Feuilleton

 

Aufsätze, Geschichten, Anekdoten...

 

Zur Psychologie des Fernschachspielers
Fernschach - aus weiblicher Perspektive betrachtet
Unsere Postabonnenten
Eberhardt-Wilhelm-Cup (Foto der Siegermannschaft)
Historischer Länderkampf gegen die UdSSR
Buch zum Jubiläumsturnier 40 Jahre BdF(ergänzt am 11.12.2011)

 


Rita Kallinger: Fernschach – aus weiblicher Perspektive betrachtet (Zeitschrift „Fernschach“, Januar 1964)

Schach ist das Spiel der Könige mit dem Unterschied, daß es wohl würdig ist, Zeitvertreib eines Königs zu sein, heutzutage aber das am wenigsten gespielte und dabei so geistreiche Spiel sein würde, wollten es wirklich nur Könige spielen.

Diesem „Spiel“ frönt auch mein Mann, und ich muß ehrlich sagen, dass ich ihn erst durch dieses Spiel charakterlich so richtig kennengelernt habe. Schach ist für ihn eine andere Welt, in der er sich in Gedanken auf Schlachtfeldern tummelt, angreift, abwehrt, sich verzweifelt verteidigt, en passant lustwandelt, riskante Seitensprünge macht, mit Würde verliert und mit echter Freude gewinnt, aber doch immer mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen bleibt.

Ein Schachspieler, insbesondere ein Fernschachspieler, muß ein Mensch sein, der über eine gewisse Seßhaftigkeit verfügt, der sich wohl fühlt in seiner abgeschlossenen, scheinbar stillen Welt, der aber innerhalb dieser und in seiner Phantasie ein turbulentes, abwechslungsreiches, ja oft gefährliches Leben führt und Abenteuer besteht. Hier kann er seinem inneren, vielleicht im Unterbewußtsein schlummernden Drang, ein Held zu sein und sich als Angreifer oder Verteidiger zu bewähren, nachgeben, hier kann er seine Fähigkeiten ohne störende Nebeneinflüsse entwickeln und ausbauen, und je abgeschiedener seine kleine Welt ist, d.h. je weniger man ihn in seiner kleinen Welt stört, desto wohler fühlt er sich, und seine Leistungsfähigkeit steigt.

Ich selbst habe festgestellt, daß mein Mann auf dem Schachbrett weitaus unternehmungslustiger als im wirklichen Leben ist. Oft finde ich ihn phlegmatisch. Beim Schachspiel jedoch entwickelt er Fähigkeiten und Charakterzüge, von denen ich gar nichts geahnt habe. Dann bin ich erstaunt über seine Wendigkeit, seine Begeisterungsfähigkeit und Einfälle, die er wahrscheinlich dann vorbereitet, wenn er mir verträumt und „nicht bei der Sache“ vorkommt, kurz wenn er für seine Umwelt nicht ansprechbar ist und über ein Schachproblem nachzudenken scheint. Kein Wunder, daß er dann hin und wieder im praktischen Leben den Eindruck größter Zerstreutheit erweckt, ja, daß ihm sogar oft genug Dinge passieren, die nur dann vorkommen können, wenn man mit dem Gedanken woanders weilt. Anfangs machten mich solche Vorkommisse ungehalten. Jetzt jedoch bin ich durch jahrelanges Training auf alles vorbereitet und gefaßt, und es kann mich kaum noch erschüttern, daß z.B. der Ofen völlig ausbrennt, nur weil mein Schach spielender Göttergatte (sic! -  der Tipper) an die Wahl der richtigen Variante, nicht aber an meine Bitte, den Ofen abzudrehen, dachte.

Und doch bin ich glücklich gerade über dieses Hobby meines Mannes. Läßt er mich doch teilhaben an seinen Unternehmungen. Mit jedem Namen ist eine besonders interessante oder entscheidende Partie verknüpft oder gar die Erinnerung an eine persönliche Begegnung. Jede Fernschachkarte, die eintrifft, ist auch für mich von Bedeutung, kann doch gerade diese Karte den entscheidenden Zug bringen oder von meinem Mann abverlangen. Auch entsteht zuweilen ein recht netter Kontakt zwischen den Gegnern, bei dem nicht nur Schachzüge, sondern auch Gedanken ausgetauscht werden und der meinen Mann sogar zum Studium einer Fremdsprache angeregt hat. Also ist Schach nicht nur als Denksport fördernd, es stellt auch Kontakt von Mensch zu Mensch her, sogar auf internationaler Basis, und bringt überdies Menschen der verschiedensten Gesellschaftsschichten einander näher.

Mein Mann bevorzugt gerade aus dem Grunde Fernschach, weil er nicht gezwungen ist, aus dem Hause zu gehen und der Weg vom Hobby zur Familie kein weiter sondern nur ein in Gedanken zurückzulegender ist.

Ich bin schon gefragt worden, ob ich selbst auch leidenschaftlich gern Schach spiele, und ich mußte jedes Mal offen bekennen, daß ich überhaupt nicht Schach spiele. Wohl kenne ich die Grundregeln, aber nur wie ein Erstklassler das ABC. Ich interessiere mich wohl für all das Drum und Dran, wäre aber selbst nicht in der Lage, mich nur zehn Züge lang zu verteidigen, geschweige denn, eine Partie überhaupt zu entwickeln. Mein Mann empfindet meine fehlenden Schachkenntnisse nicht als Mangel. Er behauptet, so das erforderliche Gegengewicht zu haben und immer nach gewisser Zeit aus seinen Schachträumen geweckt zu werden.

Schach ist Poesie und Mathematik, es verlangt Ausdauer, Konzentration und Einfallsgabe und somit den ganzen Menschen. Nur, wer sich diesem Spiel  mit Leib und Seele verschreibt, kann wirklich Erfolge erringen. Diese jedoch könnten unter Umständen das Glück einer Ehe kosten, wenn nicht auf Seiten der Frau genügend Verständnis vorhanden wäre und beim Manne die Bereitschaft fehlen würde, sich wenigstens ab und zu von ihr in die Wirklichkeit entführen zu lassen.

Abschließend sei noch erwähnt, daß die hölzerne Dame auf dem Schachbrett die einzige Dame ist, die ich meinem Mann neben mir gestatte. Eigentlich überflüssig diese Bemerkung, wo doch schachspielende Ehemänner kaum für die eigene Frau Zeit haben...

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Karl Linnmann: Zur Psychologie des FSp (des Fernschachspielers) (Zeitschrift „Fernschach“, März 1968)

Auch die unscheinbare Fernschachkarte ist ein kleines Spiegelbild unserer charakterlichen und sonstigen Plus- und Minuspunkt. Und jeder FSp wird in dieser kleinen Glosse, die übrigens keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, liebe, alte und vertraute Fernschachgegner wiedererkennen:

Nennen wir zuerst den Schnellspieler. Er antwortet grundsätzlich postwendend und gibt serienweise Eventualzüge an. – Der Kavalier unter den FSp legt Wert darauf, sich auf seiner ersten Karte vorzustellen. („bin 34 Jahre alt, von Beruf Schriftsetzer wie Sämisch, und spiele seit 3, 5 Jahren Fernschach.“) – Erfreulicherweise selten ist der Typ des FSp, dem es scheinbar weniger auf die Antwortzüge seines Gegners ankommt als auf die präzise Zeitrechnung. Er vergleicht mit der Lupe den unleserlichen Poststempel mit dem angegebenen Datum. Wehe, wenn die Daten nicht übereinstimmen, wehe, wenn Sie Ihre Karte abends in einen Kasten geworfen haben, der erst am nächsten Morgen geleert wird!

Neben den guten Verlierern, die rechtzeitig aufgeben und ihrem Gegner gratulieren, gibt es leider auch den schlechten Verlierer, der sich nur schwer entschließen kann, eine verlorene Partie aufzugeben. Vorher nimmt er noch einmal Urlaub, und sein „ich gebe auf“ schickt er erst ab, wenn die neue Ausgabe FERNSCHACH gerade erschienen ist, so daß dann nochmals vier Wochen vergehen, bis seine Niederlage veröffentlicht wird. – Verwandt mit diesem Typ ist auch der „Mach-mal-Pause“-FSp. Er spielt zuerst schnell und sorglos. Wenn er aber dann gepatzt hat, verliert er zunächst das Interesse an der Partie. Er antwortet nicht mehr. Oder macht 14 Tage Urlaub, um sich von seinem Schreck zu erholen, kommt aber nicht auf die Idee, daß er die Eröffnung nicht sorgsam genug behandelt hat.

Salz in der Fernschach-Suppe sind die ausgesprochen mutigen, ja verwegenen FSp. Sie riskieren schon in der Eröffnung einiges. Sie opfern ohne weiteres einen Bauern, um ein lebhaftes Spiel zu erhalten oder eine Stellung, die so kompliziert ist, daß auch tagelanges Analysieren zwecklos ist. (Übrigens, oft bekommen sie den geopferten Bauern nach spätestens 15 Zügen zurück, oder sie erlangen eine klare Gewinnstellung.) – Genau gegensätzlich ist der System-Spieler, der über umfangreiche und mit viel Fleiß angelegte Eröffnungskarteien verfügt und es genießt, im Zeitlupentempo jede neue Variante oder Abweichung von einer bekannten Variante zu verfolgen.

Sicher haben Sie auch schon einmal den briefmarkensammelnden FSp erlebt, der glücklich ist, einen Gegner zu finden, der außer für Fernschach auch noch für Postwertzeichen etwas übrig hat. – Liebenswert ist auch der FSp, der regelmäßig auf seiner ersten Karte die Hoffnung ausdrückt, es möge eine interessante Partie zustande kommen, die aber doch nach dem 14. Zug ein Remis ansteuert, weil er alle Verwicklungen ängstlich meidet.

Sicher kennen Sie die unterhaltsame Sorte von FSp, die ihre Karten regelmäßig mit kleinen Bemerkungen versehen. (Wie stehen Sie eigentlich gegen Schmidt? Ich habe einen Bauern weniger. Was hätten Sie auf Da7 gezogen? usw.) – Immer wieder begegnen wir auch dem Neuling, der auf der ersten Karte mitteilt: „ Mein erstes Fernschach-Turnier“ und damit von vorneherein seine Erfolgschancen um 50% reduziert. Denn auch Fernschach verlangt einige Praxis. – Zum Schluß nennen wir noch den ausgesprochenen Fernschach-Routinier, der die Gabe hat, seine Partien zugleich die knisternde Spannung eines Kriminalromans und die Schönheit eines Kunstwerkes zu verleihen.

Von allen FSp wissen wir, daß sie das Fernschach lieben, weil es ein einzigartiges Mittel ist, um den Verstand zu schärfen und das graue Leben zu vergolden!

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Zeitschrift „Fernschach“, Juni 1968: Unsere Postabonnenten

... machen wir darauf aufmerksam, daß zwischen dem 10. und 16. Juni der Postbote die Abonnentengebühr für das III. Quartal der Zeitschrift FERNSCHACH einkassieren wird. Bitte halten Sie den Betrag bereit. Falls Sie versäumen, den Betrag zu entrichten, stellt Ihnen die Post das Juliheft nicht mehr zu...

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Historischer Länderkampf gegen die UdSSR

1961 endete ein historischer Länderkampf gegen eine Vertretung der UdSSR. Für die deutsche Vertretung endete er mit einer, allerdings sehr achtbaren, Niederlage. Auf beiden Seiten kamen Spieler mit großen Namen zum Einsatz.

Ausschnitt 1 aus der Zeitschrift Fernschach

Ausschnitt 2 aus der Zeitschrift Fernschach

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40 Jahre BdF

Am 25. August 1986 jährte sich zum 40. Mal der Gründungstag der "Arbeitsgemeinschaft deutscher Fernschachfreunde", aus der der Bund deutscher Fernschachfreunde (BdF) hervorging, nach seiner späteren Umbenennung Deutscher Fernschachbund (BdF). Aus dem Anlass des 40. Jahrestages wurde zu einem internationalen GM-Einladungsturnier (40 Jahre BdF - in memoriam Bertl von Massow) eingeladen.

Zum Turnier wurde 1995 ein Turnierbuch vom BdF herausgegeben, welches an dieser Stelle als PDF-Dokument veröffentlicht wird.

Buch zum Jubiläumsturnier 40 Jahre BdF

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