Priepke,Wolfgang (2159) - Bakos,Andreas (2028) [A70]
BdF, KE-34/1, 2004
[Priepke,Wollfgang]



1.d4
Eine Premiere.Mit diesem Zug habe ich zuletzt vor 20 Jahren eine Partie eröffnet.Da ich dieses Turnier "nur" als Gastspieler für den SV Friesen-Lichtenberg spielte,fühlte ich mich zu einer soliden Spielanlage verpflichtet und der Zug 1.d4 genießt den Ruf besonderer Nachhaltigkeit.

1...Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 c5
Die Idee des Nachziehenden besteht in einem Druckspiel auf den schwarzen Feldern verbunden mit einem heftigen Ggenspiel am Damenflügel. Die typischen schwarzen Hebel gegen das weiße Zentrum sind b5 und f5. Was mich gegen diese Eröffnung skepzisch macht ist die Tatsache ,dass sie in der absoluten Weltspitze sehr selten gespielt wird. Der Hauptnachteil für Schwarz besteht darin, dass eine harmonische Entwicklung des Damenflügels oft sehr schwer ist.

4.d5 exd5 5.cxd5 d6 6.Sc3 g6 7.Lf4
Eine ausgesprochen nachhaltige Fortsetzung. Weiß plant das Manöver Sd2-Sc4 mit Spiel gegen d6. Im Gegensatz zu dem System mit Lg5 hat Schwarz hier nicht die Möglichkeit, durch Angriff auf den Līzu Gegenspiel zu kommen.

7...a6
Dass dieser Zug an dieser Stelle gespielt werden muss, ist an für sich erfreulich. Das Manöver Sa6 gefolgt von Sc7, Tb8 und Ld7, das den Vorstoß b5 vorbereitet, ist damit vom Tisch. Mit dem Textzug statt 7...Lg7 weicht Schwarz folgender Variante aus: [ 7...Lg7 8.Da4+ Ld7 9.Db3 Dc7 10.e4 0-0 11.Sd2 Sh5 12.Le3 f5 13.exf5 gxf5 14.Le2 Le8 ( 14...f4 15.Lxc5 f3 16.Lxf3 Dxc5 17.Sde4 Lxc3+ 18.bxc3 Te8 19.0-0 Dc7 20.Tfe1 Txe4 21.Txe4 Sg7 22.Tc4 Db6 23.Tb4 Dd8 24.Txb7 Sa6 25.Da3 Sc5 26.Txa7 Tb8 27.Da5 Df8+- ) 15.Sf3 f4 16.Ld2 De7 17.0-0 Lxc3 18.Lxc3 Dxe2 19.Dxb7 Da6 20.Dxa8 Ld7 21.Tfe1 Sc6 und hier hatte ich ein durchschlagendes Damenopfer vorbereitet. 22.dxc6! Txa8 ( 22...Lxc6 23.Dxf8+ Kxf8 24.Sg5 Ld5 25.Tad1 Dc4 26.f3 h6 27.Se4 Lxe4 28.Txe4 Dxa2 29.Txd6+- und die aktiven Türme sind der Dame überlegen.) 23.cxd7 und Schwarz ist gegen das Manöver Te7 gefolgt von Tae1 und Te8+ vollkommen hilflos.]

8.a4
Hier bestand die Möglichkeit, der brilliant geführten Fernpartie Kuuskma-Salceanu, XVI. EU-FSMM, 1979, zu folgen: [ 8.e4 b5 9.De2 Ta7 10.e5 Te7 11.Le3 Sg4 12.Se4 dxe5 13.d6 Td7 14.Lg5 f6 15.Sxf6+ Sxf6 16.Sxe5 Da5+ 17.Ld2 Da4 18.Sc4+ Te7 19.dxe7 1-0, doch mit 9...Le7 oder 9...Sh5 stehen dem Schwarzen aussichtsreiche Gegenmittel zur Verfügung, so dass ich von dieser verpflichtenden Fortsetzung absah.]

8...Lg7
[ 8...De7 9.h3 Sbd7 10.e3 Lg7 11.Le2 0-0 12.0-0 Tb8 ( 12...b6 13.Te1 Tb8 14.Lf1 Sh5 15.Lg5 f6 16.Lh4 g5 17.Sd2 gxh4 18.Dxh5 f5 19.f4 Sf6 20.Df3 Te8 21.Ld3 1/2-1/2 Vegh,E - Wahls,M, Budapest 1988) 13.Te1 Se8 14.e4 Se5 15.Sxe5 Lxe5 16.Lxe5 Dxe5 17.Dd2 Sf6 18.Lf1= ]

9.e4
[ Schwächer sind 9.e3 ; 9.h3 ]

9...0-0
[ Gut spielbar war 9...Lg4 10.Le2 0-0 11.0-0 Lxf3 12.Lxf3 De7 13.Te1 Sbd7 14.a5 Tab8 15.Sa4 Se8 16.Tb1 Sc7 17.b4 cxb4 18.Txb4 Sb5 19.Dd2 Tfc8 20.Lg4 Tc7 21.Lxd7 Dxd7 22.Sb6 De8 23.Txb5 Lc3 24.Dc2 Dxb5 25.Lxd6 Lxe1 26.Lxc7 Tf8 27.d6 f5? ( 27...Lxa5 28.Sd5 Kg7= ) 28.e5? ( 28.Da2+ Tf7 29.d7+- ) 28...Lxa5 29.Da2+ Kg7 30.Sd5 Lxc7 31.dxc7 Dc5 32.g3 Tc8 33.e6 Dc1+ 34.Kg2 Dc6 35.Db2+ Kh6 36.Dd2+ Kg7 37.Dd4+ Kg8? ( 37...Kh6= ) 38.De5! Txc7 39.Kh3 Tg7 40.Db8+ 1-0, Browne,W - Cebalo,M, Taxco 1985]

10.Sd2 Sh5 11.Le3 Sd7 12.Le2 Se5 13.0-0
[ Zu direkt wäre 13.f4 Sd7 14.0-0 Shf6 15.Sc4 Sb6 16.Sxb6 Dxb6 17.e5 Sd7 18.a5 Dxb2 19.Dd3 b5= ]

13...Sf6
Die Alternative ist [ 13...Dh4 14.f4 Sg4 15.Lxg4 Lxg4 16.De1 Zu weißem Vorteil führt 16...Dxe1?! ( >=16...De7 17.Df2 Tfe8 18.Tae1 b5 19.axb5 axb5 20.Sxb5 Teb8 ( 20...Tab8 21.Sa3 Lc8 22.e5 dxe5 23.fxe5 Dd7 24.Sdc4 La6 25.Lxc5 Lxc4 26.Sxc4 Dxd5 27.Sb6 De6 28.Ld6 Tb7 29.Sa4 Dc4 30.Sc5 Ta7 31.Te4 Dd5 32.g4 Lxe5 33.Lxe5 Txe5 34.Txe5 Dxe5 35.Sd3 De7 36.gxh5 Td7 37.Sf4 Db4 38.h6 Td2 39.De3 1-0) 21.Sa3 Sf6 22.Sac4 Sxe4 23.Lxc5 Sxf2 24.Txe7 dxc5 25.Kxf2 Lxb2 26.Kg3 Lf6 27.Tc7 Le2 28.Tf2 Te8 29.d6 Tad8 30.d7 Te6 31.Tc8 Lxc4 32.Sxc4 Kf8 33.Txd8+ Lxd8 34.Kf3 Ke7 35.Td2= ) 17.Taxe1 Tfe8 18.h3 ( 18.Sc4+/= ) 18...Ld7 ( 18...Sg3 19.hxg4 Sxf1 20.Kxf1 h6 21.a5 Tad8+- ) 19.Sc4 Lf8 20.e5 b5 21.Sb6 Tad8 22.g4 Sg3 23.Tf3 b4 24.Sd1 Se4 25.Sf2 Sxf2 26.Lxf2 h5 27.gxh5 gxh5 28.b3 Lf5 29.Lh4 Le7 30.Lxe7 Txe7 31.Kf2 Lc2 32.Tg1+ Kf8 33.Tfg3 Lh7 34.Sc4 dxe5 35.d6 Te6 36.fxe5+- ]

14.Lg5N
[ 14.h3 Te8 15.Te1 Tb8 16.Tb1 Dc7 17.Dc2 h6 18.f4 Sed7 19.Ld3 Sh5 20.Dd1 Sb6+/= Der Textzug provoziert vordergründig eine Schwächung des Königsflügels. Sein Hauptzweck ist aber, den Läufer früher oder später wieder auf die thematische Diagonale h2-b8 überführen zu können, ohne dass z.B. nach Einschaltung von h3 eine erneute Belästigung durch den Sh5 möglich sein wird.]

14...h6 15.Lh4 Te8
[ 15...g5?! Schwächt f5 16.Lg3 De7 ( 16...Te8 17.Dc2 Tb8 18.a5 Sfd7 19.Sd1 Sf8 20.Se3+/- ) 17.Dc2 Sfd7 18.Sd1 Sg6 19.Lg4 Ld4 20.Sc4 Sge5 21.Sde3 Df6 22.Lxd7 Lxd7 23.Sb6 Tad8 24.Sxd7 Txd7 25.Sf5 Und die weiße Position ist deutlich besser. Zur Vorbereitung des thematischen Vorstoßes e5 stehen nun folgende Züge zur Auswahl: f4, Tae1, Lg3 und a5 ]

16.Dc2
Der Textzug vollendet die weiße Entwicklung. Schwarz muss noch das Hauptproblem der Benoni-Verteidigung lösen, die Entwicklung seines Damenflügels. Die Benoni-typischen Vorstöße f5 oder b5 liegen in weiter Ferne. [ 16.f4 Sed7 17.Sc4 Sb6 18.Se3 Dc7 19.a5 Sbd7 20.Dc2 b5 21.axb6 Sxb6 22.Lxf6 Lxf6 23.e5 dxe5 24.Se4 Lg7 25.d6 Dd8 26.f5 war eine Alternative, die wohl ebenfalls einen leichten weißen Vorteil verspricht, aber sehr verpflichtend ist, da Schwarz das Läuferpaar erhält.]

16...Dc7
Kraft der Suggestion? Der 16. Zug von Weiß legt diesen Zug nahe, doch bin ich mir nicht sicher, ob die Schwarze Dame nicht besser auf e7 stünde. Die schwarze Stellung ist sehr schwierig, da es keine Ansatzpunkte für ein Gegenspiel gibt. [ 16...Lg4 17.f3 Lc8 18.f4 Sed7 verliert ein Tempo, behält aber die Option, die Dame auf den Königsflügel zu überführen.]

17.f4 Sed7 18.Kh1
Ein wichtiger Teil der weißen Angriffsvorbereitungen. Vor Öffnung des Spiels wird der König aus dem Bereich des Lg7 gebracht, um jedwedes Gegenspiel zu unterbinden.

18...Sh7
Einer der wenigen Züge, die keinen Schaden anrichten. Schwarz überdeckt das Feld e5 mit dem Läufer und plant, den Springer zu einem späteren Zeitpunkt gegebenfalls über f8 nach d7 zu überführen.

19.Lg3 Tb8
[ 19...Dd8 sieht zwar paradox aus, war aber vielleicht stärker]

20.Tae1
[ 20.a5?! b5 21.axb6 Sxb6 Gibt Schwarz zu viele Gegenchancen.]

20...Shf8
Die angesprochene Überführung des Springers nach d7 beginnt. Auch dieser Zug hat noch keine direkt schädigende Wirkung auf die schwarze Stellung. Scheinbar steht dieser Springer sogar bereit, um als Reserve in den Kampf um das Feld e5 einzugreifen, allein - er kommt zu spät.

21.e5!
Endlich ist der thematische Voestoß möglich. Zwar ist das Feld e5 im Moment nur 2x angegriffen und 4x verteidigt, aber die Gegenüberstellung von Läufer und Dame sowie der ungedeckte schwarze Turm in der e-Linie schaffen die taktische Grundlage für den spielentscheidenden Vorstoß.

21...dxe5
[ 21...f5 22.Lc4 Kh7 23.Lb5 dxe5 ( 23...axb5 24.Sxb5 Dd8 25.Sxd6 b5 26.Lh4 Dxh4 27.Sxe8 bxa4 28.Sxg7 Kxg7 29.e6 La6 30.Tg1+- ) 24.fxe5 axb5 25.e6 Dd8 26.exd7 Txe1 27.Txe1 Lxd7 28.Lxb8 Dxb8 29.Sxb5 Lxb5 30.axb5 Sd7+/- ]

22.Sc4 f5
[ 22...exf4 23.Lxf4 Se5 24.Lxe5 Lxe5 25.Ld3 f5 26.d6 Dg7 27.Sd5 Te6 28.Sxe5 Txe5 29.Dxc5 Txe1 30.Txe1 Le6 31.Se7+ Kh8 32.Dc7+/- ; 22...Dd8 23.Se4 exf4 24.Lxf4 Ta8 25.Sed6 Te7 26.Dd2 Sb6 27.Da5 Sbd7 28.Lg3 f5 29.Lh4 g5 30.Sxf5+- ]

23.fxe5 Sxe5
[ 23...Lxe5 24.Lh5! Lxg3 25.Txe8 Sf6 26.Txf8+ Kxf8 27.Lxg6 Kg7 28.Lxf5 b5 29.Lxc8 Dxc8 30.Txf6! Kxf6 31.Se4+ Ke7 32.Sa5 Kf7 33.hxg3+- ]

24.Ld3 Sfd7 25.Te2
Die eigentliche Pointe. Weiß erobert das Feld e5.

25...b5 26.axb5 axb5 27.Sxb5 Dd8 28.Sbd6 1-0