Modernen Philidor-Verteidigung.

Das Werk enthält sieben Kapitel, denen eine ausgezeichnete Einführung vorangeht. Barsky nutzt die Einführung imposant für grundlegende Erwägungen, die den Leser schnell zum Wesentlichen führen. Hat man die Einführung hinter sich, macht man im Gefühl zu wissen weiter, worum es insgesamt geht, und ist entsprechend gut vorbereitet auf mehr.

Die einzelnen Kapitel sind so aufgebaut, wie man es von Repertoirebüchern aus dem Hause Chess Stars kennt. Einen ersten Abriss gibt "Quick Repertoire", die tiefe Behandlung folgt unter "Step by Step". Den Abschluss bilden kommentierte Partien.

Für mich ist "The Modern Philidor Defence" ein Paradebeispiel dafür, wie ein Autor versucht, den Leser eine Eröffnung wirklich zu lehren, d.h. ihn die Eröffnung verstehen zu lassen. Was verlangt die Stellung, welchem Zweck dient der Zug xy, welches sind die Ziele des Gegners? Barsky erklärt, beschreibt, wägt ab - er spielt alle Stärken einer solchen Herangehensweise aus.
Variantenketten bilden die Ausnahme. Die wichtigsten Nebenwege werden natürlich behandelt, aber nicht in einer Weise, dass Zug um Zug mit Abweichung, nächster Abweichung und übernächster Abweichung etc. gearbeitet wird. Es gibt kaum Schachtelungen bis in tiefere Ebenen hinein.
Aus der Sicht des Fernschachspielers: Aus "The Modern Philidor Defence" kann nur nachrangig in die eigene Partie "abgeschrieben" werden, es sei denn, beide Spiele halten sich in etwa an die Hauptlinien. Es kann aber die Richtung verstanden und dann nach geeigneten Zügen in den Datenbanken gesucht werden. Die Symbiose aus eigenem Verstand, Buch und Datenbank und mit Fortschreiten der Partie auch der Engine wird von diesem Buch in die Richtung "Verstand" gestärkt.

Der Profit des Spielers durch "The Modern Philidor Defence" wird für das Nahschach deutlicher als für das Fernschach. "Die Eröffnung durch Verstehen lernen" hilft am Brett, sie einfach und ohne Hilfsmittel zu spielen.
Ob man dem im Buch gegebenen Rat folgen sollte, sich zunächst auf die zusammenfassenden Darstellungen in den Kapiteln und die kommentierten Partien zu konzentrieren und nach deren Behandlung die ersten (Freundschafts-) Partien zu spielen, sei dahingestellt.

Ein Variantenverzeichnis gibt es nicht, das Inhaltsverzeichnis gleicht dies - allerdings nur rudimentär - aus. Auch wäre ein Verzeichnis der insgesamt 50 enthaltenen kommentierten Partien eine Bereicherung gewesen.

Unter den Schwarzspielern taucht mit Bologan mehrfach ein ausgewiesener Angriffsspieler in den Partien auf. Vielleicht auch ein kleiner Hinweis auf das in der Modernen Philidorverteidigung verborgene Potenzial?

Die Anforderungen an die englischen Sprachkenntnisse des Lesers sind gering, was besonders für das auf die üblichen Begriffe beschränkte Vokabular gilt.

"The Modern Philidor Defence" ist ein gutes Buch!


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Soviet Chess Strategy by Alexey Suetin

Soviet Chess Strategy by Alexey Suetin

John Shaw, Jacob Aagaard (Herausgeber)
Soviet Chess Strategy by Alexey Suetin
240 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-906552-20-6 (Hardcover: 978-1-906552-21-3)
21,99 Euro.




Soviet Chess Strategy by Alexey Suetin
Mit "Soviet Chess Strategy by Alexey Suetin" setzt Quality Chess einen weiteren Eckstein zum Erhalt alter Meisterwerke. Das Buch ist eine Sammlung von Beiträgen Suetins zur Schachtheorie. Es leistet diesen großen Beitrag zum Erhalt der "Schachweisheit" dieses großen Meisters der sowjetischen Schachschule, ist zugleich aber auch ein hoch qualifiziertes Lehrbuch. "Aus der Geschichte lernen" ist ein wohl bekannter Wahlspruch für (fast) alle Lebenslagen. Wo wäre er angebrachter als im Schachspiel? Das heutige Spielverständnis ist auch das Resultat der Anschauungen, des Verständnisses, des Wissens, der Ideen und der Auseinandersetzungen in der Vergangenheit. Es ist weiterhin das Resultat der Erfahrungen aus der Praxis und jüngst auch der Rechengenauigkeit der Computer.
"Soviet Chess Strategy by Alexey Suetin" ist sowohl Vergangenheit wie auch Gegenwart. Wie viel Vergangenheit lebt im heutigen Schachverständnis fort? Es ist immens viel, der größte Anteil von allem. Das, was Suetin in seinem Schaffen formuliert hat, gilt auch heute noch, ist auch heute noch feinste Schachtheorie und beste Grundlage für das eigene gute Spiel. Dies wird schon aus den Überschriften der Buchkapitel deutlich. Frei übersetzt lauten sie:
1. Grundsätzliche Fragen aus Strategie und Taktik
2. Das Schachspiel als einheitlicher Prozess des Kampfes
3. Grundlagen des Positionsspiels
4. Das Zentrum - typische Bauernstrukturen
5. Die Dynamik im Schachkampf
6. Modernes Positionsspiel
7. Der Angriff - Einheit aus Strategie und taktischen Methoden
8. Methoden der Verteidigung - Wechsel von der Verteidigung zum Angriff.

Ein Appendix nimmt Anleihen aus dem Buch "Das Mittelspiel im Schach" auf und nimmt nahtlos den Faden aus den vorangegangenen Kapiteln auf. Den Abschluss bildet eine Nachbetrachtung von Ilya Odessky zur Frage, wie Suetins Ideen auch in unserer Gegenwart erfolgreich wirken.
Man sieht, dass die Themen heute so aktuell sind wie früher.
Der Einfluss des Computers auf die Schacherkenntnis hat sich nach der Zeit ergeben, in der Suetin seine großen Beiträge zur Schachtheorie geleistet hat. Auch ist die Praxis vorangeschritten und hat Neues beigetragen. Dem tragen die Bearbeiter Rechnung, indem manchen Ortes Anmerkungen zur aktuellen Einschätzung/Bewertung gegeben werden. Diese Aktualisierungen sind keine Korrekturen, es sind Erweiterungen. Sie qualifizieren ein in meinen Augen bereits hervorragendes Werk um eine weitere Nuance. Ihre Zahl ist gering, was sowohl den geringen Bedarf auf wichtige Ergänzungen zeigt als auch den "historischen" Wert des Buches in keiner Weise stört.

Mir persönlich ist es immer wieder eine große Freude, Werke großer Meister wiederbelebt zu finden. "Soviet Chess Strategy by Alexey Suetin" ist aktuelles Lehrbuch, ein Blick in die Geschichte und ein Brückenschlag zwischen Gegenwart und Vergangenheit zugleich, was Suetins großen Beitrag zur Schachentwicklung unterstreicht.
Welchen Profit kann der Spieler ziehen, der sich allein auf das Potenzial eines Buches zur Steigerung der eigenen schachlichen Fähigkeiten konzentriert? Das konzentrierte Durcharbeiten dieses Werkes macht aus einem guten Spieler einen besseren und aus einem planlosen Spieler einen Schachdenker!

"Soviet Chess Strategy by Alexey Suetin" ist eine klare Kaufempfehlung. Über Schulenglisch sollte der Leser verfügen, damit er wirlich ein solcher sein kann.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Grandmaster Repertoire: The Caro-Kann

Grandmaster Repertoire: The Caro-Kann

Lars Schandorff
Grandmaster Repertoire: The Caro-Kann
251 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-906552-56-5 (Hardcover: 978-1-906552-60-2)
24,99 Euro.




Grandmaster Repertoire: The Caro-Kann
Caro-Kann galt über Jahrzehnte hinweg als eine nicht allzu ambitionierte Alternative des Nachziehenden gegen 1.e4. Im Vorwort zu seinem Buch "The Caro-Kann" aus der Reihe "Grandmaster Repertoire" von Quality Chess führt GM Lars Schandorff dies auch darauf zurück, dass die Eröffnung die falschen Leuten anzog. Diese waren auf Ausgleich als Ziel all ihres Strebens in der Partie aus und nahmen den Stellungen jedes Leben. Mit Leuten wie Topalov, Anand und Ivanchuk, die sich dieser Waffe bedienen, hat sich diese Situation völlig geändert. Sie sind nicht auf einen schnellen Händedruck nach Remiseinigung aus, sie wollen mit Caro-Kann gewinnen.

Dem Gedanken der Buchreihe "Grandmaster Repertoire" folgend hat Schandorff ein Repertoire zusammengestellt, dass in den Hauptlinien Schwarz Erfolg verspricht. Geschrieben worden ist das Werk aus der Sicht von Schwarz, aber es ist natürlich auch für Weiß gedacht, der dem Spiel des Nachziehenden die besten eigenen Möglichkeiten entgegen halten soll.

Bei diesem Werk scheint es mir angeraten, den Inhalt an den behandelten Zugfolgen darzustellen, da die Namen behandelter Abspiele im Deutschen nicht immer dem Englischen entsprechen.
Es gibt 22 Kapitel, die wie folgt eingeleitet werden:

Kapitel 1: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Lf5
Kapitel 2: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Lf5 5.Sg3 Lg6
Kapitel 3: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Lf5 5.Sg3 Lg6 6.Lc4 e6 7.S1e2 Sf6
Kapitel 4: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Lf5 5.Sg3 Lg6 6.h4 h6
Kapitel 5: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Lf5 5.Sg3 Lg6 6.h4 h6 7.Sf3 Sd7 8.h5 Lh7 9.Ld3 Lxd3 10.Dxd3 e6 11.Ld2 Sgf6 12.0-0-0 Le7
Kapitel 6: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Lf5 5.Sg3 Lg6 6.h4 h6 7.Sf3 Sd7 8.h5 Lh7 9.Ld3 Lxd3 10.Dxd3 e6 11.Lf4 Da5+
Kapitel 7: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Lf5 5.Sg3 Lg6 6.h4 h6 7.Sf3 Sd7 8.h5 Lh7 9.Ld3 Lxd3 10.Dxd3 e6 11.Lf4 Da5+ 12.Ld2 Lb4
Kapitel 8: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Lf5 5.Sg3 Lg6 6.h4 h6 7.Sf3 Sd7 8.h5 Lh7 9.Ld3 Lxd3 10.Dxd3 e6 11.Lf4 Da5+ 12.Ld2 Lb4 13.c3 Le7 14.c4 Dc7
Kapitel 9: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 (mit 4.g4, 4.f4, 4.Ld3 und 4.Se2)
Kapitel 10: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 (mit 4.c4 und 4.h4)
Kapitel 11: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 (mit 4.c3, 4.Le3, 4.Sd2 und 4.Sf3)
Kapitel 12: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.Sf3 e6 5.Le2 c5
Kapitel 13: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.Sc3 e6 5.g4 Lg6 6.Sge2 c5
Kapitel 14: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.c4 Sf6 5.Sc3 Sc6
Kapitel 15: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.c4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Sf3 Lg4 7.cxd5 Sxd5 8.Db3 Lxf3 9.gxf3 e6 10.Dxb7 Sxd4 11.Lb5+ Sxb5 12.Dc6+ Ke7 13.Dxb5 Dd7 14.Sxd5+ Dxd5
Kapitel 16: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.c4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Lg5 dxc4
Kapitel 17: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.cxd5 Sf6
Kapitel 18: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.Ld3 Sc6 5.c3 Dc7
Kapitel 19: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.f3 dxe4 4.fxe4 e5 5.Sf3 Lg4 6.Lc4 Sd7 7.0-0 Sgf6 8.c3 Ld6
Kapitel 20: 1.e4 c6 2.Sc3 d5 3.Sf3 Lg4 4.h3 Lxf3 5.Dxf3 e6
Kapitel 21: 1.e4 c6 2.d3 d5 3.Sd2 e5 4.Sgf3 Ld6
Kapitel 22: 1.e4 c6 (mit frühen Abweichungen).

Mit dem 19. Kapitel trägt Schlandorff der Beobachtung Rechnung, dass 3.f3 in manchen Kreisen ein wenig zur Modevariante avanciert, auch wenn er diese Fortsetzung dem Weißen wohl kaum empfehlen würde. Er betrachtet aber alles vornehmlich aus der Sicht von Schwarz und deshalb darf diese Variante nicht fehlen, denn Schwarz kann sie schlicht vom Anziehenden vorgesetzt bekommen.

Schlandorff führt die Abspiele jeweils zunächst ein und veranschaulicht einige Fortsetzungen anhand von kommentierten Partien, von denen insgesamt fünf aus dem Fernschach stammen. Die theoretische Darstellung ist in meinen Augen hoch qualifiziert. Sie geht ausreichend in die Tiefe und vor allem bemüht sich der Autor sehr darum, dem Leser verständlich zu machen, warum dies passiert und jenes besser nicht passieren sollte. Er zeigt die Ziele und Pläne auf, widmet sich also intensiv auch den strategischen Aspekten, auf deren Basis er die taktische Seite behandelt.

Mit großem Interesse habe ich dieses Buch gleich nach dem Erhalt in die Hand genommen. Ich wollte gern wissen, ob ich einen Zug finde, den mir in einer aktuellen Partie mein die schwarzen Steine führender Gegner präsentiert hat und der letztendlich zu einem leichten Vorteil für ihn führte. Nach 1. e4 c6 2. d4 d5 3. e5 Lf5 4. Sf3 e6 5. Le2 c5 6. Le3 aber wird 6…Sd7 nicht behandelt. Schlandorff schlägt stattdessen 6…cxd4 (oder 6…Db6) vor. Folglich muss ich davon ausgehen, dass er den Partiezug als schwächer ansieht und ich froh sein kann, dass mein Gegner die Alternativen nicht gekannt oder verworfen hat. Aber ich habe in der Partie eben weiß! Ein Repertoirebuch ist keine Komplettdarstellung einer Eröffnung. Es ist eine subjektive Auswahl des Autors, die er zum Gegenstand der Betrachtung macht.
Die Auswahl in "Grandmaster Repertoire: The Caro-Kann" ist für mich, soweit ich dies prüfen konnte, sehr sinnig getroffen. Mir ist nichts aufgefallen, was Weiß dem Nachziehenden präsentieren kann und was diesen auf keinen Fall überraschen darf, weil es sich eben um eine aussichtsreiche Alternative handelt.

Insgesamt kann ich dieses Werk klar zum Kauf empfehlen. Es fügt sich nahtlos in die Reihe der Vorgänger aus "Grandmaster Repertoire" ein.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Who Dares Wins!

Who Dares Wins!

Lorin D´Costa
Who Dares Wins!
190 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-85744-629-6
17,90 Euro.




Who Dares Wins!
"Who dares wins!", ins Deutsche übersetzt "wer wagt gewinnt!", ist eine thematische Partiensammlung, zusammengestellt von IM Lorin D´Costa und erschienen bei Everyman Chess. Sie enthält 64 interessant kommentierte Partien (für jedes Feld des Schachbretts eine!), die einer vom Autor speziell gezogenen Ordnung unterliegen.
Der Leitgedanke D´Costas ist es, an der folgenden Grundfrage in der Schachpartie orientiert: "Wie führe ich den erfolgreichen Angriff bei unterschiedlichen Rochaden?" Partien zu ordnen und in einer Weise darzustellen, dass der Fokus auf Prinzipien, Grundregeln der Angriffsführung, zu beachtende Stellungsmerkmale etc. gelegt wird. Auf diese Weise erreicht er eine Präsentation von Partien in 10 Kapiteln und stellt dabei die Angriffsmöglichkeiten sowie den erfolgreichen Praxiseinsatz vor. So findet der Leser Beispiele zu Opfern, um die gegnerische Stellung frei zu legen, zu Angriffen bei offenem Zentrum, zum Rochieren in eine Gefahrenstellung, zur Bewachung des Königs und etliche mehr. Im Rahmen der Kommentierung betrachtet der Autor Dinge wie die Ausgangssituation und daraus zu ziehende Schüsse, Stellungsmerkmale, die anzeigen, dass die Stellung reif ist für eine bestimmte Aktion etc.

Das Werk ist kein Lehrbuch, dieser Anspruch wäre überzogen. Der Leser, der die Partien durcharbeitet, dürfte dennoch klare Lehren daraus ziehen können und das Gefühl für das Angriffsspiel schulen. 52 der Buchpartien stammen aus diesem Jahrtausend, repräsentieren damit das moderne Schach nach dem heutigen Verständnis. Die nur wenigen älteren Partien hätte ich zumeist nicht vermisst, wenn der Autor auf deren Aufnahme zugunsten weiterer aktueller Partien verzichtet hätte, denn sie sind schon oft genug anderen Ortes abgedruckt worden. Der Schwerpunkt liegt aber ganz eindeutig auf modernen Partien, was sehr zu begrüßen ist.

Für mich ist "who dares wins!" ein Kaufkandidat für die Spieler, die ihre Freude am Nachspielen qualifiziert und unterhaltsam kommentierter Partien haben. Sie werden auf ihre Kosten kommen und dabei "durch Beobachtung lernen".


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

The Fearsome Four Pawns Attack

The Fearsome Four Pawns Attack

Jerzy Konikowski und Marek Soszynski
The Fearsome Four Pawns Attack
283 Seiten, kartoniert
ISBN: 1-888690-27-5
22,95 Euro.




The Fearsome Four Pawns Attack
Zu den schärfsten Waffen des Anziehenden gegen den königsindischen schwarzen Aufbau zählt der Vierbauernangriff, der Aufzug der vier Zentralbauern, üblicherweise in der Reihenfolge d4, c4, e4 und f4. Die Bauernphalanx trägt die Energie in sich, im schwarzen Lager alles niederzuwalzen, wenn Schwarz sich bei seinen Maßnahmen vergreift. Dem gegenüber gibt es mehrere Ansätze für den Nachziehenden, den Vorstoß zu stoppen, um die Schwächen dieses Aufzugs für das eigene Gegenspiel bis hin zu klassischen Konterangriffen zu nutzen.
Der Vierbauernangriff führt zu mega-komplexen Stellungsbildern, die man als Schwarzer mit Königsindisch im Repertoire kennen muss und als Weißer kennen sollte. Dies gilt ganz besonders für den Einsatz im Fernschachspiel, da beide Parteien davon ausgehen müssen, dass der Gegner nach dem Stand der Theorie handelt. Durch den erlaubten Hilfsmitteleinsatz gibt es unter diesem Aspekt nicht die aus dem Nahschach jedem bekannte Situation, dass am Ende des eigenen Wissens noch viel Theorie vorhanden ist (nur eben nicht im eigenen Kopf!). Auch der Gegner befindet sich in der komfortablen Situation, dass er das eigene Theoriedefizit im Kopf durch beispielsweise ein qualifiziertes Theoriewerk mehr als ausgleichen kann. Im Fernschach gefragt ist ein Theoriewerk, das nebeneinander breit und tief angelegt ist, um einerseits Wissensquelle und Nachschlagewerk zu sein und andererseits dabei zu helfen, die Fülle an Material der Datenbanken strukturieren zu helfen. Zum Vierbauernangriff gibt es mehr als 4600 veröffentlichte Partien, die aber weniger Wert entfalten, wenn sie wie "Kraut und Rüben durcheinander" Hinweise für die eigene angesagte Fortsetzung geben sollen.

Mir ist ein Buch neu in die Hände geraten, dessen Veröffentlichung bereits 2005 stattfand, das aber für das Fernschachspiel auch heute so wertvoll ist wie am ersten Tag.
"The Fearsome Four Paws Attack" von Jerzy Konikowski und Marek Soszinski, eben in 2005 erschienen bei Russell Enterprices und in Englisch verfasst, ist eine Komplettdarstellung des Vierbauernangriffs über die klassische Zugfolge 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.f4.
Einer Einführung in die Thematik schließen sich 18. Kapitel an, in denen die Theorie mit dem Anspruch einer Behandlung bis ins Detail dargestellt wird. Diese 18 Kapitel widmen sich jeweils den Abweichungen von einer Hauptlinie, die in der Einführung verfolgt wird. Entferntere Abspiele sind somit Gegenstand der Kapitel mit einer schon fortgeschrittenen Nummerierung. Das Werk kann aufgrund dieser Ordnung "von vorn nach hinten" genutzt werden. Eine Orientierung im Variantenwerk wird dadurch bereits über das Inhaltsverzeichnis möglich. Sie wird über das am Ende des Buches zu findende Variantenverzeichnis qualifiziert.
In den einzelnen Kapiteln folgen die Autoren einem immer gleichen Aufbau. Zunächst werden die zum Abspiel führenden Züge aufgenommen. Dem schließt sich die Betrachtung der sich daraus ergebenden Fortsetzungen an, bevor ein Resümee zur Bewertung und zu den wesentlichsten Erkenntnissen gezogen wird. Anhand von aussagekräftigen kommentierten Partien wird dann der Praxiseinsatz des gerade behandelten Themas demonstriert. Insgesamt werden 63 vollständige Partien angeboten, sieben hiervon sind im Fernschach gespielt worden.

"The Fearsome Four Paws Attack" von Jerzy Konikowski und Marek Soszinski ist ein sehr zu empfehlendes Werk, das auch fünf Jahre nach seinem ersten Erscheinen nicht zuletzt dem Fernschachspieler als ausgezeichnetes Hilfsmittel dienen kann.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise vom Autorenteam zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Alekhine alert!, a repertoire for Black against 1 e4

Alekhine alert!, a repertoire for Black against 1 e4

Timothy Taylor
Alekhine alert!, a repertoire for Black against 1 e4
285 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-85744-623-4
17,95 Euro.




Alekhine alert!, a repertoire for Black against 1 e4
"Alekhine alert!, a repertoire for Black against 1 e4", geschrieben von IM Timothy Taylor und erschienen bei Everyman Chess, ist ein Repertoirebuch für die Aljechin-Verteidigung, geschrieben aus der Sicht von Schwarz. In der Einführung erklärt der Autor, dass es sich um das erste Repertoirebuch überhaupt zu dieser Eröffnung handelt, was ich allerdings nicht nachprüfen kann.

Taylor stellt das Material anhand von 74 Partien vor, die teilweise historisch und bekannt sind und teilweise aus der Gegenwart stammen. Er unterteilt es in insgesamt 10 Kapitel, die sich jeweils mit einem konkreten Abspiel befassen. Jedes Kapitel widmet er einem Spieler, dessen Namen sich in besonderer Weise mit ihm verbindet. Darunter befinden sich Spieler wie Carlsen, Larsen und Korchnoi, um nur drei zu nennen. Etwas dick aufgetragen ist die Zuweisung des Heldenstatus an diese Spieler ("Our hero: …), aber das ist nur eine kleine Randbemerkung.

Zu den von Taylor genutzten Quellen zählen neben so ziemlich allen Büchern, die man erwarten kann, auch qualifizierte aktuelle Datenbanken. Auch die MegaCorr4 von Chess Mail zählt hierzu. Die Verwendung der Datenbanken zeigt sich auch darin, dass Taylor statistische Erfolgsaussichten und andere Aussagen auf diese begründet. Diese Inhalte helfen dem Leser bei der Beurteilung des jeweiligen Abspiels.

Taylor macht keinen Hehl daraus, was er mag und was nicht. In einem Repertoirebuch begrüße ich derartige Aussagen, denn sie zeigen, was der Autor selbst spielen und wovon er die Finger lassen würde. Sie sind nur möglich, wenn das behandelte Material auch tatsächlich selbst bewertet worden und nicht einfach nur aus Quellen geschöpft worden ist, Empfehlungen sich nicht zu sehr an jenen früherer Autoren orientieren.

Das Repertoire ist breit angelegt, die weißen Zugalternativen sind umfassend mit Entgegnungen abgedeckt. Der Autor zeigt auf, welche Probleme sich in den Stellungen ergeben, wie sie gelöst werden können, welchen Maßgaben das Spiel folgen sollte usw. Dem entsprechend fördert er das Verständnis für die Aljechin-Verteidigung und animiert nicht nur zum "Bolzen der Theorie".

Als Hilfsmittel hat Taylor auf die Bewertungen auch von Fritz 11 gesetzt, was auch die Bibliographie bestätigt. Dabei geht er aber erfreulich distanziert zum reinen "Maschinenschach" vor. Dies bestätigt beispielsweise auch eine kleine Notiz, die ich auf Seite 179 gefunden habe. Dort steht (sinngemäß übersetzt): "Fritz bietet hier das kuriose 10.Kf2 an, das von einem Menschen schwer zu verstehen ist. Ich denke, dass Schwarz jetzt rochieren kann."

Das Variantenverzeichnis am Ende des Buches ist ein guter Kompass durch das Werk. Die Anforderungen an die englischen Sprachkenntnisse des Lesers sind nicht zu hoch.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, die Aljechin-Verteidigung in die eigene Praxis einzuführen, erhält mit "Alekhine alert!, a repertoire for Black against 1 e4" ein gutes Hilsmittel an die Hand.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

The French Defence, A Complete Repertoire

The French Defence, A Complete Repertoire

Nikita Vitiugov
The French Defence, A Complete Repertoire
228 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-954-8782-76-0
24,95 Euro.




The French Defence, A Complete Repertoire
Die französische Verteidigung zählt zu den mega-komplexen Systemen. Es gibt zahlreiche Theoriewerke, die sich ihr widmen, mehrere sind erst jüngst erschienen. Es ist ungemein schwer, insbesondere für den noch weniger erfahrenen Spieler, aus diesem Dschungel jene Linien zu finden, die ihm liegen und hinreichend Aussicht auf Erfolg bieten. Ein sehr nützliches Hilfsmittel zur Lösung dieser Aufgabe kann ein Repertoirebuch sein, das sinnvoll zusammengestellt worden ist und sich auf die wesentlichen Pfade konzentriert.

"The French Defence, A Complete Repertoire" von Nikita Vitiugov, im laufenden Jahr 2010 im bulgarischen Chess Stars-Verlag erschienen, ist ein solches gelungenes Werk. Es ist aus der Sicht von Schwarz geschrieben und als Grundlage für den Aufbau eines eigenen Repertoires nach 1.e4 e6 gut geeignet. Es dürfte sicherstellen, dass der Leser mit einem nur begrenzten Ressourceneinsatz aussichtsreiche schwarze Abspiele und Varianten findet.
Abweichungen von den Hauptlinien, unabhängig ob von Weiß oder Schwarz eingeleitet, werden ebenfalls gründlich und zum Teil sehr tief behandelt. So ist der Nachziehende nicht verpflichtet, den Hauptempfehlungen wie einem Dogma zu folgen; sein Repertoire kann er in der gewünschten individuellen Breite suchen.

Einen kritischen Blick habe ich auf Seite 18 auf einen Zugkommentar geworfen, der einen "unzulässigen" Ausschluss einer bestimmten Variante andeutete, was sich aber im weiteren Verlauf des Buches nicht wiederholte und so keine generelle Linie bestätigte. Im genannten Fall steht zu einem Zug zu lesen, dass Weiß zwar auch ihn spielt, der Autor aber froh sei, keine Eröffnungsenzyklopädie zu schreiben, weshalb er solche Züge nicht behandele. Ein wenig erfahrener Spieler ist aber dankbar, wenn er auch die Entgegnung auf einen Zug wie diesen begründet empfohlen bekommt, wenn er denn vom Anziehenden gespielt wird und er immerhin eine Erwähnung im Buch wert ist. Diese unglückliche Kommentierung stellte sich dann aber als individuell auf diesen Zug beschränkt heraus.

Vitiugov erläutert ausführlich, worum es jeweils geht. Dies halte ich für ein wichtiges Qualitätsmerkmal, denn dieses Vorgehen fördert das Verstehen der Eröffnung. Dass genau dies sein Anliegen ist, wird auch aus dem Nachwort deutlich, in dem er auf die sich rasant entwickelnde Eröffnungstheorie hinweist und die Wichtigkeit herausstellt, die generellen Prinzipien, typischen Manöver, Abtäusche, Pläne und taktischen Ressourcen zu kennen.
Auch "Insidertipps" sind zu finden. So gibt er zu einem Abspiel der Rubinstein-Variante die Empfehlung, sie ins eigene Repertoire zu übernehmen, nicht aber als Hauptwaffe, weil man durch das Spielen deren einfacher Stellungen Probleme in anderen französischen Gewässern bekommen kann.

Das Werk verzichtet auf die Behandlung vollständiger Partien, der gesamte Raum ist der Theorie gewidmet.
Es ist in Englisch geschrieben, aber leicht verständlich. Die Bibliografie beschränkt sich auf Druckwerke. Das Inhaltsverzeichnis dient zugleich als Variantenverzeichnis.

Noch ein Wort zum Autor: Nikita Vitiugov ist Sieger bedeutender aktueller Turniere in Russland und mit dem russischen Team Mannschaftsweltmeister 2010. Seine aktuelle ELO-Zahl (FIDE) beträgt 2707.

Ich kann "The French Defence, A Complete Repertoire" zum Kauf empfehlen.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Holländisch - richtig gespielt

Holländisch - richtig gespielt

Jerzy Konikowski und Olaf Heinzel
Holländisch - richtig gespielt
149 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-88805-499-0
17,80 Euro.




Holländisch - richtig gespielt
Was spielt man gegen 1.d4, wenn man dem Damengambit ausweichen und den "indischen Dschungel" meiden möchte und zugleich dem Gegner die grobe Richtung diktieren will? Holländisch! Die schwarze Entgegnung mit 1…f5 ist gerade in der jüngsten Vergangenheit wieder verstärkt ins Blickfeld gerückt, sie ist wieder zunehmend Gast in den Turniersäälen und auch die Literatur hat sich ihrer wieder angenommen.
Ganz frisch auf dem Markt ist "Holländisch" aus der "richtig gespielt"-Reihe des Joachim Beyer Verlags, geschrieben vom Autorenduo Jerzy Konikowski und Olaf Heinzel.
Schon rein äußerlich hebt sich dieses Werk positiv vom üblichen Standard ab, erscheint es doch mit festem Einband und hochwertiger Fadenheftung. Der Leser hat also "richtig etwas in der Hand".
Im Vordergrund der Besprechung soll natürlich das Inhaltliche stehen. Auch in diesem Punkt verdient das Werk ein breites Lob! "Holländisch - richtig gespielt" ist ein Repertoirebuch für Schwarz. Die Autoren konzentrieren die Behandlung auf diejenigen Varianten, deren Entstehen Schwarz herbeiführen kann und die ihm nach Einschätzung der Verfasser die besten Chancen einräumen. Intensiv erörtert werden deshalb das Leningrader System und der Holländische Stonewall.
Deutlich erkennbar ist das Bestreben der Autoren, den Leser die Systeme verstehen zu lassen. Ausführlich behandeln sie deshalb die Ideen und Pläne und zeigen auch die markanten Richtlinien auf, denen das Spiel unbedingt folgen sollte. Beispiel: "Der Läufer muss so entwickelt werden. Nach dem Textzug wird er später auf b2 oder a3 gestellt." Auf der Grundlage dieses Buches wird der Spieler ein klares Gespür für diese Eröffnung entwickeln und nicht nur konkrete Zugfolgen aufnehmen, um diese dann in eigenen Partien schlicht zu reproduzieren. Dies steigert die Aussichten, in einer eigenen und bisher noch nicht selbst untersuchten Brettstellung den jeweils angesagten Zug zu finden.
Ergänzt wird dieses durchgehende Merkmal des Buches von weit verzweigten Varianten, die nicht selten sehr in die Tiefe gehen. Das gut kommentierte und gut geordnete Material wird besonders dem Fernschachspieler nutzen, der zusätzlich noch seine Partiendatenbank beiziehen kann.
Das letzte von 16 Kapiteln enthält 40 Beispielpartien, um dem Leser die zuvor vorgestellte Theorie im praktischen Einsatz zu veranschaulichen. Hierbei fällt die Verzahnung von Theorie und Partiensammlung sehr positiv auf. Während in den Theorieteilen jeweils spezifisch auf ganz bestimmte ergänzende Partien hingewiesen wird, enthalten auch diese Rückverweise auf Theoriebereiche. Beispiel: "Andere Möglichkeiten wurden im Kapitel xy behandelt."
Zu allen Theoriekapiteln bzw. Abspielen geben die Autoren eine kurze Zusammenfassung, die alle übergeordneten Aspekte noch einmal festhält.
Das Inhaltsverzeichnis dient zugleich als Variantenverzeichnis, zum Kapitel 16 auch als Partienverzeichnis.

Das Quellenverzeichnis enthält die wichtigsten Bücher, Datenbanken und Periodika mit ausgewiesenem Stand 2007. Das Buch "Win with the Stonewall Dutch" von Johnsen, Bern und Agdestein ist im Jahre 2009 erschienen, kann also im Verzeichnis noch nicht referenziert werden.

Weil auffällig, noch ein letztes Wort zur Akkuratesse: Mir ist nur auf einer einzigen Seite (Seite 41) ein kleiner "handwerklicher" Fehler aufgefallen, indem dort drei Worte in einem abweichendem Zeichensatz geschrieben worden sind. Dies ist auch ein sicherer Beleg für die große Sorgfalt, mit der dieses Werk erschaffen worden ist.

"Holländisch - richtig gespielt" kann ich dem Leser sehr zum Kauf empfehlen!


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise vom Joachim Beyer Verlag (www.beyerverlag.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Squeezing the Gambits: the Benko, Budapest, Albin and Blumenfeld

Squeezing the Gambits: the Benko, Budapest, Albin and Blumenfeld

Kiril Georgiev
Squeezing the Gambits: the Benko, Budapest, Albin and Blumenfeld
192 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-954-8782-75-3
23,95 Euro.




Squeezing the Gambits: the Benko, Budapest, Albin and Blumenfeld
Aus dem heutigen Fernschach ist die Nutzung von Partiendatenbanken nicht mehr wegzudenken. Die Suche nach bestimmten Stellungen in der Eröffnungsphase führt oft zu Listen mit Tausenden und Zigtausenden Partien, in denen die Kontrahenten das gesuchte Bild schon auf dem Brett hatten. Und in der Regel gibt es einige bis etliche Alternativen für den nächsten Zug, viele hiervon haben wiederum hohe Partiezahlen auf sich vereinigt.
Die Auswertung der Datenbanken kann vieles, eines aber nicht: hinter den gespielten Zügen stehende Pläne quasi als Verabreichung einer "Wohlstandsbrühe" vermitteln.
Zu den Hauptgefahren für den Spieler bei der Auswahl seiner Züge nach den Prinzipien "was ist denn schon vorgekommen und was haben Meisterspieler hier gezogen" sowie "was wurde denn meistens gespielt" zählen
a. die Ideen- und Planlosigkeit ab der Partiephase, in der Datenbanken nichts mehr hergeben und
b. das eigene Wiederfinden in Stellungen, die ihm vom eigenen Stil her nicht so richtig liegen.

Was hilft? Es hilft die Synthese aus Partiendatenbank und Eröffnungsbuch, also das Eröffnungsbuch, das Plan und Struktur neben die Statistik stellt.

"Squeezing the Gambits: the Benko, Budapest, Albin and Blumenfeld" von Kiril Georgiev, erschienen bei Chess Stars, ist ein solches Werk für den Bereich der vg. Eröffnungen. Es ist ein Repertoirebuch für Weiß, natürlich auch für Schwarz von Nutzen. Die Inhalte und Empfehlungen sind so ausgerichtet, dass Weiß den Gegner in einen positionellen Nachteil bringen soll.
Wer lange Variantenketten braucht, ist mit diesem Werk eher weniger gut beraten, auch wenn es solche bisweilen gibt. Sehr gut aber ist es in der Kategorie "eine Eröffnung verstehen, strategische Pläne dem Spiel zugrunde legen und umsetzen". Und deshalb auch der Hinweis, wie wertvoll das Buch für den Fernschachspieler insbesondere auch neben dem Hilfsmittel Datenbank ist.

Innerhalb der einzelnen Kapitel werden zunächst die zentralen Ideen behandelt, teilweise sogar intensiv (gegeneinander) abgewogen, erörtert. Sehr deutlich erkennbar ist das Ziel, dem Leser das Verstehen der Eröffnungen zu erlauben, ihn auch ein Gefühl für das System finden zu lassen. Grundlegende Pläne, Bauerstrukturen, bestimmte Motive werden nach Bedarf dargestellt. Dem schließt sich immer ein Merkkästchen an, in dem ganz konkret festgehalten wird, was unbedingt zu tun oder zu lassen ist. In diesem Bereich ist das Werk Beispiel gebend. Es erinnert dabei an ein Lehrbuch der Schachstrategie und Schachtaktik, aber fokussiert auf die Themaeröffnungen.
Der Abschnitt "Step by Step" gibt jeweils den Theoriestand in Haupt- und in den wichtigsten Nebenlinien wieder. Hier sind auch die kommentierenden Analysen mit einem deutlich größeren Tiefgang zu finden. Kommentierte vollständige Partien illustrieren das Material am praktischen Einsatz.

Das Benkö-Gambit nimmt mit Abstand den größten Raum ein (deutlich mehr als die Hälfte aller Seiten). Das Budapester Gambit inkl. Fajarowicz-Gambit, Albins Gegengambit und Blumenfeld-Gambit treten zurück, ohne aber dass dies einen Mangel anzeigen könnte. Ich persönlich sehe die Verhältnisse als ausgewogen an, ich habe nichts als fehlend erkannt.

Ein einfaches Variantenverzeichnis bildet den Schluss des Werkes.

Kiril Georgiev stützt sich auch auf Rybka, ohne aber dessen errechneten Empfehlungen immer zu folgen, was ich als Qualitätsmerkmal ansehe, zumal das Abweichen begründet wird, und zwar mit Bezug auch auf die vorgestellten Ideen und Pläne. So findet sich auf S. 97 folgende Passage zu einer Abweichung von der Hauptvariante: "Rybka schlägt … vor, das aber würde den Abtausch der Damen mittels … erlauben (…)."

Theoriebeiträge aus dem Fernschach sind ebenfalls im Werk abgebildet, auch mit vollständiger Partie.
Das in englischer Sprache verfasste Werk stellt keine überhohen Anforderungen an die Kenntnisse des Lesers.

"Squeezing the Gambits: the Benko, Budapest, Albin and Blumenfeld" ist ein gelungenes Werk, das ohne Wenn und Aber zum Kauf empfohlen werden kann.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Attacking Manual 2

starting out: the Réti

Jacob Aargaard
Attacking Manual 2
459 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-9197600-41-5
29,99 Euro.




Attacking Manual 2
"Attacking Manual 2", geschrieben von Jacob Aagaard und erschienen bei Quality Chess, soll nach dem Rückentext des Werkes eine Lücke schließen, die hinsichtlich der Darstellung der Regeln im Schach besteht. Während die alten Meister die positionellen Regeln eher statisch behandelt haben, will Aagaard die dynamischen Seiten herausstellen. Es geht ihm um den Ausbau eines dynamischen Vorteils, um das fortgesetzte Führen eines laufenden Angriffs. Er demonstriert das, was er dem Leser vermitteln möchte, anhand von Partien und Partiefragmenten aus der Praxis, die er, um Analysen bereichert, die auch schon mal ganz erheblich in die Tiefe gehen können.

Wie der Titel belegt, handelt es sich um den zweiten Teil einer doppelbändigen Reihe. Dem entsprechend ist die Bewertung des Nutzens für den Leser auf beide Bände zu erstrecken.
Aagaards Vorgehensweise erinnert mich an die Klassiker von Aaron Nimzowitsch, "Mein System" und "Die Praxis meines Systems".
Der Wert des Werkes liegt nicht etwa darin, dass Aagaard neue Methoden etc. entwickelt, denn das, was er behandelt, hat der erfahrene Spieler schon einmal gehört und vieles davon versucht er in der eigenen praktischen Partie umzusetzen, wenn auch vielleicht nicht immer bewusst einem regelmäßigen Motiv zugeordnet. Der Wert liegt vielmehr darin, dass der Autor die Elemente des dynamischen Spiels, des Angriffsspiels klar herausstellt, sie beschreibt und in der Praxis demonstriert.

Der Stoff ist fünf Kapiteln zugeteilt, die folgende Überschriften tragen:
Kapitel 1: Mattangriffe verstehen
Kapitel 2: Typisches Figurenspiel
Kapitel 3: Typische Bauernführung
Kapitel 4: Sicherheit des Königs
Kapitel 5: Intuitive Opfer und fortwährende Initiative.
Es folgt ein sechstes Kapitel mit Lösungen zu den über das Werk hinweg verteilten Übungen.

Zu den Motiven, die in den einzelnen Kapiteln behandelt werden, zählen Dinge wie Drei-Figuren-Angriff, Figurenopfer gegen Zeit, Schwächen provozieren, Die Defensivformation zerstören und Aggressives Eröffnungsspiel. Insgesamt werden 40 solche Motive behandelt.

Am Ende des Werkes findet sich ein Verzeichnis der Partien und Partiefragmente. Auch aus dem Fernschach sind Beispiele verarbeitet worden. So ist auf Seite 342 eine Partie zwischen Stephan Ziska und Manfred Herbold abgebildet, 2001 per E-Mail gespielt.

Ein Wort noch zur Sprache: Das Buch ist in Englisch verfasst. Aufgefallen ist mir, dass der Wortschatz breiter ist, als man dies sonst von Schachbüchern kennt. Es ist zwar gut mit Schulenglisch zu verstehen, so mancher Leser wird aber, so wie auch der Rezensent, das eine oder andere Wort im Sprachwörterbuch nachschlagen müssen.

"Attacking Manual 2" ist ein gelungenes Buch. Wie immer bei derartigen zweibändigen Werken wird das Erreichen des vollen Nutzens dann möglich, wenn auch der erste Band durchgearbeitet wird.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

The Moscow & Anti-Moscow Variations, An Insider´s View

starting out: the Réti

Alexei Dreev
The Moscow & Anti-Moscow Variations, An Insider´s View
212 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-954-8782-74-6
24,95 Euro.




The Moscow & Anti-Moscow Variations, An Insider´s View
Wie für den Fernschachspieler gemacht erscheint das neue Werk mit dem Titel "The Moscow & Anti-Moscow Variations, An Insider´s View" aus dem Hause Chess Stars. Der Autor Alexei Dreev untersucht darin sehr tief die Theorie nach den beiden Zugfolgen

1. d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.Lg5 h6 6.Lxf6 Dxf6 (Moskau-Variante genannt) und
1. d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.Lg5 h6 6.Lh4 dxc4 7.e4 g5 8.Lg3 b5 (Anti-Moskau-Variante),

beide aus der Semi-Slawischen Verteidigung (ECO D43). Beide Systeme zählen zu den Hauptlinien in der Semi-Slawischen Verteidigung generell, worauf Dreev im Vorwort hinweist.
Das Inhaltsverzeichnis, das auch ein leider fehlendes Variantenverzeichnis ersetzen muss, sieht wie folgt aus:

Moskau-Variante
1. d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.Lg5 h6 6.Lxf6 Dxf6
7.e4 dxe4 8.Sxe4 Lb4+
7.a3
7.Db3
7.Dc2
7.g3 Sd7 8.Lg2 dxc4
7.e3 Sd7 8.a3
7.e3 Sd7 8.Ld3 dxc4 9.Lxc4 Ld6
7.e3 Sd7 8.Ld3 dxc4 9.Lxc4 g6
7.e3 g6

Anti-Moskau-Variante
1. d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.Lg5 h6 6.Lh4 dxc4 7.e4 g5 8.Lg3 b5
9.Se5
9.Le2 Lb4; 9…b4; 9…Sbd7
9.Le2 Lb7 10.e5
9.Le2 Lb7 10.h4 b4
9.Le2 Lb7 10.h4 g4 11.Se5 h5
9.Le2 Lb7 10.h4 g4 11.Se5 Tg8; 11…Sbd7
9.Le2 Lb7 10.0-0 Sbd7 11.Se5.

Von den insgesamt 204 theoriegefüllten Seiten (von 212 Seiten insgesamt) entfallen 94 Seiten auf die Moskau-Variante und 110 Seiten auf die Anti-Moskau-Variante. Die verwendeten Ressourcen sind topaktuell, das Werk zeigt den Theoriestand 2009.

Dreev hat keine vollständigen Partien aufgenommen, der komplette Raum dient den theoretischen Erörterungen. Es werden die wesentlichen strategischen Aspekte angesprochen, der Schwerpunkt liegt aber auf der Darstellung der taktischen Möglichkeiten, der Darstellung der Varianten.

In meiner recht gut sortierten Datenbank sind Partien zu den behandelten Systemen mit folgendem statistischem Ergebnis gespeichert: Moskau-Variante: 3083 Partien, Erfolgsquote aus schwarzer Sicht: rd. 47 Prozent.
Anti-Moskau-Variante: 1412 Partien, Erfolgsquote aus schwarzer Sicht: rd. 44 Prozent.

Noch ein Wort zum Autor: Alexei Dreev ist aktuell die Nummer 83 in der FIDE-Rangliste. Er greift selbst intensiv auf die Systeme zurück, die er im Buch behandelt.

Mit "The Moscow & Anti-Moscow Variations, An Insider´s View" bekommt der (Fernschach-) Spieler für 24,95 Euro ein Werk in die Hand, das ihn sehr gut präpariert in die Partie gehen lässt. Mit diesem Preis ist es auch angemessen bezahlt.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Olympiad United - Dresden 2008

starting out: the Réti

Josip Asik, Anna Burtasova und Harald Fietz
Olympiad United - Dresden 2008
304 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-3-9813348-0-7
29,90 Euro.




Olympiad United - Dresden 2008
Die Teilnahme an einer Schacholympiade zählt für jede Spielerin und für jeden Spieler zum Größten, was die eigene Karriere bringen kann. Als Besucher einer Schacholympiade ebenfalls quasi zum Teil derselben zu werden, zählt zu den größten Erlebnissen, die der Schachenthusiast im Turniergeschehen erfahren kann.
2008 war es soweit, für Aktive und für Zuschauer wurde die Schacholympiade wieder zum Leuchtturm im Turnierjahr. Und das Besondere daran war, dass diese Olympiade in Dresden und somit zum vierten Mal in Deutschland ausgetragen wurde. Dies eröffnete den deutschen Schachanhängern die ganz besondere Möglichkeit, vor der eigenen Haustür als Zuschauer zum Gelingen dieses Events beizutragen. Diejenigen, die diese Chance genutzt haben, berichteten hinterher, wie beeindruckend diese Veranstaltung für sie gewesen war, welch besonderes Erlebnis sie auch für die Besucherinnen und Besucher gewesen war.

Natürlich gibt es auch viele Schachbegeisterte, denen es so wie dem Verfasser dieser Rezension ergangen ist, denen es also, aus welchen Gründen auch immer, nicht vergönnt war, die Schacholympiade zu besuchen. Für sie gibt es aber die Chance, irgendwie doch noch und zwar nachträglich an dieser Großveranstaltung quasi teilzunehmen, auf jeden Fall ein Gefühl des eigenen Erlebens zu bekommen. Mit dem im DIN A4-Format im Verlag Schach Wissen erschienenen Buch "Olympiad United - Dresden 2008" von Josip Asik, Anna Burtasova und Harald Fietz feiert die Schacholympiade 2008 eine kleine Wiederauferstehung.
Wie das?
370 Fotos, allesamt in schickem Schwarzweiß, zeigen die Olympiade von allen Seiten, halten Situationen fest, geben den Spielerinnen und Spielern ein Gesicht, lassen sie "Mensch sein" am Rande des Schachgeschehens, z.B. indem sie auch spaßige Blödeleien nicht verheimlichen, und sorgen zudem schlicht auch für eine treffliche Dokumentation des Ganzen. Ernste Partien und Spaß dabei und drumherum, dies scheint ein Kennzeichen der Schacholympiade 2008 gewesen zu sein. Berichte zu den Runden, zu Begebenheiten, zur Turniersituation und, und, und informieren und unterhalten zugleich.
Die Seele eines Schachturniers sind aber die in ihm gespielten Partien. Und hiervon sind 115 Beispiele des hohen Schaffens im Buch abgebildet. Diese Partien sind allesamt sehr ansprechend kommentiert, teilweise von den Protagonisten selbst und teilweise (auch) von Dritten. Schon die Partien machen dieses Werk zu einem ganz besonderen. Wie hoch qualifiziert während der Olympiade gespielt wurde, lässt sich auch daran erkennen, dass zahlreiche Partien Eingang in jüngste Theorieveröffentlichungen, insbesondere zur Eröffnung, und Sammlungen gefunden haben. Man könnte nun versuchen, die eine oder andere kommentierte Partie heraus zu picken und vertieft darauf einzugehen. Dies aber macht wenig Sinn, weil sich keine "objektiven" Maßstäbe für die Auswahl anbieten.

Die Vorarbeit für diese Rezension erstreckte sich über mehrere Wochen. Zu deren Ergebnissen zählt die Erkenntnis, dass dieses Werk sehr kompakt ist, was auch die Qualität aller angebotenen Inhalte in sich betrifft.

Nimmt man sich dieses Buch als Ganzes vor, blättert man über die Seiten hinweg, bis das Auge an der einen oder anderen Sache hängen bleibt, um nach kurzer Zeit mit dem Blättern fortzufahren, vermittelt es fast den Eindruck einer Reportage. Man fühlt sich "mittendrin statt nur dabei". Fast spielte dem so vorgehenden Rezensenten die Fantasie einen Streich, weil er das Turniergeschehen zu hören glaubte und bewegte Bilder vor seinem geistigen Auge erschienen. ‚Warum sollte es dem Leser anders ergehen?
Ein Podcast oder ein Vodcast ist "Olympiad United - Dresden 2008" natürlich nicht, es kommt aber "kurz danach".

Noch kurz zusammengefasst, was den Leser erwartet (unter teilweisem Rückgriff auf eine Produktinfo):
304 Seiten im DIN A4-Format
Hard-Cover mit Fadenbindung, 135g Kunstdruckpapier
370 S/W-Fotos und 370 Diagramme
115 Partien und 12 Stellungen
Kommentierung durch 64 Top-Spieler und Trainer.

"Olympiad United - Dresden 2008" ist ein ganz hervorragendes Werk. Jede Leserin und jeder Leser wird seine helle Freude daran haben.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

starting out: the Réti

starting out: the Réti

Neil McDonald
starting out: the Réti
206 Seiten, kartoniert
ISBN: 9781-85744-622-7
17,95 Euro.




starting out: the Réti
"starting out: the Réti" von Neil McDonald und erschienen im Hause Everyman Chess ist eine Kompletteinführung in die Reti-Eröffnung, die sich vornehmlich an den Nachwuchsspieler richtet. Der Autor setzt sehr darauf, dass der Leser die Eröffnung versteht, die hinter den dargestellten Systemen und Varianten stehenden Ideen erkennt und verinnerlicht. Er gibt sich dabei erkennbar große Mühe, um einfach und verständlich zu schreiben. Dabei geht er manchmal auch so weit, dass sich Spielanfänger einbezogen fühlen dürften. Dies wird beispielsweise an einem frühen Merkhinweis deutlich, mit dem er dem Leser in Erinnerung ruft, dass Schachstrategie mit der Koordination aller Spielsteine und nicht allein mit der Kraft eines einzelnen Steins zu tun hat.
Ganz im Sinne des Werkes gibt es keine üppigen Darstellungen von Varianten. Werden sie angeboten, beschränken sie sich auf ein "Einstiegsniveau".

Wer kann von diesem Buch profitieren? Hierzu zählt in meinen Augen der Spieler, der sich noch nicht in den Bereich höherer Weihen vorgearbeitet hat und die Reti-Eröffnung wirklich von der Pike auf verstehen möchte.
Im heutigen Fernschach kann das Werk dann gute Dienste leisten, wenn der Spieler nicht allein mit ihm ausgerüstet in die Partie geht. Ihm sollte auf jeden Fall eine gut sortierte Partiendatenbank und/oder ein variantengeprägtes Spezialwerk, auch ein Repertoirewerk wäre geeignet, zur Verfügung stehen. Allein mit diesem Buch im Gepäck kann ich dem Fernschachspieler nicht raten, in die Partie zu gehen. Steht es aber neben dem Spezialmaterial zur Verfugung, kann es sehr wertvoll sein, um
a. die Reti-Eröffnung "spielerisch" zu verstehen und
b. die Partie auch dann im Sinne der Eröffnung fortzusetzen, wenn es keine konkreten anderen Ressourcen mehr gibt.

Das Buch enthält ein ausreichendes Variantenverzeichnis am Ende, wo auch ein Verzeichnis der insgesamt 55 abgebildeten vollständigen Partien (es ist keine Fernschachpartie dabei) zu finden ist.

Natürlich ist das Werk, wie schon der Titel belegt, in Englisch verfasst. Die Sprache ist aber mit Kenntnissen auf Schulhöhe kein Problem.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

The Scotch Game for White

The Scotch Game for White

Vladimir Barsky
The Scotch Game for White
196 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-954-8782-73-9
23,50 Euro.




The Scotch Game for White
Ein Repertoirebuch mit dem Titel "The Scotch Game for White" zählt zu den jüngsten Neuerscheinungen aus dem bulgarischen Chess Stars Verlag. Vladimir Barsky, Internationaler Meister aus Moskau, hat auf 196 Seiten ein Repertoire aus der Sicht des Weißspielers zusammengestellt, das er nach dem bewährten Aufbau der Werke dieses Verlags in seinen verschiedenen Varianten zunächst kurz vorstellt (Quick Repertoire), dann tief behandelt (Step by Step) und zuletzt anhand vollständiger Partien im praktischen Einsatz zeigt.

Das Werk unterteilt sich in sieben Kapitel, die sich jeweils den Möglichkeiten der folgenden einleitenden Züge widmen:

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4

Kapitel 1: 4...Sxd4; 4...Sge7; 4...d5
Kapitel 2:4...g6; 4...d6
Kapitel 3: 4...Dh4 5.Sc3 Lb4 6.Le2
Kapitel 4: 4...Lc5 5.Sxc6
Kapitel 5: 4...Lb4+ 5.c3
Kapitel 6: 4...Sf6 5.Sxc6 bxc6 6.Ld3
Kapitel 7: 4...Sf6 5.Sxc6 bxc6 6.e5.

Das Werk ist eine solide Darstellung der vom Autor empfohlenen Abspiele auf der Basis des aktuellen Theoriestandes.

Ein Variantenverzeichnis wie auch ein Verzeichnis der vollständig abgebildeten Partien fehlen leider, was besonders hinsichtlich des Variantenverzeichnisses als Manko anzusehen ist. Das unter Abbildung der Anfangszüge vorangestellte Inhaltsverzeichnis schafft einen gewissen Ausgleich.

Insbesondere in Verbindung mit einer gut sortierten Partiendatenbank dürfte das Werk eine gute Grundlage sein, um sich auch im Fernschach einmal an der Schottischen Partie zu versuchen.
Schulenglische Sprachkenntnisse sollten beim Leser vorhanden sein.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Dangerous Weapons: The King´s Indian

Dangerous Weapons: The King´s Indian

Richard Palliser, Glenn Flear und Yelena Dembo
Dangerous Weapons: The King´s Indian
272 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-85744-593-0
16,90 Euro.




Dangerous Weapons: The King´s Indian
Das Autorentrio Richard Palliser, Glenn Flear und Yelena Dembo zeichnet sich zu etwa gleichen Teilen verantwortlich für "The King´s Indian" aus der Reihe "Dangerous Weapons" von Everyman Chess. Typisch für alle Bücher dieser inzwischen gut etablierten Reihe ist das Ziel, dem Leser einen Reigen an Eröffnungsalternativen anzubieten, die sich außerhalb der ausgetretenen Pfade bewegen. Hierbei kann es sich um neue Ideen handeln, aber auch um neu bewertete bekannte Züge. Auch kann es um trickreiche Überleitungen in andere Systeme gehen, die dem Gegner weniger zupass kommen können oder um Überraschungseffekte, was im Fernschach eher im Rapid-Bereich gelingen dürfte, sonst aber natürlich im Nahschach. Nicht alle Vorschläge müssen garantiert gesund sein, auf jeden Fall aber dürfen sie nicht klar nachteilig sein. So zielen manche Vorschläge auch auf den Einsatz im Blitzschach ab.

Ob von ihm bevorzugte Systeme von den Inhalten dieses Werkes erfasst sind, wird der Leser am besten anhand der folgenden Inhaltsübersicht einschätzen können. Die Autoren decken folgende Zugfolgen ab (in Klammern dahinter der Titel des Kapitels):

  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sf3 Lg7 4. g3 c5 (Attacking the Fianchetto)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. f4 0-0 6. Sf3 e5 (The Four Pawns Attack Doesn´t Prevent 6…e5)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. f4 0-0 6. Sf3 c5 7. dxc5 (The Pawns That Bind)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4.e4 d6 5. f4 c5 6. d5 0-0 7. Sf3 e6 8. dxe6 (Showdown!)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. f4 0-0 6. Sf3 Sa6 7. e5 (Continuing to Roll Forwards)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 0-0 5. f3 Sc6 (Hold Back that d-pawn!)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Ld3 Sc6 6. Sge2 Sd7 (Striking into d4)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Sge2 Sbd7 6. Sg3 e5 7. d5 h5 (Advance that h-pawn!)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Le2 0-0 6. Lg5 (Cramp and Provoke)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Le2 0-0 6. Lg5 Sa6 (Further Constriction with the Averbakh)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Sf3 0-0 6. Le2 e5 7. 0-0 Sh5 (The Karklins-Ilincic Variation)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Sf3 0-0 6. Le2 e5 7. 0-0 Sbd7 8. Le3 Te8 (The Return of ...Sbd7: Part One)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Sf3 0-0 6. Le2 e5 7. 0-0 Sbd7 8. Dc2 Sh5 (The Return of ...Sbd7: Part Two)
  • 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Sf3 0-0 6. Le2 Sbd7 (The Return of ...Sbd7: Part Three)
Markante Stellen werden mit den üblichen Bildchen einer Kanone, eines Blitzes, von Spielwürfeln und eines aufgeschlagenen Buches gekennzeichnet. Diese haben die Bedeutungen:
Kanone: Gefährliche Waffe! Kennzeichnet eine Partie, Variante, Untervariante oder Stellung, worin die gefährliche Waffe den erhofften Effekt erzielt.
Blitz: Vorsicht! Weist auf eine sofortige Gefahr für den Spieler hin, der die gefährliche Waffe einsetzt.
Würfelpaar: Würfeln! Kennzeichnet eine Variante oder Untervariante, die eher für Partien mit engem Zeitlimit geeignet sind oder für Spieler, die es lieben, Risiken einzugehen.
Buch: Trickreiche Überleitung: Zeigt die Möglichkeit zur Überleitung in eine andere Varianten an. Es ist eine Waffe von erheblicher Bedeutung, eine abweichende Zugfolge einzusetzen, um den Gegner in Gefilde zu führen, mit denen er weniger vertraut ist.

Über die Verwendung dieser Bildchen kann man geteilter Meinung sein, auf jeden Fall aber erlauben sie dem Leser, die Bedeutung der gekennzeichneten Aussage auf den ersten Blick zu erkennen.

Die Analysen erlauben ein geeignet tiefes Eindringen in die Materie, sie sind vor allem taktisch geprägt.

Ein Variantenverzeichnis und ein Partienverzeichnis (es gibt 19 vollständig abgebildete Partien, keine Fernpartien) bilden den Schluss des Werkes.
Eine Bibliografie ist nicht enthalten.

Wie andere Werke aus der Dangerous-Weapons-Reihe ist auch "The King´s Indian" als eBook per Download erhältlich. Der Verlag stellt heraus, dass alles voll interaktiv im Chessbase-Format genutzt werden kann.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

play the Ponziani

play the Ponziani

Dave Taylor und Keith Hayward
play the Ponziani
301 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-85744-620-3
17,95 Euro.




play the Ponziani
Wir leben in einer Zeit, in der zahlreiche Eröffnungen und Varianten ihre Wiederentdeckung feiern. Was lange Jahre als harmlos, minderwertig oder nachteilig angesehen wurde, findet - oft über die Patenschaft eines namhaften Protagonisten - wieder zurück auf die Turnierbühne.

Ein neuer Kandidat für eine solche Entwicklung könnte die Ponziani-Eröffnung sein, die über die einleitenden Züge 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.c3 auf das Brett kommt. Mit ihrem Werk "play the Ponziani", erschienen bei Everyman Chess, leistet das Autorenpaar Dave Taylor und Keith Hayward einen bemerkenswerten Beitrag zur Neubewertung der weißen Potenziale in dieser Eröffnung. Sie stellen die Theorie ausführlich dar, wobei sich ihr Urteil, basierend auf eigenen neuen und tiefen Untersuchungen, bisweilen klar von jenen anderer Autoren unterscheidet. "Die Ponziani-Eröffnung ist eine grundsätzlich gesunde Eröffnung", heißt es hierzu in der Einleitung aus der Feder von Dave Taylor. "Sie wird selten gespielt und dies gereicht dem Praktiker zum Vorteil. Die Theorie dieser Eröffnung aus der (jüngeren) Vergangenheit ist falsch. Meister und Großmeister haben die Eröffnung falsch analysiert." Dave Taylor ist ein starker Fernschachspieler aus den USA. Dass sein selbstbewusstes Urteil zumindest auf wichtige Teile der Theorie zur Ponziani-Eröffnung zutreffen könnte, treten die beiden Autoren ihren Beweis an.
Ein markantes Beispiel findet sich auf den Seiten 44 ff., es geht um die Hauptvariante mit 3...Sf6 und nachfolgendem 5...Se7. Nach dem 12. Zug von Weiß haben wir eine Stellung auf dem Brett, in der Weiß einen klaren Raumvorteil am Damenflügel hat. Er ist besser entwickelt und Schwarz hat mehr Mühe bei der Aktivierung seiner Figuren vor sich. Das bisherige Urteil der Theorie lautet jedoch auf "gleich"; wie es heißt, soll Weiß kaum Nutzen aus seinem Raumvorteil ziehen können. Taylor/Hayward kommen zu einer anderen Einschätzung und bauen die weiße Position nachfolgend weiter aus. Hierbei beschreiben sie klar und verständlich, welche Pläne sie für das weiße Spiel verfolgen. Diese sind lang angelegt, was dem Wesen im Spiel eines starken Fernschachspielers wie Taylor entspricht. Zwischenstände auf dem Brett auf dem Weg zu einer geplanten Brettsituation müssen von Engines nicht als vorteilhaft erkannt werden. "Ein Handicap der Computer ist es, dass sie oft lang angelegte Pläne nicht erkennen können", meint er hierzu. "Sie können zwar schneller rechnen als Menschen, Menschen aber haben einen Vorteil durch ihre Fähigkeit, strategisch zu handeln."
Die og. Ausgangssituation nach 12.Lxc4 bewertet Rybka mit "=" und Shredder mit "+/=".

Mindestens gelingt es Taylor und Hayward, die Ponziani-Eröffnung so weit zu rehabilitieren, dass sie optimistisch versucht werden kann. In welchen Varianten sie mit abweichenden neuen Einschätzungen Recht haben, wird sich über die Praxisergebnisse herausbilden müssen.
Die Ponziani-Eröffnung ist mehr als nur eine Überraschungswaffe, deren Erfolg insbesondere eben von der Überraschung des Gegners abhängt. Sie ist solide, verspricht aber darüber hinaus einen Überraschungseffekt auf der Seite des nicht allzu gut mit ihr vertrauten Gegners. Dieser Vorteil gilt grundsätzlich für das Nahschach, beim Rapid-Fernschach darf Weiß wird auf ähnliche Effekte hoffen können.

Die Theorie wird in 12 Kapiteln behandelt, von denen sich die Autoren das letzte aber hätten sparen können, denn mit der Ponziani-Eröffnung hat es nichts zu tun. Es werden Abweichungen des Schwarzen im 2. Zug behandelt, Ponziani kommt überhaupt nicht auf das Brett; als Theorie für die ersatzweise entstehenden Eröffnungen ist dieses Material aber viel zu dürftig.

Alle Darstellungen sind sehr ausführlich gehalten, die Autoren setzen sehr auf das Verstehen des Lesers. Er soll immer wissen, warum er etwas tut. Den Wert dieses Anspruchs setze ich sehr hoch an.

Noch eine kleine Anmerkung zum 3. Kapitel: Es behandelt 3...Sf6 mit folgendem 4...exd4 und 5.e5. Diese Stellung wird auch über das abgelehnte Göring-Gambit erreicht, der Leser erhält somit auch hierzu qualifiziertes Material.

"play the Ponziani" von Dave Taylor und Keith Hayward kann mit Schulenglisch gut verstanden werden. Ein empfehlenswertes Werk mit zahlreichen innovativen Inhalten.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

The Improving Chess Thinker

The Improving Chess Thinker

Dan Heisman
The Improving Chess Thinker
220 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-0-9791482-4-8
15,95 Euro.




The Improving Chess Thinker
Selten ist mir eine Rezension zu einem Buch so schwer gefallen wie diese zu "The Improving Chess Thinker" von Dan Heisman. Die Vorarbeit hat sich über einige Wochen erstreckt, in denen ich mich immer wieder intensiv damit beschäftigt habe, um das Werk dann aber doch zunächst er wieder beiseite zu legen, weil ich das Gefühl nicht überwinden konnte, der Aufgabe noch nicht gerecht werden zu können.
Bevor ich meine nun gefundenen Ergebnisse herleite, möchte ich sie in einer Aufzählung voranstellen.

  1. Das Werk ist kein Schachbuch im engeren Sinn. Es beschäftigt sich im Kern nicht mit den Regeln des Spiels, der Theorie, konkreten Hinweisen zur Spielführung in den unterschiedlichen Partiephasen etc.
  2. In erster Linie geht es um die Strategie des Denkens, die einen maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg und den Nichterfolg im Schach hat. Wie sollte der Spieler sein Denken ordnen, um die besten Voraussetzungen dafür zu schaffen, die schachlich richtigen Entscheidungen zu treffen, die besten Züge zu finden usw.? Diesen Fragen geht der Autor nach und gibt Antworten darauf.
  3. Der Autor arbeitet Unterschiede heraus, die im Denken und Vorgehen von Spielern unterschiedlicher Spielstärke bestehen. Er macht erkennbar, welche Qualitätsmerkmale im Denkprozess und im Herangehen den spielstarken Spieler gegenüber dem schwächeren begünstigen. Er gibt Hilfestellung zur Entwicklung der eigenen entsprechenden Fähigkeiten, um einen höheren Level zu erreichen.
  4. Dem Leser werden sehr konkrete Hinweise gegeben, wie er von Grund auf in einer beliebigen Brettsituation zur Evaluation einer qualifizierten Stellungseinschätzung und der daraus abzuleitenden schachlichen Schritte kommen kann.
  5. Adressaten des Werkes sind in meinen Augen Spieler, Trainer und allgemein am Denkprozess von Schachspielern Interessierte.
  6. Die Anforderungen an die Englischkenntnisse des Lesers dürften über dem sonst Üblichen liegen.
Nach einer bereits in eine gewisse fachliche Tiefe gehenden Einführung, die u. a. auch Hinweise zum Gebrauch des Buches gibt, beschreibt der Autor, auf welchen Ermittlungen die dargestellten Erkenntnisse beruhen, wie diese angelegt waren, welche Vorgaben Spielern im Zuge praktischer Aufgabenstellungen zur Untersuchung deren Denkens gemacht wurden etc. Grundlage waren im Wesentlichen ausgewählte Übungen, die Spieler unterschiedlicher Stärke am Brett absolvieren mussten, wobei diese "laut" denken mussten. Diese Gedanken wurden protokolliert und zum Gegenstand von Untersuchungen gemacht. Es zeigten sich wesentliche Unterschiede zwischen Spielern unterschiedlicher Leistungsklassen, wobei sich der Denkprozess mit steigender Spielfertigkeit qualifizierte (oder aber die höhere Spielstärke auch das Ergebnis eines qualifizierten Denkvorgangs war).

Dem partiell interessierten Leser sei zunächst das Studium des 2. Kapitels empfohlen, das sich mit den Grundlagen des Denkprozesses befasst. Dann sollte er sich dem 10. Kapitel zuwenden, dessen Überschrift "The Thinking Cap" wohl gut mit "Die Krone des Denkens" übersetzbar sein dürfte. In ihm sind ganz handfeste Feststellungen, Hinweise und Tipps, Qualifizierungsmethoden und -schritte etc. zu finden. Dem sollten die Kapitel 11 und 12 folgen, die sich mit den Grundlagen des Zeitmanagements befassen bzw. resümieren, was "der Forscher gelernt hat". Eben die genannte Reihenfolge empfiehlt auch der Autor selbst in seinen Vorbemerkungen denjenigen, die ihren eigenen Denkprozess qualifizieren wollen.
Empfehlen möchte ich zudem noch den Anhang B, der sich noch kurz mit der Computeranalyse befasst.
Die Kapitel 3 bis 9 stellen detailliert dar, welche Brettaufgaben Spielern mit unterschiedlichen Spielstärken gestellt worden sind, zu welchen Ergebnissen sie geführt haben (Protokolle) und welche Schlüsse gezogen werden können. Diese Inhalte erinnern mich ein wenig an wissenschaftliche Arbeiten. Im Rahmen einer Rezension lässt sich nicht einschätzen, welche Leser welches Interesse für diese Bereiche haben könnten. Dies dürfte individuell sehr unterschiedlich sein.

"The Improving Chess Thinker" ist ganz offensichtlich das Ergebnis einer Fleißarbeit sowie Jahre langer Erfahrung. Ich messe dem Werk eine hohe Qualität bei.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

The Complete Hedgehog, Volume 1

The Complete Hedgehog, Volume 1

Sergey Shipov
The Complete Hedgehog, Volume 1
532 Seiten, kartoniert
ISBN-13: 978-0-9791482-1-7
23,95 Euro.




The Complete Hedgehog, Volume 1
"The Complete Hedgehog, Volume 1" von GM Sergey Shipov ist ein beeindruckendes Werk, das sich dem Igelsystem von Grund auf bis in seine theoretischen Tiefen widmet. Der Autor bedient sich selbst dieses Systems und verfügt über große praktische Erfahrung hierzu.
Wer den Igel in sein Repertoire aufnehmen möchte, das System von seinen Ideen und seiner Geschichte "bis in die Haarspitzen" der Theorie kennen lernen und verstehen möchte, dürfte sich schwertun, etwas mit diesem Buch Vergleichbares zu finden. Gleiches gilt natürlich für den Spieler, der dem Igel zukünftig profund entgegen treten möchte. Beide Seiten sind mit diesem Werk bestens bedient.

Aber im Einzelnen: Nachdem der Autor einiges zur Idee und zur Geschichte des Igels an Mann und Frau gebracht hat, geht er auf die Strukturen ein, die den Igel zum Igel machen. Er bildet dabei beispielhafte Eröffnungswege ab, über die der Igel auf das Brett "trippeln" kann. Dem folgen weitere allgemeine Ausführungen, von denen besonders jene zur Philosophie des Systems und zur Frage, wie der Spieler allgemein zu einer fundierten Stellungseinschätzung kommt, zu erwähnen sind, bevor es in Sachen Varianten in medias res geht.

Der vorliegende Band 1 widmet sich den Formationen, in denen Weiß seinen weißfeldrigen Läufer auf g2 fianchettiert (englische Igel-Formation). Shipov unterteilt das Material sodann in zwei Teile, von denen der erste die Klassische Fortsetzung 7.d4 und der zweite das System mit 7.Te1 behandelt. Zunächst werden jeweils zur Einführung und als Aufwartung an die Spieler, die zuerst die Igelaufbauten gewählt haben, historische Partien analysiert. Die weiteren Abschnitte klassifizieren sich dann jedoch nach den unterschiedlichen Plänen und Ideen, die somit die Struktur der theoretischen Behandlung vorgeben. Das gesamte Material wird anhand von Partien erörtert. Diese sind sehr verständlich kommentiert, die Analysen gehen dabei Bedarf aber auch weit in die Tiefe.

Ich habe selten ein Theoriewerk in der Hand gehalten, das mich so wie dieses damit beeindruckt, wie sich der Autor ins Zeug legt, um dem Leser das Verstehen des Eröffnungsthemas zu erleichtern. "Das strategische Warum" liegt dem Autor erkennbar ganz deutlich am Herzen. Der Leser soll verinnerlichen, nach welchen Prinzipien welche Ziele verfolgt werden, bevor er die konkreten taktischen Wege mit dem Autor beschreitet. Den einzelnen Abschnitten werden grundlegende Erörterungen vorangestellt, eine Schlussbetrachtung fasst alles zusammen und hebt die besonderen Erkenntnisse hervor.

Ich messe dem Werk nicht nur eine hohe schachliche Kompetenz bei, es ist auch interessant zu lesen. Und zum Lesen findet sich darin ebenfalls genug. Man erkennt, dass der Autor auch insoweit mit Herzblut gearbeitet hat.

Wer sich intensiv mit dem Igelsystem befassen möchte, findet in "The Complete Hedgehog, Volume 1" ein ausführliches qualifiziertes Werk, das den Aufbau mit dem weißen Läufer auf g2 gründlich behandelt. Mit diesem Rüstzeug kann sich auch der Fernschachspieler ohne Bedenken in die Partie begeben.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

The English Opening, Volume One

The English Opening, Volume One

Mihail Marin
The English Opening, Volume One
477 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-906552-04-6
24,99 Euro.




The English Opening, Volume One
"The English Opening, Volume One" von GM Mihail Marin möchte dem Weißspieler für die Zugfolge 1.c4 e5 ein Repertoire verschaffen, das ein Leben lang genutzt werden kann. Diesen ehrgeizigen Anspruch verfolgt der Autor auch, indem er dem Leser rät, sich dem Buch von vorn an zu widmen. Damit möchte er erreichen, dass seine Erläuterungen der strategischen Ideen beim Leser ankommen, die er in Eingangskapiteln ausführt und in der Folge voraussetzt. Der Leser muss schon einen beträchtlichen Ehrgeiz mitbringen, damit er dem Anliegen des Autors folgt.
Der Fernschachspieler ist eher weniger auf das Befolgen dieses Ratschlags angewiesen. Er kann in Ruhe und mit zeitlicher Muße "seine" Eröffnung anvisieren und bei Bedarf auch ein wenig zurückblättern, um den strategischen Unterbau immer noch rechtzeitig kennen zu lernen. "Learning by Doing" ist die Devise des Fernschachspielers.

"The English Opening, Volume One" ist eine ausgezeichnete Grundlage, um im Fernschach 1.c4 zu spielen, soweit der Gegner mit 1…e5 antwortet. So bleibt der ausstehende zweite Band abzuwarten, bis das gesamte Spektrum der gegnerischen Antwortzüge abgedeckt sein wird.
33 Kapitel enthalten das umfassende und sehr gut aufbereitete Material. Ob zentral weiter vorn vorab oder speziell zu Beginn eines Kapitels - Marin gibt sich große Mühe, dem Leser das Verstehen der Varianten zu erleichtern statt diese schlicht ins Gedächtnis einzupauken. Dies erreicht er durch ausreichend ausführliche und verständliche Darstellungen dessen, was als Idee hinter dem behandelten Abspiel steht. Diese bemerkenswerte Qualität der Verständlichkeit bewahrt sich das Werk auch bei der detaillierten Betrachtung der einzelnen Varianten. Der Autor spart nicht mit Anmerkungen und Analysen, bisweilen sogar zu beinahe jedem einzelnen Zug. Einige Neuerungen sind als solche gekennzeichnet, nicht alle sind schon praktisch getestet.

Die Bibliografie enthält die wichtigsten Quellen, was sowohl die Bücher und Periodika als auch die elektronischen Medien betrifft. Im Druckwerk sind aktuelle wie auch ältere Basiswerke vertreten.

Ein sehr ausführliches Variantenverzeichnis hilft beim unmittelbaren Navigieren zu bestimmten Zugfolgen, was für ein Buch dieser Stärke und Qualität allerdings auch als verpflichtend anzusehen ist. Die Qualität dieses Service weiß besonders der Fernschachspieler zu schätzen, der in der laufenden Partie auch schon mal wie auf einer Klavierklaviatur hin und her spielt.

Der Autor Mihail Marin stammt aus Rumänien. In meiner Datenbank sind 61 Partien zu finden, in denen er als Weißspieler 1.c4 e5 auf dem Brett hatte. Hiervor hat er 26 Partien gewonnen, 31 Mal remisierte er und nur 4 Mal musste er dem Gegner zum Erfolg gratulieren. Diese Quote bestätigt ihn als echten Kenner der Materie.

"The English Opening, Volume One" ist eine klare Kaufempfehlung.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

The Rules of Winning Chess

The Rules of Winning Chess

Nigel Davies
The Rules of Winning Chess
190 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1-85744-596-1
18,95 Euro.




The Rules of Winning Chess
Der Titel "The Rules of Winning Chess" eines neuen Werkes von GM Nigel Davies, erschienen bei Everyman Chess, ist vielversprechend. Ein Blick in den Rückentext stärkt die Erwartung, dass bisher gut gehütete Geheimnisse, die den Weg zum Erfolg im Schach sichern, nun endlich gelüftet werden. Dort heißt es nämlich, dass die wahren Könner im Schach die Regeln zum Erfolg kennen, was für andere eben nicht gelten soll. Und diese "leicht zu erlernenden Regeln" sind der Gegenstand dieses Buches.

Um dies früh vorwegzuschicken: The Rules of Winning Chess ist weder ein neuer Schlüssel zum Hort der Schachgeheimnisse noch ein Lehrbuch im engeren Sinn. In meinen Augen ist das Werk nicht mehr und nicht weniger ein klassischer Merkzettel, der durch eine besondere Ausführlichkeit qualifiziert wird, für die praktische Partie im Fernschach bisweilen als "Checkliste" geeignet. Dies steht nicht im Widerspruch zur weiteren Verwendung des Buches für das heimische Schachtraining. Seine Struktur, die Portionierung des Materials laden gerade zu dieser Form der Nutzung ein. Nur wirklich erlernen kann man die behandelten "Regeln zum erfolgreichen Schach" allein auf der Basis dieses Buches nicht. Ein Leser mit einem solchen Anspruch dürfte enttäuscht werden.

Zur Struktur: Den Leser erwarten fünf Kapitel, die folgende Überschriften tragen: Der Spieler, Vorbereitung, Die Eröffnung, Das Mittelspiel, Das Endspiel. In diesen finden sich dann Regeln wie

  • Trainier mit tödlicher Seriosität
  • Übe dich in Geduld
  • Schlaf gut
  • Nimm ein Frühstück zu dir
  • Versuch ein spielbares Mittelspiel zu erreichen
  • Treib die Entwicklung in offenen Stellungen schnell voran
  • Vebessere die Stellung deiner am schlechtesten stehenden Figur
  • Greif den schwächsten Punkt an
  • Türme gehören auf die 7. Reihe
  • Zwei Schwächen sind besser als eine.

Die vorstehenden Beispiele stammen paarweise aus den zuvor genannten Kapiteln. Man sieht, dass die Ratschläge teilweise sehr allgemeiner Natur sind und die Lebensführung des Spielers betreffen, teilweise aber auch unmittelbar der Schachtheorie entstammen. Einige Regeln lassen sich nur auf das Nahschach anwenden.

Jeder Abschnitt wird mit einem in den Kontext passenden Zitat eingeführt, der Inhalt und die Bedeutung der jeweiligen Regel werden dann beschrieben. Dem schließen sich einige Beispiele aus Partien an, die Brettsituationen demonstrieren, in denen eine Regel eingehalten wurde und zum Erfolg führte oder aber missachtet mit gegenteiligen Konsequenzen. Die Brettbeispiele stammen überwiegend nicht aus der Gegenwart.

"The Rules of Winning Chess" setzt englische Sprachkenntnisse voraus, Schulenglisch dürfte im Großen und Ganzen reichen.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Genius in the Background

Genius in the Background

Tibor Károlyi & Nick Aplin
Genius in the Background
382 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-1906552-37-4
24,99 Euro.




Genius in the Background
Es gibt einige Namen von Schachspielern, die so bekannt sind, dass sie selbst Menschen ein Begriff sind, die sonst mit Schach nichts am Hut haben. Bobby Fischer und Gary Kasparow sind hierfür die besten Beispiele. Dem gegenüber gibt es aber auch Schachgrößen, für die das genaue Gegenteil gilt. Sie sind weitgehend unbekannt geblieben, auch in Schachkreisen, obwohl sie entweder einen erheblichen Einfluss auf die Schachgeschichte hatten oder aber sie sich doch durch außerordentliche Fähigkeiten hervorgetan haben. Ihnen gilt die Aufwartung, die Tibor Károlyi und Nick Aplin mit dem Buch "Genius in the Background" in die Schachwelt geben.

Die beiden Autoren stellen in elf Kapiteln Größen vor, die beispielsweise als Trainer von Weltmeistern oder als ausgewiesene Kenner von Partiephasen aufgefallen sind, ohne selbst die größten Weihen empfangen zu haben. Mit Beispielen aus deren eigenem Schaffen, überwiegend ergänzt um interessante Interviews und auch mit Glanzlichtern ihrer Trainerschützlinge werden die außerhalb des grellen Lichts der (Schach-) Öffentlichkeit stehenden Genies porträtiert. Zu ihnen zählen Petko Atanasov (Jugendtrainer Topalovs), Yochanan Afek (Meister der Vielseitigkeit), Alexander Shakarow (Kasparows Jugendtrainer), aber auch der anerkannte deutsche Endspielspezialist Karsten Müller. Am Ende jedes Porträts kommen Wegbegleiter oder andere Menschen, die eine irgend geartete Verbindung zum Porträtierten haben oder hatten, kurz zu Wort. Es ist in der Regel interessant zu lesen, was sie über die Person zu sagen haben.
Am meisten aber dürften den Leser die im Buch abgebildeten Partien interessieren. Ausgewählt und in großer Zahl aufgenommen wurden natürlich die Glanzstücke im Schaffen der Porträtierten. Darunter befinden sich auch einige Fernschachpartien. Die Kommentierung ist sehr qualifiziert, teilweise gehen die Analysen sehr in die Tiefe. Liebhaber von exzellent kommentierten Partien kommen also voll auf ihre Kosten.
"Genius in the Background" ist, um ein Schlusswort zu fassen, ein Buch eigener Art. Es bietet Lesestoff, ein paar Lösungsaufgaben und viel qualifiziertes Partienmaterial. Wer sich für diesen Sektor des Schachbuchmarktes interessiert, erhält mit dem Kauf ein gutes Werk in die Hand.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

The Ruy Lopez Revisited

The Ruy Lopez Revisited

Ivan Sokolov
The Ruy Lopez Revisited
271 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-90-5691-297-0
23,95 Euro.




The Ruy Lopez Revisited
"The Ruy Lopez Revisited" von Ivan Sokolov versteht sich als Repertoirebuch für Schwarz, als Eröffnungsführer durch verschiedene Spezialvarianten der Spanischen Partie. Der Autor hat seine Auswahl so getroffen, dass die behandelten Systeme und Varianten zwar Abseits des Mainstreams liegen, er legt aber Wert darauf, dass diese als gesund zu bezeichnen sind. Auch wenn es sich um ein Repertoirebuch für Schwarz handelt, vergisst Sokolov natürlich nicht die gleichberechtigte Untersuchung der weißen Ressourcen.
Aus der Warte des Fernschachspielers betrachtet fällt auf, dass nicht alle in den Fokus genommenen schwarzen Möglichkeiten nach Einschätzung des Autors selbst zum Ausgleich führen. Die Hoffnung auf Erfolg beim Einsatz in der Turnierpartie stützt sich dann auch auf eine bessere Vorbereitung des Nachziehenden und ein gewisses Überraschungsmoment beim Gegner, was im Fernschach aber nicht die hohe Bedeutung wie beim Nahschach einnimmt. Die Möglichkeit zur intensiven Befassung ohne Zeitdruck und zur Nutzung der Literatur sowie der Datenbanken lässt hier den Vorteil der Überraschung gegen null tendieren.

Der Fernschachspieler wird am besten anhand der Darstellung der behandelten Varianten beurteilen können, inwieweit er für sein Spiel von "The Ruy Lopez Revisited" wird profitieren können. Den Leser erwarten folgende Inhalte:

  • Teil 1 - Jänisch-Gambit - 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 f5 in sechs Kapiteln
  • Teil 2 - Verzögertes Jänisch-Gambit - 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 f5
  • Teil 3 - Cozio-Variante - 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Se7
  • Teil 4 - Smyslov-Variante - 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 g6
  • Teil 5 - Bird-Verteidigung - 1e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sd4 in zwei Kapiteln
  • Teil 6 - Klassische Variante - 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Lc5 in acht Kapiteln.
An mehreren Stellen fällt sehr angenehm auf, dass Sokolov sein Werk mit einer ehrlichen Nüchternheit verfasst hat. Die behandelten Varianten werden nicht durch eine rosarote Brille beurteilt, gleiches gilt für eine jeweils abschließende und zusammenfassende Bewertung. Auch die zu findenden Hinweise darauf, dass es noch belastbarer Erfahrungen aus der Praxis bedarf, bevor ein genaues Urteil getroffen werden kann, belegen die ehrliche Herangehensweise. Solche Anmerkungen beziehen sich in der Regel auf eigene Analysen Sokolovs, somit Neuerungen, von denen das Werk einige enthält. Hierzu ein Beispiel: Übersetzt ins Deutsche schreibt Sokolov auf Seite 36 zu einem Zug (11.f4): "Ich habe diese Stellung eine Weile lang analysiert und möchte diese Analysen hier mit dem Leser teilen. Es sind aber praktische Tests und weitere Analysen unbedingt erforderlich."

"The Ruy Lopez Revisited" ist ein gutes Buch. Inwieweit der Kauf für den Spieler einen Mehrwert bringt, hängt natürlich davon ab, wie relevant für ihn dessen Spezialinhalte sind.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Königswege im Schach

Königswege im Schach

Hans-Joachim Hecht
Königswege im Schach, Der Endspiel-Ratgeber
164 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-3-283-01013-3
16,80 Euro.




Königswege im Schach, Der Endspiel-Ratgeber
Unter einem Königsweg versteht man die Lösung eines Problems, die einfach und optimal zugleich ist. Im Zusammenhang mit dem Schachspiel liegt die Einladung zu einem charmanten Wortspiel auf der Hand. Und genau diese nimmt Hans-Joachim Hecht an, indem er sein neues Buch mit "Königswege im Schach" betitelt, ergänzt um "Der Endspiel-Ratgeber".
Das Werk soll nach dem Vorwort des Autors und einem Hinweis im Rückentext kein klassisches Lehrbuch sein. Es soll, und damit sind wir auch wieder beim Titel, den Blick auf den König richten, der im Endspiel zu besonderer Stärke und Kraft findet. Und ein wenig Sendungsbewusstsein scheint auch eine Rolle zu spielen, denn das Werk soll zudem "Begeisterung für das Endspiel wecken".
Ein letztes Mal möchte ich auf den Titel zurückgreifen: Hecht zeigt die Wege des Königs an etlichen Stellen in Diagrammen auf, indem er Ketten von Pfeilen einsetzt. So wird dem Leser von der anfänglichen Idee zur Königswanderung bis hin zu deren Ziel verdeutlicht, wie "der Königsweg" zum Erfolg in der Partie geführt hat oder hätte.

Ich sehe in diesem Werk einen echten Gewinn für jeden Schachspieler, auch wenn Hecht sein Zielpublikum weniger in den "versierten Meister- und Turnierspielern" als in "aufstrebenden Schachliebhabern" sieht, die zwar "über das elementare Endspielwissen verfügen, jedoch mehr über die farbige Welt des Endspiels erfahren möchten". Das Buch trägt klar zur Qualifizierung der Endspielfertigkeiten bei, besonders zum Einsatz des Königs, und ist dabei zugleich unterhaltsam. Der Begriff des Ratgebers, den der Untertitel einbringt, ist berechtigt, denn mit "Königswege im Schach" kann sich der vorinformierte Spieler in die Prinzipien, Anforderungen und Tücken der behandelten Endspielsituationen einfinden.

Die neben der Einleitung substanziellen Kapitel tragen die folgenden Überschriften:
- Abwicklung
- Bauernendspiele
- Geringe Bauernzahl
- Bauern auf einem Flügel
- Springerwege
- Läufer mit Doppelfunktion
- Aktiver König und Mattangriff
- Aktiver König und Freibauern
- Figurenzusammenspiel
- Raum und Festung
- Hinhaltende Verteidigung
- Pattverteidigung
- Ungewöhnliche Endspiele
- Ergänzende Studien.

Hecht geht zum Aufbau der einzelnen Kapitel sehr strukturiert vor. Einleitend klärt er Begriffe, soweit erforderlich, z.B. jenen der Abwicklung. Er beschreibt, bezogen auf den jeweiligen Kontext, die wesentlichen Aufgaben des Spielers, zeigt die Gewinnstrategie wie auch die Verteidigungsstrategie auf, gibt Erläuterungen und/oder zählt einzelne Schritte oder andere jeweils wichtige Aspekte auf. Hier entfaltet das Werk seine größten Stärken als Ratgeber. Im Anschluss geht Hecht in die praktischen Details "am Brett". Das verwendete, zum Teil sehr analytisch aufbereitete Material stammt überwiegend aus seiner eigenen langjährigen Praxis.

Über die Inhalte verteilte Übungsaufgaben, zu denen die Lösungen am Schluss des Buches zu finden sind, laden den Leser zum Mitwirken und "learning by doing" ein.

"Königswege im Schach" vermittelt den Eindruck einer ganz besonderen Souveränität des Verfassers. Dieser weiß ganz augenscheinlich immer sehr genau, was er will und wie er es will. Die Zusammenstellung der Inhalte geschah nach der Devise "kurz, knapp und präzise, aber ausreichend ausführlich und unterhaltsam".
Hans-Joachim Hecht gilt als großer Endspielkenner. Untrennbar mit seinem Namen verbunden sind die renommierten Endspieldatenbanken von Chessbase. Seine Auszeichnung nimmt auch in diesem Werk Gestalt an.

Wie von Büchern der Edition Olms gewohnt, ist auch "alles Technische" von Qualität. Anständiges Papier, stabiler Karton, sauberer Druck etc. - alles passt.

"Königswege im Schach" ist in meinen Augen Award-verdächtig, ich kann den Kauf des Werkes mit allerbestem Gewissen empfehlen.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

Schachkalender 2010

Schachkalender 2010

Edition Marco / Verlag Arno Nickel, Berlin 2009
Schachkalender 2010
288 Seiten, gebunden, 27. Jahrgang
ISBN: 978-3-924833-59-6
14 Euro.




Schachkalender 2010
"Jeden Tag ein bisschen Schach" - hierzu verhilft einmal mehr der "Schachkalender", diesmal, wen sollte es verwundern, mit seiner Ausgabe 2010. Die Edition Marco mit Fernschach-Großmeister Arno Nickel in der Schaltzentrale sorgt wieder dafür, dass die Schachanhänger einen Taschenkalender zur Hand bekommen, der im wahrsten Sinn ein solcher ist, passt er doch in (fast) jede Tasche. Für die Hosentasche ist er vielleicht etwas arg dick, er würde auftragen und nicht gerade zum besten Sitz des Beinkleids beitragen. Im Jacket aber, in der Handtasche, in der Aktenmappe findet er bequem Platz.

Der Schachkalender erfüllt alle herkömmlichen Funktionen eines Kalenders, er enthält also alle üblichen Informationen von kalendarischen Daten über Ferientermine bis hin zum Register für eigene Adresseinträge etc.
Jede Tageszeile enthält genügend Raum, um eigene Termine einzutragen oder auch den Hinweis aufzunehmen, dass man einen bestimmten Geburtstag oder vielleicht sogar den eigenen Hochzeitstag nicht übersehen sollte.

Über die schlichten Kalenderinhalte hinaus finden sich im Schachkalender zahlreiche Geburtsdaten von Schachgrößen, immer zum jeweiligen Tag vorgetragen. Namen aus dem Fernschach allerdings enthält das Werk so gut wie nicht, was ich als schade empfinde. Zu manchen Namen gibt es ein kleines Bildchen, eine zusätzliche kleine Geschichte und mehr. Einige breitere redaktionelle Beiträge unterbrechen den kalendarischen Ablauf über das Büchlein hinweg. Diese sind mal informativ, mal unterhaltsam, oft beides.
Es wäre überzogen, in dieser Besprechung alle Inhalte zu erwähnen. Nicht vergessen werden dürfen aber die Bestenlisten aus Schach und Fernschach, die Spieltermine der Bundesligen sowie die vielen "offizielle" Adressen.

Der Schachkalender 2010 ist der gewohnt hübsche rote Faden, der zumindest ein bisschen Schach in jeden Tag des Jahres bringt. Wenn ein Kalender, dann dieser!


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise vom Verlag Arno Nickel (www.edition-marco.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)


 

the classical King´s Indian uncovered

the classical King´s Indian uncovered

Krysztof Panczyk & Jacek Ilczuk
the classical King´s Indian uncovered
384 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2009
ISBN: 978-1-85744-517-6
17,95 Euro.




the classical King´s Indian uncovered
"the classical King´s Indian uncovered" vom Autorenduo Krysztof Panczyk und Jacek Ilczuk setzt sich mit der Klassischen Varianter der Königsindischen Verteidigung auseinander. Diese folgt den Eingangszügen 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Sf3 0-0.

Ich habe mir den Nutzen des Werkes durch die Brille des Fernschachspielers angesehen und bin sehr von ihm angetan. Es stellt den Stand der Theorie sehr ausführlich dar, auch die wichtigsten Nebenwege findet der interessierte Leser mit dem erforderlichen Tiefgang behandelt. In den Erläuterungen wird auf die wichtigsten Aspekte der einen oder anderen Möglichkeit hingewiesen. Das Material ist aktuell, es wurden die zu erwartenden namhaften Quellen genutzt (Druckwerk und elektronische Medien).
Insgesamt kommt das Werk auf fast 400 Seiten. Auch hieran wird deutlich, wie intensiv auf das Variantenwerk eingegangen wird, denn man muss sich vor Augen halten, dass der Klassische Königsinder eben nur einen Teil des gesamten Königsindischen Systems ausmacht.
Hervorzuheben ist, dass die Möglichkeiten beider Seiten in gleicher Weise nüchtern behandelt werden.

Die Darstellung der Theorie ist in die folgenden Kapitel untergliedert:

1. Lines without 6...e5
2. Exchange Variation: 7.dxe5
3. Gligoric System: 7.Le3
4. Petrosian System: 7.d5
5. 7.0-0: Introduction
6. 7...Sa6
7. 7...Sbd7
8. 7...Sc6 - Introduction
9. 7...Sc6 8.d5 Se7 9.Se1
10. 7...Sc6 8.d5 Se7 9.Sd2
11. Bayonet Attack: 9.b4 without 9...Sh5
12. Bayonet Attack: 9.b4 with 9...Sh5.

Zur Vorbereitung dieser Rezension habe ich das Buch im praktischen Fernschacheinsatz erprobt. Dies heißt, dass ich in einem Turnier im Klassensystem des Deutschen Fernschachbundes e. V. (BdF) gleich mehrere Partien mit dem sonst von mir selten gespielten Königsinder eröffnet habe. Meine Erfahrung ist nur als gut zu bezeichnen, ich konnte mich mit Buchbegleitung sicher durch den ersten Partieabschnitt begeben. Ein Variantenindex am Ende des Werkes erleichtert die Navigation durch die verschiedenen Inhalte hinweg.

"the classical King´s Indian uncovered" von Krysztof Panczyk und Jacek Ilczuk ist eine sehr gelungene Zusammenfassung der Klassischen Königsindischen Verteidigung.

Das in englischer Sprache verfasste Werk ist mit schulenglischen Sprachkenntnissen problemlos aufzunehmen.

Ich kann das Werk für den Einsatz in der Fernschachpraxis mit gutem Gewissen bestens empfehlen.


Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.
(Uwe Bekemann)