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Fred Kunzelmann, Chemnitz

Vorgestellt in einem Artikel der Freie Presse (Chemnitz) vom 01.04.2005. Der Abdruck auf der Homepage des BdF erfolgt mit freundlicher Genehmigung der "Freie Presse".

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Artikel im Original

Fred Kunzelmann

Artikel (Text)

Europameisterschaft mit Vorrunde dauert sechs Jahre

Fred Kunzelmann spielt leidenschaftlich gern Fernschach - Computertechnik hat die gute alte Postkarte abgelöst

Von Matthias Schmidt
Früher war vieles anders im Fernschach. Damals gab es nichts außer Postkarten, mit denen Fred Kunzelmann quer durch ganz Europa bis in die tiefsten "sozialistischen Bruderländer", aber auch hinüber nach Amerika Schach spielen konnte. "Da dauerte eine Partie schnell mal einige Monate, wenn die Postkarten wochenlang unterwegs waren", erinnert sich der 64-Jährige. Heute gibt es zwar immer noch die gute alte Postkarte, doch die meisten Spiele und Turniere absolviert er inzwischen mit modernster Computertechnik, verschickt seine Züge per E-Mail oder zieht direkt auf einem Server.
Dabei saß er schon als kleiner Junge vor einem Schachbrett, auf der anderen Seite sein Vater, der ihm das Spiel beibrachte. Mit zehn Jahren gehörte er einer Männermannschaft an, wurde bei den Schülern und in der Jugend mehrfach Kreismeister in Chemnitz. "1972 habe ich dann mit dem Fernschach angefangen, weil mir während des Studiums und später im Beruf als Arzt einfach die Zeit fehlte, um ernsthaft Nahschach spielen zu können", erzählt der Chemnitzer. So kam es, dass er anfing, Postkarten zu schreiben, und zu bekommen. "Fernschach verbindet, die meisten Spieler stellen sich erst einmal vor, und dann bleibt man in Kontakt. In Deutschland gibt es etwa 3500 organisierte Fernschachspieler. Dazu kommen noch viele, die einfach so für sich mit anderen spielen, sodass es an die 5000 aktive Spieler sein werden", verdeutlicht Kunzelmann.
Wobei sich längst nicht alle auf seinem Niveau bewegen: Schon nach drei Jahren spielte er in der Meisterklasse, nahm an zwei DDR-Pokalfinals und den DDR-Meisterschaften teil. Nach der Wende kam 1996 seine erste Europameisterschaft, und nachdem er 1998 zum Internationalen Meister ernannt wurde, folgte 2001 der nächste Schritt: Er wird "Verdienter Internationaler Meister". Zum Großmeister hat mir jetzt bei zwei Turnieren jedes Mal nur ein halber Punkt gefehlt, aber es wird schon noch werden", ist sich der ehemalige Radiologe sicher.
So hat er im Lauf der mehr als 30 Jahre Hürde um Hürde genommen, bis hin zu den ganz großen Turnieren. "Derzeit spiele ich mit der deutschen Nationalmannschaft die Mannschafts-EM. Im Sommer beginnt die Endrunde der Einzel-EM, und mit drei anderen Fernschachspielern spiele ich in der Champions-League. Dazu bin ich noch mit "Zugzwang Bocholt" in die 1. Bundesliga aufgestiegen", nennt er die wichtigsten Turniere, die sich zum Teil enorm in die Länge ziehen. "So eine Europameisterschaft mit Vorrunde dauert sechs Jahre", beschreibt er die Zeiträume, in denen Fernschachspieler denken.
Dabei schätzt Kunzelmann die Vorzüge des Fernschachs. "Man kann in aller Ruhe zu Hause die Partien analysieren, wenn man gerade Zeit hat - im Übrigen geht das nicht mehr ohne Computer", beschreibt er die Bedingungen. Die moderne Servertechnik sei gerade dabei, das Fernschach um eine Variante zu erweitern. "Man wählt sich ein, macht seinen Zug, und der andere kann gleich nachziehen. Es gibt da inzwischen richtige Blitzschachturniere." Er selbst zieht da seit einiger Zeit das gute alte Nahschach vor, sitzt bei der USG Chemnitz vor dem Brett und ist auch bereit, als Ersatzspieler einzuspringen. "Wie ein Marathonläufer im Sprint nicht viel bringt, habe ich dort noch einiges aufzuholen. Aber es macht mir viel Freude, auch wenn das Fernschach seine Bedeutung für mich behält", schmunzelt Fred Kunzelmann.

- www.bdf-fernschachbund.de