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Rezensionen (Einstellungsjahr 2008)
von Uwe Bekemann
   
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Kasparov vs Karpov, 1975-1985
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Informator Band 102
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World Chess Championship 2008 - Anand v Kramnik, The Battle of Bonn
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Nervenkrieg - von Aura bis Zweikampf
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The Berlin Wall
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Who is the Champion of the Champions?
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starting out: d-pawn attacks
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how to beat the French defence
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Fighting the Anti-King´s Indians
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The Genius and the Misery of Chess
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Pawn Sacrifice! Winning at chess the adventurous way
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Kasparov vs Karpov, 1975-1985

Kasparov vs Karpov, 1975-1985

Garry Kasparov
Kasparov vs Karpov, 1975-1985
424 Seiten, gebunden - mit Schutzumschlag, 1. Auflage 2008 (Hinweis: Das Buch hat 424 Seiten und nicht 580, wie teilweise zu lesen ist)
ISBN: 978-185744-433-9
33,90 Euro.




Kasparov vs Karpov, 1975-1985
"Kasparov vs Karpov, 1975-1985 (Part Two)" aus der Feder des 13. offiziellen Schachweltmeisters Kasparov selbst zählt zum Besten, was ich aus dem Bereich der Genres "Partiensammlungen" und "Biographien" bisher in den Händen gehalten habe. Das Werk trägt Merkmale beider Kategorien und noch einiges mehr. Schach- und Sportpolitik, politisches Weltgeschehen sind Gebiete, in die Kasparov Ausflüge unternimmt.

Konkret erwarten den Leser die vier Kapitel "On the Eve of Battle", "The first Match: 1984/85", "The 49th Game" und "The Second Match: 1985". Damit wird auch deutlich, dass das Buch in englischer Sprache verfasst ist, in einer Übersetzung. Mit einem gesicherten Schulenglisch und vielleicht einem Wörterbuch für die etwas "schwierigeren Fälle" zur Hand ist es aber gut aufzunehmen. Weiterhin wird aus der Begrenzung der Inhalte bis zum Jahr 1985 über den Buchtitel hinaus deutlich, dass dieses Werk für eine umfassende Darstellung um weitere Bände ergänzt werden muss. Und so ist es auch, es sind insgesamt drei Bände geplant.

Das Herzstück aller Inhalte sind natürlich die sehr umfassend kommentierten und analysierten Partien. Es ist größtes Schachbuchkino, was diese Partien vermitteln. Kasparov kommentiert die Partien deskriptiv, wobei er nicht puritanisch nur die jeweiligen schachlichen Möglichkeiten behandelt. So beschreibt er bei Bedarf die emotionale Wirkung auf sich selbst, gibt dann Informationen "hinter den Partien" (z.B. zur Vorbereitung, zu Beteiligten an Analysen usw.) oder wechselt auch mal in die Schachpolitik.
Bei seinen Analysen bricht Kasparov auch mit früheren Einschätzungen, wenn er dies für angebracht hält und erinnert damit an einen Fernschachspieler auf der Suche nach dem besten Zug.
Eine beliebig herausgegriffene Partie soll einen Eindruck "pars pro toto", ein Teil für das Ganze, geben: Die 2. Partie im WM-Kampf Moskau 1985 wird auf den Seiten 284 (unten) bis 293 (Mitte) behandelt. Zu 58 (Halb-) Zügen (die Partie endete nach dem 65. Zug von Weiß) bietet Kasparov dem Leser Kommentare und Analysen an. Er erlaubt ein "Partiefeeling", indem er seine eigene Wahrnehmung, z.B. die Wirkung eines Zuges auf Karpov, einbringt. Er zeigt die Wege auf, wie Problemstellungen in der Partie ausgeräumt werden können. Er analysiert die Partie, wie sie hätte einen anderen Fortgang nehmen können. Er gibt ein Resümee nach der Partie. Man kann die Partie spielen und lesen!

Ich denke, dass es keine Übertreibung ist, wenn diesem Buch eine schachhistorische Bedeutung beigemessen wird!

Auch "das Handwerkliche" stimmt in allen Punkten: Gebundene Ausgabe, Schutzumschlag, blitzsauberer Druck.

"Kasparov vs Karpov, 1975-1985" ist eine glatte Kaufempfehlung. Wer nach der Vervollkommnung im Schach strebt, findet in diesem Buch ganz sicher eine große Hilfe. Und wer nicht - das Werk gehört in jede ambitionierte Sammlung.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.

(Uwe Bekemann)


 

Informator Band 102

Informator Band 102

Matanovic u.a.
Informator Band 102
340 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008
ISSN: 0351 1375
28 Euro.




Informator Band 102
Es ist keine dankbare Aufgabe, eine Rezension für den Schachinformator Band 102 zu schreiben, denn im Grunde genommen ist der Schachwelt bereits alles bekannt. Es gibt nur noch Nuancen, die Raum für eine Erwähnung "zwischen den Bänden" eröffnen.

Band 102 bestätigt einmal mehr, dass der Schachinformator zu den wichtigsten Informationsquellen für die ambitionierten Schachspieler zählt. Dies gilt nicht zuletzt für die Fernschachspieler, die fast noch mehr als Nahschachspieler auf aktuelles und korrektes Spiel in den eigenen Partien angewiesen sind. Jeder Informator enthält eine Fülle von Informationen, die sich vor allem auf aktuelle Partien der Besten im Schach stützen. Im Band 102 sind es 421 vollständige Partien und 467 Partiefragmente. Zahlreiche Neuerungen werden dargestellt, sodass diese vermehrt in zukünftigen Partien zu finden sein werden. Eine dieser Neuerungen inspirierte bereits zu einem Thematurnier des Deutschen Fernschachbundes e. V. (gespielt in der Partie Macieja-Gopal, Gausdal 2008, vorgestellt auf Seite 183).
Neben den üblichen Rubriken wie Kombinationen, Studien und Turnierstatistiken etc. enthält der Band ein Partienporträt von Vlastimil Hort.

Fazit: Informator Band 102 ist das nächste wichtige Kapitel in der "Bibel für die (Fern-) Schachspieler".

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.

(Uwe Bekemann)


 

World Chess Championship 2008 - Anand v Kramnik

World Chess Championship 2008

Raymond Keene
World Chess Championship 2008 - Anand v Kramnik, The Battle of Bonn
112 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008
ISBN: 978-1-906661-01-4
26,95 Euro.




Raymond Keene: World Chess Championship 2008 - Anand v Kramnik, The Battle of Bonn
"World Chess Championship 2008 - Anand v Kramnik, The Battle of Bonn" - ein Buch über die Schach-WM 2008, das fast schon gleichzeitig mit dem Ende der letzten Wettkampfpartie erschienen ist. Was erwartet den Leser des neuesten Werkes aus der Feder von Raymond Keene unter Mitwirkung von Eric Schiller? Das Buch umfasst 112 Seiten, von denen sich die Seiten 53 bis 102 den Partien und dem unmittelbaren Drumherum des Weltmeisterschaftskampfes widmen. Die Partien sind zum Teil spärlich (5) und zum Teil ausführlich (6) kommentiert. Eine beschreibende Zusammenfassung ist jeweils vorangestellt. Die Schilderungen zum Randgeschehen haben die Pressekonferenzen, Kommentare von Schachgrößen, die als Stellvertreter einen Eröffnungszug ausführenden Personen und Ähnliches zum Thema. Als inhaltliches Beiwerk werden die Geschichte der Weltmeisterschaften und Weltmeister behandelt, Diskussionen hierzu geführt und kommentierte wie unkommentierte Partien aus der Vergangenheit angeboten. Diese Teile des Werkes konnten unabhängig vom eigentlichen Gegenstand des Buches, dem WM-Kampf 2008, vorbereitet werden. Positiv herauszustellen ist die schon erwähnte Zeitnähe zur WM, in der das Buch auf den Markt gekommen ist. Etwa die Hälfte des Inhalts ist damit sehr aktuell. Manchmal aber geht diese Schnelligkeit etwas zu Lasten der Qualität. Erstaunlich ist, dass Rechtschreibfehler besonders in den nicht zeitkritischen Inhalten anzutreffen sind, wofür das Kapitel "Discontinuities" ein besonderes Beispiel ist. Eine Korrekturlesung hätte diesen offensichtlichen Mangel verhindern können. Fazit: "World Chess Championship 2008 - Anand v Kramnik, The Battle of Bonn" ist ein Kauf für alle, die eine schnelle Information zum WM-Kampf 2008 - Partien und Analysen sowie das "WM-Feeling" - aus erster Hand suchen und diese in die Geschichte der Weltmeisterschaften und Weltmeister eingebettet betrachten wollen.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.

(Uwe Bekemann)


 

Nervenkrieg - von Aura bis Zweikampf

Nervenkrieg - von Aura bis Zweikampf

Marion Bönsch-Kauke
Nervenkrieg - von Aura bis Zweikampf
317 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008 (2009)
ISBN: 978-3-86596-204-1
24,80 Euro.




Marion Bönsch-Kauke: Nervenkrieg - von Aura bis Zweikampf
"Nervenkrieg - von Aura bis Zweikampf" versteht sich als ein Lehrbuch über "Angewandte Psychologie für Trainer, Schachlehrer und Spieler."
Diese Rezension wirft den Blick auf und in das Werk im Fokus des Fernschachs. Deshalb wird sein Wert für Trainer und Schachlehrer außen vor gelassen und allein für den (Fernschach-) Spieler untersucht.

In 11 Kapiteln, hier Module genannt, stellt die Autorin ihre Erkenntnisse vor und versucht, diese für eine konstruktive Umsetzung aufzubereiten. Unter dem gewählten Rezensionsansatz sind folgende Kapitel interessant:

2 (in Teilen): Führungsvermögen: Qualitätsmanagement - Sozialkompetenz
4 (Abschnitt 4.4): Die bestmögliche Form: Fit für den Erfolg!
5: Vorbereitung auf den Gegner
6 (in Teilen): Fairplay-Verhalten im Schach
7 (in Teilen): Balancieren von Emotionen
8 (Abschnitt 8.4): Schachblindheit, Trugbilder und Aussetzer

Im Kapitel 2 wird u. a. die Leistungsmotivation behandelt. Was ist darunter zu verstehen, auf welchen Beweggründen basiert sie, wie kann man sie fördern? Welche - zwischenzeitlichen - Motivationskonflikte können auftreten? Der Fernschachspieler kann Nutzen zur Selbsterkenntnis aus den Erörterungen ziehen.
Im Fernschach ist der dem ambitionierten Turnierschach anhaftende Psychostress, unter dem die Nerven bewahrt werden müssen, weitgehend fremd. Deshalb gibt es für psychoregulative Verfahren, im Abschnitt 4.4 behandelt, eher spärlich Raum. Dass einzelne Buchhinweise zu diesem Punkt aber durchaus auch im Fernschach helfen können, zeigen behandelte Stressfaktoren wie "körperlich-geistiges Schwächegefühl, anstrengende Berufstätigkeit, Erholungsbedürftigkeit", "eine Partie aufgrund eines zu hohen Leistungsstrebens/Übermotivation verderben" und "Druckpositionen aushalten müssen, in denen der Gegner andauernde Initiative hat". Dabei werden Hinweise zur Stärkung der eigenen Potenziale gegeben.
Abgeschwächt und auf einzelne Elemente beschränkt gelten für das Fernschach auch die Regeln zum "ausgefuchsten Spiel und dem schmalen Grat zur Unfairness" aus Abschnitt 5.5. Die für das Brettschach offenen Versuche des Bluffens und Tarnens, die eine körperliche Präsenz des Gegners voraussetzen, fehlen. Phantom-Drohungen werden im Fernschach, besonders auch bei Rechnerunterstützung, schnell enttarnt. Gleiches gilt für Fallen, und echte Fingerfehler gibt es (fast) nicht. Ein Tipp, ggf. relativ viel Zeit in einfachen Situationen zu verbrauchen, um dem Gegner zu suggerieren, dass es etwas zu ergründen gebe, führt im Fernschach schnell zur Unfairness. Immerhin wird hier nicht in Minuten sondern in Tagen, Wochen und Monaten gerechnet.
Die situativen Unterschiede zwischen dem Brettschach und dem Fernschach sind zu groß, als dass der Fernschachspieler in einem bemerkenswerten Maße sowohl von "dirty tricks" betroffen werden oder diese selbst anwenden kann.
Das Kapitel 6 ("Fairplay-Verhalten im Schach") könnte als eine Grundlage zu einem eigenen Thema "Fairplay im Fernschach" genutzt werden. Auf Besonderheiten des Fernschachs übertragbare Buchausführungen sind für den Fernschachspieler von Nutzen. Nonverbale Störmanöver wie ein lautes Stuhlrücken gibt es allerdings nicht, wenn man von Geringfügigkeiten wie z.B. die Verwendungen von nicht "wertfreien" Karten beim Postfernschach o. ä. absieht. Manchmal sind im Brettschach verbotene Verhaltensweisen im Fernschach sogar regelkonform, was das Beispiel der Analyse einer aktuellen Stellung mit Dritten zeigt. Dass sich aber auch hier ab einem bestimmten Punkt die Frage nach der Grenze des Fairplay stellt (aber eher im verbalen Bereich), wird bei einer offenen Analyse der aktuellen Stellung zum Beispiel in einem Internetforum deutlich.
Für das Kapitel 7 ("Balancieren von Emotionen") gilt das schon für andere Inhalte angebrachte Urteil: Unter Berücksichtigung der Besonderheiten des Fernschachs in Teilen hilfreich auch für den Fernschachspieler. Auch Fernpartien werden unter dem Einfluss von Emotionen gewonnen und verloren. Informationen hierzu helfen beim Umgang damit und zu deren positiver Beeinflussung.
Kann ein Fernschachspieler schachblind sein? Diese Frage kommt beim Durcharbeiten des Kapitels 8 auf (Schachblindheit, Trugbilder und Aussetzer). Ganz sicher muss man nach Fernschach mit und Fernschach ohne Engineunterstützung unterscheiden. Ohne den Einsatz eines Computers kann dieses Phänomen einen Fernschachspieler zweifellos treffen. Welcher erfahrene Spieler hätte nicht ein eigenes Beispiel auf Lager? "Schachmüdigkeit und psychische Sättigung" treten zwar anders als beim Brettschachspieler auf, müssen aber auch vom Fernschachspieler erkannt und bewältigt werden.
Aber auch bei der rechnergestützten Spielführung ist der Spieler nicht vollends vor Schachblindheit etc. gefeit. Das höchste Spielniveau ist nur unter dem kritischen Einsatz zu erreichen. Dies bedeutet, dass der Vorschlag des Computers nicht vorbehaltlos oder gar unkritisch umgesetzt werden darf. So ergibt sich auch hier der besagte kleine Raum an Schachblindheit.

"Nervenkrieg - von Aura bis Zweikampf" ist ganz sicher von hohem Nutzen für Trainer, Schachlehrer und Spieler, an die sich das Werk ausdrücklich richtet. Es hat diesen Wert natürlich auch für den Fernschachspieler, der daneben das Brettschach pflegt. Für denjenigen, der allein das Fernschachspiel betreibt, ergibt sich ein Nutzen wie beschrieben.

Dem Buch ist aber ein allgemeiner Nutzen für alle Spielerinnen und Spieler beizumessen: Es ist ganz sicher ein Werk, dass die Selbsterkenntnis fördert und Möglichkeiten und Wege zur Selbstbeeinflussung aufzeigt.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.

(Uwe Bekemann)


 

The Berlin Wall

The Berlin Wall

John Cox
The Berlin Wall
328 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008
ISBN: 978-9185779-02-4
23,99 Euro.




John Cox: The Berlin Wall
"The Berlin Wall" von John Cox ist ein Lehrbuch über die Berliner Verteidigung in der Spanischen Partie, das dem Leser die Eröffnung "von der Pike auf" näher bringt. In seiner positionellen Einführung bezeichnet der Autor die Zugfolge 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.0-0 Sxe4 5.d4 Sd6 6.Lxc6 dxc6 7.dxe5 Sf5 8.Dxd8+ Kxd8 als das Herz des Buches.
John Cox beginnt seine Arbeit jedoch mit der Erörterung der typischen Endspiele, die sich über die Themaeröffnung ergeben. "Man kann keine Eröffnung lernen, ohne die typischen Endspiele zu betrachten", begründet er sein Vorgehen. "Und dies gilt mehr noch für die Berliner Verteidigung als für die meisten anderen". In der vom Autor gewählten Folge werden u.a. folgende Endspiele in den nach der Berliner Verteidigung beiderseits erreichten Strukturen untersucht: Bauernendspiele, Springerendspiele, Springer gegen den schwarzfeldrigen sowie den weißfeldrigen Läufer, Läufer gegen Springer, gleichfarbige und ungleichfarbige Läufer, Turmendspiele etc.
Das folgende Kapitel widmet sich der Betrachtung der wichtigsten positionellen Wendungen und Stellungen. Hier geht um Dinge wie "weißer Durchbruchsversuch mit e5-e6", "weißes Bauernopfer auf e5", "Angriffe mit den Turmbauern", "Schlagen des schwarzen Läufers auf d5" usw. Diese Motive zählen zum Repertoire des Anziehenden, um aus dem schwarzen Entwicklungsnachteil und der weniger harmonischen Figurenaufstellung Kapital zu schlagen. Weiter erörtert wird dann, wie Schwarz klassisch seine Blockadestellung aufbaut und den weißen Überwindungsversuchen begegnet. Die sich dabei ergebenden Motive und Problemstellungen werden ausführlich behandelt.

Die "eigentliche" Theorie zur Berliner Verteidigung wird "erst" ab dem 4. Kapitel (Seite 135 ff.) ausgeführt. Hier klassifiziert der Autor das Material in die verschiedenen Systeme wie "...Se7 ohne und mit h3" oder "System mit ...Ld7" usw. Die Erörterung erfolgt anhand gespielter Partien aus der Meisterpraxis, die fast alle in den Jahren 2001 bis 2007 gespielt worden sind.

Das Werk richtet sich an den Leser, der die Berliner Verteidigung im echten Wortsinn erlernen möchte. Es sollen nicht einfach Varianten gepaukt werden, die dann in einer Partie aus der Erinnerung auf das Brett gebracht werden mit der Gefahr, dass am Ende der Gedächtnisleistung auch das Ende der "Spielkunst" erreicht ist. Es wird eine Harmonie aus Eröffnungstheorie und eigener Spielanlage, Spielfortsetzung und Spielführung insgesamt angestrebt bis hin zum erfolgreichen Abschluss im Endspiel. Mit einem "kleinen Köfferchen" an Theorie kann der Spieler die Wahl der Berliner Verteidigung am Brett wagen.

Das Konzept ist überzeugend. Was dahinter steht, wird deutlich, wenn man die Titel der beiden Teile, in denen Cox dem Leser das Material anbietet, einbezieht. Während er Teil 2 mit "Theorie der Berliner Verteidigung" bezeichnet hat, heißt Teil 1 "Die Berliner Verteidigung verstehen".

Für das Erlernen der Eröffnung besonders geeignet ist das Fernschachspiel, ausdrücklich auch auf der Basis dieses Buches. Mit der hier eröffneten Zeit und Muße kann der Spieler dem Konzept des Buches folgend schon in der Eröffnung auch die sich anbahnenden Endspielstrukturen berücksichtigen und beeinflussen, die positionellen Motive an der eigenen Partie analysieren usw. Deshalb ist das Buch nicht nur eine allgemeine Empfehlung sondern eine besondere Empfehlung an den Fernschachspieler mit einem noch unbefriedigten Interesse an dieser Eröffnung.

Ein Variantenverzeichnis gibt es übrigens auch. Die Anforderungen an die englischen Sprachkenntnisse sind mit Schulenglisch erfüllt.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.

(Uwe Bekemann)


 

Who is the Champion of the Champions?

Who is the Champion of the Champions?

Dr. Fritz Baumbach
Who is the Champion of the Champions?
224 Seiten, Hardcover, 1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-935-80004-4
24 Euro.




Dr. Fritz Baumbach: Who is the Champion of the Champions?
Die Frage „Who is the Champion of the Champions“, also nach dem besten aller Weltmeister im Fernschach, beantwortet auch das gleichnamige Buch von Dr. Fritz Baumbach nicht. Dennoch ist der Titel vorzüglich gewählt, denn dem Leser wird ein Fächer von Partien, Geschichten und Geschichtchen, Anekdoten sowie mal Amüsantem und mal eher Nüchtern-Analytischem geboten, der das Beste im Repertoire der Weltmeister im Fernschach repräsentieren dürfte. Dabei wird durchgängig klar, dass dieses Werk von einem Insider geschrieben worden ist, dem seinerseits ehemaligen Weltmeister Dr. Baumbach. Ihm standen die Türen offen, die für ein solches Buch gebraucht werden. Originalanalysen der Weltmeister, Interviews, persönliche Mitteilungen – alles dies hätte einem anderen Autor nicht zur Verfügung gestanden, trägt in Baumbachs Werk zur Brillanz bei.

In vier Kapiteln, von denen eines in Deutsch verfasst ist, während das Buch sonst durchgängig „englisch ist“, werden die Weltmeister vorgestellt. Im Kapitel 1, das den ersten Weltmeistern gewidmet ist, sowie im Kapitel 3, Porträts der aktuellen Weltmeister, werden die Titelträger mit Text und Bild sowie Partien aus den erfolgreich geführten Weltmeisterschaftsturnieren vorgestellt. Das Kapitel 2 zu den Weltmeistern „zwischen diesen Epochen“ folgt grundsätzlich dem gleichen Aufbau. Allerdings werden die Meister nicht anhand von Weltmeisterschaftspartien porträtiert sondern mit Partien aus dem Jubilee Tournament, das von 2001 bis 2005 als „Turnier der Weltmeister“ gespielt wurde. In diesem Teil sind jedem Spieler mehrere Partien gewidmet.

Soweit keine Originalanalysen und –kommentare vorlagen oder diese ergänzt werden mussten, z.B. aus Gründen der Aktualität, kommen neben Dr. Baumbach auch die beiden Co-Autoren und Großmeister Robin Smith und Rolf Knobel zu Wort. In den Partieanmerkungen ist jeweils durch Angabe der Initialen kenntlich gemacht, aus wessen Feder sie stammen.

Dem deutschsprachigen Leser ist besonders das 4. Kapitel gewidmet, das in unserer Landessprache verfasste „Weltmeister-Kaleidoskop“. Lesen und Spielen, so lautet die Devise hier. Die Texte sind unterhaltsam und informativ, die Partien allesamt bestes „Fernschach-Kino“.

Wenn ein Fernschachbuch einen Zeitraum von 1953 bis 2008 behandelt, berührt es an manchen Punkten auch die Welt der Politik. Ich möchte dies mit einem Buchzitat untermauern, das der Seite 181 entstammt. Eine anlässlich der X. Fernschach-Olympiade zwischen F. Baumbach (DDR) und K.-H. Maeder (BRD) von 1987 bis 1991 gespielte Partie überschritt im doppelten Sinn die Staatengrenze. Zur am 3. Oktober 1990 entstandenen Stellung schrieb Dr. Baumbach seinem Partner: „Jetzt sind wir Landsleute. Kurios, dass wir in verschiedenen Olympiamannschaften spielen“. Derartige Ausflüge bereichern das Werk an einigen Stellen.

Die Qualität eines Buches wird auch von dessen formeller Akkuratesse bestimmt. Auch in diesem Punkt verdient „Who is the Champion of the Champions“ eine Bestnote – fester Einband, blitzsauberer Druck, astreine Rechtschreibung. Und für die Statistikfreunde gibt es neben Verzeichnissen der Quellen, Spieler und Eröffnungen auch noch Tabellen der bisherigen WM-Turniere und der bisherigen Weltmeister.

Wenn es überhaupt etwas zu bekritteln gibt, dann nur zum Coverbild. Es wirkt auf mich etwas kitschig, aber das ist Geschmacksache.

„Who is the Champion of the Champions“ ist eine glatte Kaufempfehlung, eine echte Bereicherung für jede Sammlung.

(Uwe Bekemann)


 

starting out: d-pawn attacks

starting out: d-pawn attacks

Richard Palliser
starting out: d-pawn attacks
272 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008
ISBN: 978-1-85744-577-0
20,95 Euro.




Richard Palliser: starting out: d-pawn attacks
"starting out: d-pawn attacks" ist das neueste Werk von Richard Palliser, IM von der britischen Insel. Das Buch stellt dem Leser auf insgesamt 272 Seiten mit den drei Eröffnungen Colle-System, Barry-Angriff und 150-Angriff einen Fächer an Möglichkeiten für den mit 1.d4 anziehenden Spieler vor, ohne ein vollständiges Repertoire anbieten zu wollen (der Begriff "150-Angriff" ist vor allem auf der britischen Insel für die Zugfolge 1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Le3 als Zugumstellung bzw. 1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 g6 4.Sf3 Lg7 5.Le3 im "Original" gebräuchlich). Den größten Raum nimmt das Colle-System ein (Kapitel 1 bis 4, 180 Seiten). Dem Barry-Angriff sind zwei Kapitel (57 Seiten) gewidmet, sodass zuletzt noch ein Kapitel (21 Seiten) für 150-Angriff verbleibt.

Das Material wird in der für die Bücher aus der "starting out:"-Serie typischen Weise behandelt. Einer Einführung auf der Basis der oder einer Hauptlinie schließt sich eine "Theoretisches Fazit (Theoretical conclusion)" an, dem dann ausgewählte Partien folgen. Sich hieraus ergebende Punkte, die sich der Lernende einprägen sollte, werden zusätzlich zu den ausführlichen Partiekommentaren nachgestellt. Die obligatorischen Anmerkungen, Tipps und Warnungen werden im Text hervorgehoben, die Symbole Klemmbrett, Glühbirne und Totenkopf zeigen den jeweiligen Tenor unmissverständlich an.

Das verwendete Material aus der Praxis ist sehr aktuell. So stammen 24 der insgesamt 34 illustrativen Partien aus den Jahren 2000 bis 2007. Zwei Partien hat das Fernschach beigesteuert.

Ein Variantenverzeichnis am Schluss des Buches erlaubt dem Leser die gezielte Suche nach Abspielen.

Nach dem Rückentext richtet sich "starting out: d-pawn attacks" hinsichtlich des Niveaus an Club- und Turnierspieler. Ihnen gibt der Autor in der Einführung nicht das Versprechen, dass sie sich mit den behandelten Eröffnungen einen Vorteil gegen einen gut vorbereiteten und erfahrenen Spieler sichern. Da der durch das Studium des Buches geschulte Leser jedoch oftmals am Brett einen Wissensvorsprung haben wird, ist in der Praxis nicht selten ein gewisser Vorteil wahrscheinlich.

Im Fernschach verliert das Argument des Wissensvorsprungs in der heutigen Zeit gegenüber dem Nahschach an Aussagewert, da dem Gegner die Zeit und die Hilfsmittel zur Verfügung stehen, um dem Vorsprung des Partners Paroli zu bieten. Die vorgestellten Systeme versprechen ähnlich gut präparierten Partnern ein in etwa ausgeglichenes und kampfbetontes Spiel.
Mit "starting out: d-pawn attacks" im Rücken oder in Begleitung sollten die Fernpartien von der Offenen Klasse bis hin zur Meisterklasse des Deutschen Fernschachbundes e. V. solide ins Mittelspiel geführt werden können.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


(Uwe Bekemann)


 

how to beat the French defence

how to beat the French defence

Andreas Tzermiadianos
how to beat the French defence
320 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008
ISBN: 978-1-85744-567-1
21,95 Euro.




Andreas Tzermiadianos: how to beat the French defence
how to beat the French defence nimmt sich der Warte des Weißspielers im Kampf gegen die Tarrasch-Verteidigung in der Französischen Verteidigung an. Dabei bietet das Werk dem Anziehenden ein komplettes Repertoire an, das darauf gerichtet ist, die Probleme des Schwarzen im Aufbau herauszustellen und dem Weißen so einen Eröffnungsvorteil zu verschaffen.
Überzeugend ist der gewählte Aufbau. Nach allgemeinen Ratschlägen zum Thema, wie sich der Spieler zum Kenner einer Eröffnung machen kann, widmet sich das Kapitel 2 der Strategie im Mittelspiel. Es soll dem Leser dazu verhelfen, die grundlegenden Ideen zur Französischen Verteidigung zu verstehen. Allgemeines zur Strategie im Schach wird an Hand von Partiebeispielen und Fragmenten speziell zur Themaeröffnung vorgestellt und erörtert.
Im dritten Kapitel werden die typischen Endspielstrukturen behandelt. Die sich aus der Eröffnung ergebenden Bauernstrukturen bilden den Kern aller Erörterungen, hinzu tritt die Betrachtung des weißen Läuferpaars gegen Springer und Läufer beim Nachziehenden bei einem weißen Bauerngewicht auf dem Damenflügel.
In den Kapiteln 4 bis 22 stellt der Autor dann das Repertoire zusammen, wobei sich die Gliederung an den möglichen schwarzen Antworten ausrichtet. Ungewöhnliche Antworten in den verschiedenen Linien werden jeweils gemeinsam in einem Kapitel behandelt, während sich sonst jedes Kapitel je einem Abspiel widmet.
Ein Variantenverzeichnis am Ende des Buches erlaubt die zielorientierte Suche nach speziellen Fortsetzungen.

Der Rückentext des Buches verspricht eine Fülle an Eröffnungsideen und Neuerungen. Dieses Versprechen wird auch tatsächlich gehalten. Beispielhaft ist das Kapitel 9 zu nennen, in dem die einleitende Zugfolge 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 c5 4.Sgf3 cxd4 5.exd5 Dxd5 auf 42 Seiten untersucht wird. Zu 5...Dxd5, dem Nachziehenden von Watson in "Play the French" vorgeschlagen, gibt es noch reichlich Raum für eigenen Forscherdrang. Die Zugfolge ist geradezu für ein künftiges Thematurnier des Deutschen Fernschachbundes e. V. prädestiniert.

Bemerkenswert ist die Zahl der referenzierten Partiefragmente aus dem Fernschach.

Im Vorwort gibt der Autor u.a. folgenden Ratschlag: "Versuche für jeden Zug die dahinter stehende Idee zu verstehen. Verlass dich nicht blind auf Analysen von Engines, sondern nutze sie nur als zusätzliches Hilfsmittel zur Überprüfung deiner eigenen Analyse." Ob dem Autor bewusst war, wie exakt er den Ratschlag an Fernschachspieler getroffen hat, aber für den gesamten Partieverlauf, wenn der Nutzen des Computereinsatzes im Fernschach diskutiert wird?

how to beat the French defence ist ein sehr gelungenes Buch, das zudem keine großen Anforderungen an englische Sprachkenntnisse stellt - wer den Rückentext gemeistert hat, hat die schwierigste Passage überhaupt hinter sich.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


(Uwe Bekemann)


 

Fighting the Anti-King´s Indians

Fighting the Anti-King´s Indians

Yelena Dembo
Fighting the Anti-King´s Indians
206 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008
ISBN: 978-1-85744-575-6
20,95 Euro.




Yelena Dembo: Fighting the Anti-King´s Indians
Fighting the Anti-King's Indian ist ein Repertoirebuch sowohl für Weiß als auch für Schwarz, auch wenn es aus dem Blickwinkel des Nachziehenden geschrieben worden ist. Der Ansatz war: "Ich möchte Königs- oder Grünfeld-Indisch spielen, aber Weiß vermeidet diese Systeme durch eine frühe Abweichung. Welche Abweichungen habe ich zu erwarten und wie kann ich dagegen spielen?" Weiß erhält dem gegenüber ein Standardprogramm zur Vermeidung der genannten Systeme mit einem Überblick der, nach Meinung der Autorin, besten Waffen des Schwarzen gegen die Abweichungen.
In 12 Kapiteln werden einzelne Systeme wie der Trompowsky-Angriff (1.d4 Sf6 2.Lg5), das Colle-System (1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.e3), das Blackmar-Diemer-Gambit (BDG) (1.d4 Sf6 2.Sc3 d5 3.e4) etc. wie auch Zugfamilien (z. B. verschiedene Fortsetzungen im 2. Zug oder königsindische Strukturen in der englischen Eröffnung) behandelt.

Die Autorin, u.a. Dritte der Damen-WM 2005, lässt den Leser nicht im Zweifel, was sie von der einen oder anderen Eröffnung hält. Dem naturgemäß subjektiven Urteil muss man natürlich nicht immer folgen. So werden die Anhänger des BDG dessen Chancen besser als die Autorin einschätzen. Immer aber klärt sie den Leser auf, warum sie so und nicht anders urteilt.

Zu den großen Stärken des Buches zählen die strategischen Erläuterungen zu jeder Eröffnung und die sorgfältigen Ausführungen zu den jeweiligen taktischen Möglichkeiten. Diese Inhalte sind zahlreich im Buch zu finden.

Fighting the Anti-King's Indians ist eine Empfehlung für Spielerinnen und Spieler bis hin zu einem guten Clubniveau und für alle, die ein Repertoire im (anti-) königsindischen und grünfeldindischen Dschungel suchen. Dies gilt in gleicher Weise für die Fernschachspielerinnen und -spieler.
"Normale" Englischkenntnisse aus der Schulzeit reichen aus, um das Werk aufnehmen zu können.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


(Uwe Bekemann)


 

The Genius and the Misery of Chess

The Genius and the Misery of Chess

Zhivko Kaikamjozov
The Genius and the Misery of Chess
224 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008
ISBN2: 978-0-9791482-3-1
17,95 Euro.




Zhivko Kaikamjozov: The Genius and the Misery of Chess
Dem Buch "The Genius and the Misery of Chess" ist etwas gelungen, was schon lange kein Werk im Schachbuchsektor mehr erreicht hat - ich musste es von Anfang bis Ende beinahe ohne Pause durchlesen. Es ist eine fesselnde Dokumentation sowohl der Größe und der Erfolge der besten Schachspieler (und Schachspielerinnen) ihrer Zeit bis in unsere Tage als auch der Pein und des Elends, in denen nicht wenige von ihnen ihren Alltag meistern mussten, bis hin zur schlimmsten Armut, Krankheit, Sieche und Tod, allzu oft auch in jungen Jahren. Nun könnte man meinen, dass es ohnehin nicht mehr viel gibt, was nicht schon irgendwo hierzu geschrieben worden ist. Die Annahme, das Buch könne kaum noch etwas Neues bringen, dürfte für die meisten Schachfreundinnen und Schachfreunde fehl gehen. Seit rund 33 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit fast allem, was mit Schach zu tun hat. Ich habe immer mit großem Interesse schachgeschichtliche Publikationen gelesen und könnte Antwort auf so manche Frage zu früheren Meistern, Turnieren usw. geben. In "The Genius and the Misery of Chess" aber habe ich eine Vielzahl mir bisher noch verborgen gebliebener Informationen gefunden.

Kennen Sie As-Suli? Ihm, einem arabischen Meister, der vor mehr als tausend Jahren gelebt hat, widmet das Buch das erste Porträt und damit einen Blick durch ein Fenster in die damalige Zeit. Über Gioachino Greco und weitere Meister folgt der Autor dem Lauf der Zeit. Zu Isidor Gunsberg erfährt der Leser, dass er Stunden lang im "Schachautomaten" Mephisto hockte, um Geld für die Unterstützung seiner Familie zu verdienen, er diese Beschäftigung aber aufgab, als er beinahe Opfer eines Brandunfalls geworden wäre, weil ihm nicht die schnelle Flucht gelang. Wir kennen viele frühere deutsche Schachgrößen. Auch Gustav Neumann, dessen Mentor Adolf Anderssen war und der zu den größten Spielern seiner Zeit zählte?
Im zweiten Weltkrieg fanden Klaus Junge und Mark Stolberg den frühen Tod, Stolberg noch vor Vollendung seines 20. Lebensjahres. Der Leser erfährt die Umstände, unter denen den Spielern das Leben genommen worden ist, wie einiges darüber, wie es bis dahin verlief. Das letzte Kapitel ist Magnus Carlsen gewidmet, womit der Autor seine Reise in unserer Zeit und bei unseren Meistern, Wunderkindern und Hoffnungsträgern abschließt. Am Ende des Buches angekommen ist der Leser um vieles aus dem Leben und Wirken von insgesamt 48 Schachspielerinnen und Schachspielern reicher.

Das Buch ist eine echte Leselektüre, die um besondere Partiebeispiele der jeweiligen Meister ergänzt worden ist. Der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf dem Lesen. Der Schreibstil ist unterhaltsam, nicht nur in dem Kapitel, in dem sich der Autor Savielly Tartakowers Aphorismen ("Tartakowerismen") widmet (Beispiel: "Wenn du etwas riskierst, kannst du verlieren, wenn du aber nichts riskierst, wirst du auf jeden Fall verlieren").
Da das Werk in Englisch verfasst ist, sind zumindest entsprechende Schulsprachkenntnisse erforderlich. Mit diesen kommt man aber gut zurecht, nur bisweilen benötigt man ergänzend ein Wörterbuch.

Der Autor Zhivko Kaikamjozov ist kein Unbekannter. Unter anderem als Funktionär der bulgarischen Schachföderation, als internationaler Schiedsrichter, als Mitglied im FIDE Zentralkomitee und Autor von 33 Schachbüchern hat er sich einen Namen gemacht.

Ich empfehle den Kauf des Buches ohne Einschränkung und wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Vergnügen!

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


(Uwe Bekemann)




 

Pawn Sacrifice! Winning at chess the adventurous way

Pawn Sacrifice! Winning at chess the adventurous way

Timothy Taylor
Pawn Sacrifice!, Winning at chess the adventurous way
239 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008
ISBN2: 978-1-85744-565-7
17,95 Euro.




Timothy Taylor: Pawn Sacrifice!, Winning at chess the adventurous way
IM Timothy Taylor ist es gelungen, die Welt der Bauernopfer im Schach sowohl systematisch und lehrreich als auch unterhaltsam aufzubereiten. Das in Englisch erhältliche Buch kann mit Schulsprachkenntnissen und vielleicht noch für wenige besondere Bedarfsfälle einem zur Hand genommenen Wörterbuch gut verstanden werden.

In Anlehnung an die Systematik Rudolf Spielmanns in dessen Buch "Richtig Opfern" klassifiziert Taylor die Bauernopfer in 12 Kategorien, sodass er vier Kategorien mehr als sein Vorbild findet. Jeder Opfervariante ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Die Unterteilung ist klar, verständlich und nachvollziehbar, sie wirkt trotz der Detaillierung nicht gekünstelt.

Zur Behandlung jedes Opfers werden Partien herangezogen, z. B. vom Autor selbst gespielte, die die jeweiligen Eigenheiten besonders treffend und unterhaltsam zeigen.

Ein Plus sind die jeweils aufgezeigten "Favourable Omens". Diese begründen, warum die Stellung reif für das Bauernopfer ist.

Ist das Buch auch ein Gewinn für den Fernschachspieler, der sich nicht im Nahschach betätigt? Die Antwort lautet "ja", wenn man das Kapitel 12 "Confusion" (Opfer, die Verwirrung stiften sollen) vielleicht ein wenig ausklammert. Der Autor hat alle markanten Stellungen mit Fritz überprüft. Nicht selten hätte Fritz anders gespielt, nicht immer mit mehr Aussicht auf Erfolg und fast immer mit weniger Schachspaß!

Pawn Sacrifice!, das nur mit echten Opfern arbeitet, ist eine glatte Empfehlung für alle, eindeutig auch für den Fernschachspieler.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach E. Niggemann (www.schachversand.de) zur Verfügung gestellt.


(Uwe Bekemann)